Baby schläft nicht
 
Schlaflose Nächte: Wie geht's euch so?

Babyeltern schlafen schlecht. Das hat Nebenwirkungen. Schlimm? Nicht unbedingt - zeigt unsere Studie.

Baby schläft nicht: Schlaflose Nächte: Wie geht's euch so?
iStock, Pekic

Es soll ja Menschen geben, die bringen den Windelmüll runter und merken dann beim Rückweg vor der Haustür, dass sie gerade den Schlüssel entsorgt haben - denn die Windeln baumeln noch am Handgelenk.
Oder sie finden morgens das Smartphone im Brotkasten neben dem Toast und können sich nicht erinnern, wie es da hingekommen ist.
Nicht selten gehören solche Menschen zur Spezies Eltern, genauer: zur Spezies frischgebackene Eltern. Ja, sie haben ein Baby. Und sie schlafen schlecht. Seit Tagen, Wochen, Monaten.
Nachts stehen sie im Zwei-Stunden-Takt auf, suchen Schnuller, wechseln Windeln und wanken benommen mit dem hellwachen Baby auf dem Arm durch die dunkle Wohnung. Beim Versuch, das eigene Magenknurren mit einem Stück Toast zu beruhigen, muss im Tran irgendwie das Smartphone in die Brotbox gekommen sein.
Der genaue Tathergang lässt sich meist nicht rekonstruieren. Zumal sich der Kopf auch am nächsten Morgen noch anfühlt wie eine Matschbirne.

Was passiert, wenn erwachsene Menschen Nacht für Nacht weniger als sechs Stunden schlafen, haben zahlreiche Studien untersucht.
So erhöht Schlafmangel das Risiko für Übergewicht, Herzerkrankungen und Diabetes. Er schwächt das Immunsystem, führt zu Gedächtnislücken, Reizbarkeit, Halluzinationen.
Forscher der Universitäten Oxford und Oslo fanden sogar heraus, dass schlechter Schlaf im Laufe der Zeit die Gehirnsubstanz schrumpfen lässt.
Kurz: Schlafmangel macht dick, dumm und dünnhäutig.

Vor dem Hintergrund dieser Erkenntnisse ist es umso überraschender, dass die Zahlen unserer Umfrage zur gefühlten Belastung ziemlich niedrig sind. So stimmen nur 19 Prozent der Eltern, die aktuell ein Kind zwischen 0 und 18 Monaten haben, der Aussage zu: Doch, der Schlafmangel beeinträchtigt mich auch am Tag. Gerade mal 12 Prozent bejahen, unter permanentem Schlafmangel zu leiden (18 Prozent der Eltern mit einem Baby bis 6 Monate). Und bei nur 10 Prozent sind die Schlafprobleme häufig Anlass für Streit mit dem Partner bzw. der Partnerin.
Immerhin 35 Prozent sagen, dass ihnen Schlafunterbrechungen nicht viel ausmachen. Bei Eltern, die mit ihren Kindern im Familienbett schlafen, sind es sogar 52 Prozent.
Interessant: Betrachtet man die Eltern, die jetzt ältere Kinder haben und sich für unsere Umfrage an die Zeit in den ersten eineinhalb Jahren erinnert haben, steigt das Belastungsempfinden an. Dann sagen 32 Prozent, sie seien durch den Schlafmangel am Tag beeinträchtigt gewesen.
In der Erinnerung scheint die Belastung größer zu sein als in der Zeit, in der sie tatsächlich am größten ist. Sind also gerade Baby-Eltern Helden, wenn es um Schlafentzug geht, nehmen sie die Nebenwirkungen besonders tapfer hin?
Offenbar.
Vielleicht kalkulieren sie am Anfang die Schlaflosigkeit auch mehr ein als später.
Oder sie finden es einfach nicht so schlimm, schlecht zu schlafen, weil der Grund ein so wunderbarer ist: ein kleines, neues Menschlein (und nicht etwa ein verlorener Job oder Geldsorgen wie bei anderen schlaflosen Menschen).
Tatsächlich scheinen viele Eltern das schwierige Schlafthema gerade am Anfang mit kleinen Tricks für sich positiv aufzuladen. 45 Prozent der Eltern, die aktuell ein Kind zwischen 0 und 18 Monaten haben, schauen ihm gern beim Schlafen zu, 41 Prozent genießen es, das Baby ins Bett zu bringen.
So schaffen sie es, ungeahnte Kräfte zu mobilisieren und darauf zu vertrauen: Der Tag, an dem das Baby durchschläft, wird kommen. Und dann werden wir statt dick, dumm und dünnhäutig wieder schlank, schlau und charmant sein.
 

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