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Bauchlage Baby Warum es für Babys so wichtig ist, auch mal auf dem Bauch zu liegen

Baby liegt auf dem Bauch auf bunter Krabbeldecke und schaut ernst.
© Deksbakh / Adobe Stock
Nachts ist die Bauchlage ein No-Go. Das wisst ihr natürlich schon längst. Aber wusstet ihr, dass sie tagsüber sehr wichtig für die motorische Entwicklung eures Babys ist? Wir erklären, warum und geben euch Tipps, wie ihr euer Baby spielerisch an diese Position gewöhnt.

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Versucht mal, euch buchstäblich in die Lage eures Babys zu versetzen. Wie anders sieht die Welt aus, wenn man sich vom Rücken auf den Bauch legt! Wie viel mehr gibt es zu sehen! Aber für die Kleinen ist es besonders am Anfang ganz schön anstrengend, den Kopf dabei zu halten. Deshalb bitte das Baby zunächst nur kurze Zeit und unter Beobachtung in der Bauchlage lassen. Und natürlich nur tagsüber. Nachts erhöht die Bauchlage das Risiko für den plötzlichen Kindstod.

Warum ist die Bauchlage für Babys so wichtig?

In der Bauchlage trainiert dein Baby zunächst die Nacken- und Schultermuskulatur. Die braucht es, um etwa im dritten Lebensmonat seinen Kopf heben und später auch drehen zu können. Das tut es meistens ganz von allein, denn in Bauchlage gibt es viele neue Dinge zu entdecken. Aus Neugierde hebt euer Kleines immer häufiger den Kopf und schaut sich um. Dabei wird auch die Rücken- und Armmuskulatur gestärkt, denn dein Baby beginnt, sich in der Bauchlage mit den Unterarmen abzustützen, um noch besser sehen zu können. Die Stärkung der Muskeln ist auch die Vorbereitung auf die folgenden motorischen Meilensteine, etwa das Drehen oder das freie Sitzen. Auch das Krabbeln und spätere Laufen ist ohne die sogenannte Kopfkontrolle nicht denkbar. Sie wird durch die Bauchlage perfekt gefördert.

Wird ein Baby zu selten in Bauchlage gebracht, stört dies nicht nur die altersgerechte Entwicklung. Liegt ein Kind nur auf dem Rücken, kann sich zudem der Schädel des Kindes verformen (Abflachen des Hinterkopfes, Schädelasymmetrie). Aber keine Sorge! Bei den U-Untersuchungen hat euer Kinderarzt das im Blick und überprüft auch, wie euer Kleines mit der Bauchlage umgeht.

Ab wann dürfen wir unser Baby auf den Bauch legen?

Die Bauchlage könnt ihr schon kurz nach der Geburt in euren Alltag integrieren, um euer Kind schon früh an die Position zu gewöhnen. Kinder, die erst nach einigen Wochen oder Monaten in Bauchlage gebracht werden, finden sie oft unangenehm, denn sie ist viel anstrengender als die Rückenlage. Anfangs legt ihr euer Kleines natürlich noch nicht auf eine Krabbeldecke. In den ersten Wochen könnt ihr euren Säugling aber zum Beispiel in Bauchlage auf euren Oberkörper legen. So verbindet das Baby die Position mit dem angenehmen Gefühl von Wärme, nackter Haut und eurem Geruch. Sprecht mit ihm, dann wird es nach einiger Zeit versuchen, sein Köpfchen zu heben, um zu sehen, woher die vertraute Stimme kommt.

Auch auf eurem Unterarm liegend kann euer Baby schon früh mit der Bauchlage vertraut werden. Viele Babys lieben den Fliegergriff, da er die Bauchlage mit Bewegung kombiniert. Oder ihr legt euch euer Baby in Bauchlage über die Schulter. Auch in dieser Haltung wird es bald versuchen, den Kopf zu heben, um sich besser umschauen zu können in der Welt.

Wie könnt ihr euer Baby in der Bauchlage unterstützen?

Jedes Kind entwickelt sich in seinem eigenen Tempo. Wann euer Baby das Köpfchen hebt oder sich selbst in die Bauchlage dreht, könnt ihr nicht beschleunigen. Aber ihr könnt es schon früh an die Position gewöhnen, ihm spielerisch zeigen, dass die Bauchlage sich gut anfühlt und ziemlich spannend sein kann. In jedem Alter habt ihr dazu andere Möglichkeiten:

Euer Baby in Bauchlage: 0. – 2. Monat

  • Legt das Baby auf Mamas oder Papas Oberkörper und ermutigt es durch Ansprache, den Kopf ganz kurz zu heben.
  • Probiert den Fliegergriff aus.
  • Beim Wickeln könnt ihr es zwischendurch auf den Bauch legen, bevor ihr die neue Windel anlegt.
  • Anfangs sollten die Intervalle nur wenige Minuten lang sein. Die meisten Baby beginnen zu quengeln, wenn ihnen die Bauchlage zu anstrengend wird.
  • Hebt es das Köpfchen schon an, funktioniert jetzt auch eine härtere Unterlage. Etwa eine Krabbeldecke. Dort kann sich euer Baby auch bald mit den Unterarmen abstützen und so die Rumpfmuskulatur trainieren. Anfangs könnt ihr euer Kind mit einem eingerollten Handtuch unterstützen, das ihr ihm unter den Oberkörper hinter die Oberarme legt.

Euer Baby in Bauchlage: 3. – 4. Monat

  • Euer Baby kann den Kopf jetzt vermutlich schon ein bis zwei Minuten oben halten und von einer zur anderen Seite drehen. Sein Blickfeld erweitert sich.
  • Ob die Kopfkontrolle zunimmt, merkst du auch, wenn du dein Baby trägst und es nicht mehr so stark im Nacken stützen musst. Beim Ablegen in die Bauchlage ist es dennoch wichtig, seinem Kopf etwas Halt zu geben.
  • Zwei- bis dreimal täglich kannst du dein Baby nun in Bauchlage bringen und die Zeit ein wenig ausdehnen, indem du es beschäftigst. Bunte Tücher, knisternde Greiflinge oder ein weicher Ball machen die Bauchlage spannend.
  • Am Ende des 4. Monats sind zehn Minuten Spielen in Bauchlage eine gute Zeitspanne. Danach ist eine Pause angesagt. Vergesst nicht, dass der Kopf noch immer der schwerste Körperteil ist. Ganz schön anstrengend, ihn oben zu behalten!

Euer Baby in Bauchlage: 5. – 6. Monat

  • Im fünften Lebensmonat können die meisten Babys sich drehen. Kinder, die die Bauchlage nicht so mögen oder die die Position zu sehr anstrengt, drehen sich häufig zuerst vom Bauch auf den Rücken – zurück in die Bequemlichkeit.
  • Aber auch die Drehung zurück gelingt sicher bald. Auf dem Bauch ist es doch oft interessanter.
  • Unterstützt die Drehung, indem ihr euer Kind mit einem tollen Spielzeug animiert.
  • Zwischen 15 und 30 Minuten kann dein Baby nun in der Bauchlage spielen. Dabei stützen die meisten Kinder sich nun mit den Unterarmen oder auch zum Teil schon mit den Händen ab.
  • Besonders interessante Gegenstände erreichen einige Babys nun durch Robben oder Rutschen. Einige setzen sich schon selbständig hin.

Euer Baby in Bauchlage: 7. – 10. Monat

  • Die meisten Kinder können sich nun im 7. Monat allein von der Bauch- in die Rückenlage drehen. Einige schaffen auch schon den Weg zurück.
  • Rund um den 7. Lebensmonat beginnen viele Babys auch, sich selbständig aufzusetzen. Ist der Bewegungsablauf nach einigen Wochen gefestigt, verliert die Bauchlage langsam ihre Bedeutung. Denn die neue Position ist noch viel praktischer. Schließlich hat euer Baby nun die Hände frei, um Spielzeuge und Leckerbissen zu erkunden.
  • Babys, die sich in diesem Alter noch nicht drehen, könnt ihr mehrmals am Tag animieren, indem ihr die Seite, zu der es sich drehen soll, interessanter gestaltet. Zum Beispiel, indem ihr es von dieser Seite aus ansprecht, mit einem Spielzeug oder einfach mal einem neuen Ort für die Krabbeldecke.

Wann ist die beste Zeit zum Üben?

Wann seid ihr selbst offen für Neues? Genau, wenn es euch gut geht und ihr nicht hungrig oder müde seid. Beim Baby ist das nicht anders. Gerade bei Kindern, die die Bauchlage zunächst nicht so angenehm finden und leicht anfangen, zu quengeln, gilt: Bringt euer Kind nur in Bauchlage, wenn es wach, satt und gut gelaunt ist.

Wann es sich in der neuen Position wohlfühlt und beginnt, den Kopf zu heben, zu robben oder sich zu drehen, könnt ihr aber nicht beeinflussen. Eure Unterstützung besteht nur darin, eurem Baby ausreichend Gelegenheit zu geben, die nächsten Entwicklungsschritte allein zu schaffen und euch mit ihm zu freuen, wenn es ihm gelingt.

Ist es gut, wenn Babys in Bauchlage schlafen?

Die Bauchlage ist eine wichtige Grundlage für die weiteren motorischen Entwicklungsschritte eures Babys. Sie ist aber nur für den Wachzustand geeignet. Lasst euer Baby bitte nicht in Bauchlage schlafen! Denn als Schlafposition erhöht die Bauchlage das Risiko des Plötzlichen Kindstods. Schlafen sollte euer Baby nur auf dem Rücken. Nur so kann sich der Brustkorb eures Kindes ungehindert heben und senken und Mund und Nase werden nicht seitlich von der Matratze/Unterlage verdeckt. Gewöhnt euer Baby schon zu Beginn an diese Schlafposition, dann ist sie für euer Kleines ganz selbstverständlich.

Kann euer Kind sich später selbst auf den Bauch rollen, werdet ihr das nachts nicht immer mitbekommen. Außerdem ist es auch nicht förderlich, seinen Schlaf regelmäßig zu stören. In diesem Alter ist eine sichere Schlafumgebung die beste Prävention. Dazu gehört ein gut gelüftetes, nicht zu warmes Schlafzimmer (16 bis 18 Grad), ein Schlafsack statt Decke, keine Kuscheltiere, Kissen oder Nestchen im Bett und der Verzicht auf Zigarettenqualm in der Wohnung.

Ist Schlafen auf dem Bauch sicher für Babys?

Am sichersten ist die Bauchlage, wenn ihr, du und dein Baby, auf einer Krabbeldecke am Boden spielt. Denn auch von einem breiten Sofa kann dein Baby herunterfallen, wenn es sich plötzlich dreht. Und mit dem ersten Drehen müsst ihr ab dem 3. Monat jederzeit rechnen. Also am besten keine Experimente!

Das gilt auch dann, wenn du dir dein Neugeborenes auf den Oberkörper legst. Schließlich nicken müde Mamas und Papas schon mal ein, wenn sie sich hinlegen. Also besser ein kuscheliges Lager auf dem Wohnzimmerboden einrichten, statt einen Sturz aus dem Bett zu riskieren.

Eine Krabbeldecke schützt euer Baby auch davor, sich den Kopf zu stoßen. Dieser ist im Verhältnis zum Körper einfach sehr schwer und sinkt nach den ersten Versuchen, ihn anzuheben, schon mal ungebremst auf den Boden zurück. Gut, wenn dort kein harter Steinboden, sondern eine wattierte Decke ist und den Aufprall dämpft.
Euer Baby braucht in der Bauchlage eure ganze Aufmerksamkeit. Lasst es nicht allein. Sollte es zum Beispiel spucken müssen, könnte es sich noch nicht allein von seinem Erbrochenen wegbewegen.
Beobachtet euer Kind: Wird es quengelig oder kann seinen Kopf nur mühsam oben halten? Dann ist es mit der Situation überfordert. Helft ihm zurück in die Rückenlage.

So übt ihr die Position spielerisch

Einige Babys finden die Bauchlage anfangs unangenehm und beginnen schnell zu quengeln. Gerade Babys, die zuvor oft in einer Babywippe lagen, haben eigentlich keinen Grund, die neue Position zu akzeptieren. Schließlich sehen sie in der Wippe viel besser, was um sie herum passiert. Außerdem sind die Bauchlage und das Anheben des schweren Köpfchens sehr anstrengend. Gebt nicht auf. Es gibt einige Tricks, mit denen ihr eurem Baby die Bauchlage schmackhaft machen könnt:

  • Zeig deinem Baby, dass Mama oder Papa immer da sind und sich besonders intensiv kümmern, wenn es in Bauchlage gelegt wurde. Versucht, mit einem bunten Spielzeug oder seinem Lieblingsstofftier die Aufmerksamkeit eures Kleinen zu erregen und freut euch mit ihm, wenn es versucht, den Kopf zu heben.
  • Noch spannender aber seid ihr Eltern selbst. Legt euch auch auf den Boden. Singt eurem Schatz etwas vor oder macht lustige Grimassen. Euer Baby genießt eure Nähe und wird irgendwann versuchen, den Kopf zu heben, um euch besser zu sehen.
  • Um deinem Baby die Bauchlage etwas leichter zu machen, könnt ihr ihm auch eine Handtuchrolle oder ein längliches Kissen unter die Brust legen. In dieser abgestützten Position ist ihnen die Bauchlage oft angenehmer.
  • Ist euer Baby schon so weit, dass es die Arme in Bauchlage aufstützt, könnt ihr sein Spielzeug auch ein wenig außerhalb seiner Reichweite hinlegen. Bestimmt wird es seinen Kopf in die Richtung drehen und bald versuchen, mit einer Hand danach zu greifen.
  • Ihr könnt euer Kleines auch auf einen weichen Gymnastikball legen und es darauf sanft Richtung Spielzeug rollen. Das macht nicht nur großen Spaß. Euer Kind wird begreifen, dass die Vorwärtsbewegung zum Ziel führt und später auf dem Boden versuchen, es allein zu schaffen.

Und was, wenn euer Kind sich schon früh dreht und sich nachts in die Bauchlage rollt? Das erfahrt ihr in unserem Artikel „Ab wann dürfen Babys auf dem Bauch schlafen?" Wichtig ist außerdem, dass ihr mit ganz kurzen Sequenzen beginnt, die ihr dann langsam steigert. Achtet auf euer Baby und überfordert es nicht. Es geht hier nicht um sportliche Höchstleistungen, sondern darum, eurem Kind die Chance zu geben, den nächsten Entwicklungsschritt allein zu schaffen.

Übrigens: Kinder, die die Bauchlage nicht mögen, drehen sich oft schneller. Die Rolle seitwärts ist ihr Weg, sich aus der ungeliebten Position zu befreien.

Quellen:

Annette Nolden et al. (2013): Das große Buch für Babys erstes Jahr: Das Standardwerk für die ersten 12 Monate, München: Gräfe und Unzer.

Kinderärzte im Netz: Entwicklungskalender.

Krombholz, Heinz (2018): Meilensteine der motorischen Entwicklung – Zwischenergebnisse, in: Hebamme, 31 (06), 387-392.

Remo Lago (2016): Babyjahre: Entwicklung und Erziehung in den ersten vier Jahren, München: Piper.


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