Motorische Entwicklung
 
Jedes Baby hat sein eigenes Tempo

Das eine krabbelt früh, sein erstes "Mama" kommt ihm aber vielleicht spät über die Lippen. Das andere schläft schon acht Stunden durch, will sich aber noch nicht umdrehen. Kinder haben ihr eigenes Tempo, besonders wenn es darum geht laufen zu lernen.

„Krabbeln strengt an. Ist das Ziel dann zum Greifen nah, hat sich die Plackerei gelohnt!“
iStock, gradyreese
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Die Bewegungsentwicklung folgt von Anfang an ihrem ganz eigenen, inneren Plan, der nur ein Ziel kennt: Irgendwann will das Kind auf eigenen Beinen die Welt entdecken! Der Weg dahin besteht aus vielen kleinen Schritten, die bei jedem Baby ein bisschen anders aussehen: Manche Kinder zieht es ungeduldig in die Höhe, andere wollen vor allem vom Fleck kommen, wieder andere lassen sich mit all dem mehr Zeit. Keine Entwicklungstabelle der Welt kann diese Vielfalt abbilden – weshalb Eltern ihrem Baby und sich selbst einen großen Gefallen tun, wenn sie nicht ängstlich auf Zahlen schielen, sondern darauf vertrauen, dass ihr Kleines schon wissen wird, was wann dran ist. Denn Laufenlernen ist ein Grundbedürfnis. Und irgendwann lernen sie es alle. Hier ein Überblick über die wichtigsten Schritte zum Laufen. Aber wie gesagt: immer mit der Ruhe, die Altersangaben sind nur grobe Anhaltspunkte und jeweils Durchschnittswerte.
Neugeboren: Ärmchen und Beinchen eng angezogen, das Köpfchen seitlich angelegt, kauert das Neugeborene bäuchlings auf Mamas oder Papas Brust – so kompakt zusammengekuschelt, wie es auch die letzten Wochen im Bauch verbracht hat. Aus dieser Bauchlage heraus trainieren sie nach und nach ihre Muskeln.
Mit ungefähr drei Monaten stützen sich viele Babys auf ihren Händchen oder Ellbogen auf, heben dabei ihr Köpfchen an und gucken geradeaus. Ihre Beine ruhen dabei nicht mehr unter ihrem Körper, sondern sind ausgestreckt – eine erste Vorbereitung aufs Robben.
Mit etwa sechs Monaten schaffen es viele Babys schon, in Bauchlage mit einer Hand nach einem Spielzeug zu greifen, ohne umzukippen. Außerdem können sie jetzt in dieser Position das Köpfchen nach recht und links drehen und die Füße vom Untergrund abheben. Typisch in diesem Alter: Das Kleine trainiert seine Körperspannung, indem es gleichzeitig mit Armen und Beinen in der Luft rudert und nur noch mit dem Bauch auf dem Boden aufliegt. Ebenfalls mit ungefähr sechs Monaten können Babys auf dem Rücken liegend ihr Köpfchen anheben und die Beine mit den Händen umfassen und an sich heranziehen. Manche Babys schaffen es jetzt sogar, sich selbst an den Zehen zu nuckeln! Typisch ist jetzt das Kullern von einer Seite zur anderen mit festgehaltenen Beinchen – ein prima Gleichgewichtstraining für später!
 

Schrittchen für Schrittchen zum Laufen

Kind krabbelt
Thinkstock, Ingram Publishing

Vom Drehen zum Kullern: Mit drei bis sieben Monaten beginnen die meisten Babys, sich zu drehen. Manche starten damit aus der Bauchlage heraus, andere auf dem Rücken liegend. Oft dauert es ein paar Wochen, bis die Kleinen sich auch wieder in ihre ursprüngliche Position zurückdrehen können.
Vom Rutschen zum Robben: Mit sieben bis zehn Monaten beginnen viele Babys, aus der Bauchlage heraus vorwärts zu robben. Dabei strecken sie die Arme nach vorn, stützen sich auf und ziehen ihren komplett auf dem Boden aufliegenden Körper nach. Später erleichtern sie sich diese Kraftanstrengung, indem sie mit den Beinen ebenfalls mitschieben. Nach und nach machen sie die Erfahrung, dass das Robben schneller geht und weniger Kraft kostet, wenn Arm und Bein jeweils über Kreuz arbeiten, also die rechte Hand zieht und der linke Fuß schiebt und umgekehrt. Diese Erfahrung kommt ihnen später beim Krabbeln zugute.
Auf die Knie, fertig, los! Viele Babys fangen zwischen ihrem fünften und elften Lebensmonat an zu krabbeln. Dazu stützen sie sich auf ihre Hände und Knie auf, wippen hin und her und beginnen schließlich, je eine Hand und ein Knie vor das andere zu setzen. Dabei krabbeln viele Babys zunächst rückwärts und ärgern sich darüber. Doch schon bald kommen sie voran und werden immer schneller!
Vom Krabbeln zum Sitzen: Die meisten Babys sitzen schon lange, bevor sie sich selbst hinsetzen können – angelehnt an Mama oder Papa, etwa bei den gemeinsamen Mahlzeiten. Das ist auch völlig okay. Den meisten Babys gelingt das eigenständige Hinsetzen zwischen dem achten und dem zwölften Lebensmonat.
Viele Wege führen zum Laufen: Alle Kinder streben im Lauf der ersten anderthalb Lebensjahre irgendwann in die Höhe. Doch wie genau sie das tun, ist individuell verschieden.
 

Der Klassiker: Übers Krabbeln zum Laufen

Viele Babys entwickeln sich wirklich wie im Lehrbuch: Sie drehen sich mit fünf bis sieben Monaten vom Bauch auf den Rücken und umgekehrt, fangen mit sieben bis zehn Monaten zu krabbeln an, ziehen sich dann zum Stehen hoch und machen mit zehn bis 16 Monaten die ersten freien Schritte.
 

Die Spezialisten: Popo-Rutscher und Bären-Füßler

Etwa jedes fünfte Baby hält sich nicht an den klassischen Entwicklungsplan: Manche lassen das Robben aus und fangen gleich an zu krabbeln. Andere bewegen sich auf dem Po rutschend vorwärts. Wieder andere drücken sich aus der Bauchlage heraus mit Händen und Füßen ab und spazieren im sogenannten Bärengang, also auf beiden Händen und Füßen gleichzeitig. Teilweise werden diese kreativen Bewegungsmuster vererbt: Etwa 40 Prozent dieser Spezialisten haben ein Elternteil, das es genauso machte.
Die Spätzünder: Etwa drei Prozent aller Babys durchlaufen die Entwicklungsschritte im ganz eigenen, etwas langsameren Tempo. Diese Babys machen oft erst mit 18 bis 20 Monaten ihre ersten freien Schritte. Immer noch früh genug!