Familienleben
 
Zwei Kinder unter zwei

Zwei Kinder in zwei Jahren: Glück hoch zwei und Stress hoch zwei. Jede Menge Windeln. Einer schreit immer. Bitte nicht durchdrehen - damit der Alltag etwas einfacher wird, haben wir 15 Überlebensstrategien.

Baby im Arm von Kleinkind
Thinkstock - jandrielombard
Artikelinhalt

Das hilft Mama

1. Aufgaben verteilen:
Logisch: Wer zwei Kleinkinder versorgt, kann nicht auch noch den ganzen Haushalt alleine machen. Deshalb ist jeder Handgriff, den Papa tut, wichtig. Dadurch wird Mama entlastet. Aber auch der Lerneffekt ist nicht zu unterschätzen: Einkaufen für vier ist doppelt so anstrengend wie einkaufen für zwei. Wer regelmäßig das Bad schrubbt – unterstützt von einem weinenden Baby und einem hoch motivierten Kleinkind – wird sich in Zukunft dumme Fragen verkneifen: "Und was hast du heute eigentlich gemacht, Schatz?"
2. Wünsche äußern
Beim zweiten Kind - vor allem wenn der Abstand kurz ist - hat man in der Regel genug von allem, was Kinder so brauchen: Babybett, Strampler, Kuscheltiere. Wenn Großeltern und Freunde die junge Familie trotzdem beglücken wollen, dürfen sie das gerne in Form von geschenkter Zeit tun: 5x Baby durch den Park schieben, einen großen Korb Wäsche leer bügeln oder was sonst gerade so ansteht.
3. Den Haushalt straff organisieren
Einmal die Woche einkaufen ist effektiver als täglich loszuziehen. Wer regelmäßig Nudel-, Pizza-, Reis- und Kartoffeltage einführt, muss nicht immer wieder neu überlegen. "Was koche ich heute?" und hat den Kopf frei für wesentlichere Dinge des Lebens: Mit den Kleinen auf dem Wohnzimmerteppich kuscheln oder die Spielplätze in der Umgebung unsicher machen.
4. Raus aus dem Spaghettiberg
Einmal pro Woche hat Mama frei. Was sie dann tut? Mit der besten Freundin ins Kino gehen. Eine Runde Radeln im Park. Sie lässt sich von der Kosmetikerin verwöhnen oder liest 50 Seiten Krimi – im Cafe, nicht im Wohnzimmer.

Schlafenszeit mal zwei

4. Entwickle eine Zu-Bett-Bring-Strategie
Zwei kleine Kindern sollen ins Bett: jeden Abend eine Herausforderung. Eins ist müde und will schlafen, das andere nicht. Das große Kind möchte kuschelnd mit Mama seine Gute-Nacht-Geschichte hören, das Kleine quengelt und will rumgetragen werden. So kommt keiner zur Ruhe.
Wenn möglich, hol Dir Hilfe. Papa kommt zu spät von der Arbeit? Dann kann vielleicht eine liebe Nachbarin oder Freundin aushelfen und das Kleine im Kinderwagen schieben, während Du das Größere in Ruhe bettfertig machst. Wenn Du auf Dich alleine gestellt bist, versuche das Kleine zu stillen, während Du die Gute-Nacht-Geschichte vorliest. Mit etwas Glück schlafen beide dabei ein. Klappt nicht immer. Leg das Kleine aber erst in sein Bettchen, wenn Du relativ sicher bist, dass es tief schläft. Sonst schreit es sein großes Geschwisterchen gleich wieder wach. Bis beide endlich schlafen, bleibt Dir wohl nichts anderes übrig, als dabei zu bleiben.
5. Passt Euer Einschlafritual noch?
Versuch Euer bisheriges Einschlafritual so anzupassen, dass es für beide Kinder stimmig ist. Vielleicht singst Du zuerst mit dem größeren Kind zusammen am Babybett. Danach liest Du mit großem Kind auf dem Schoß die Gute-Nacht-Geschichte vor dem Babybett vor. Wie Du das am besten gestaltest, hängt von den Charakteren und Schlaftypen Deiner Kinder ab. Mit etwas Gewöhnung akzeptieren beide Kinder, dass Mama mal am einen und mal am anderen Bett steht und kuschelt, bevor sie aus dem Kinderzimmer geht.
6. Das läuft jetzt leichter
Der Vorteil bei zwei Kindern ist, dass nun keines mehr alleine schlafen muss. Erfahrungsgemäß geht daher der Wechsel ins Kinderzimmer beim Zweiten viel reibungsloser.
7. No-Go für Spätheimkommer
Die Gute-Nacht-Geschichte ist grad zu Ende, da kommt Papa heim und will noch mal mit beiden Kindern ordentlich kuscheln. Die Sehnsucht von Papa ist total verständlich, aber das wirft Euch jetzt um eine Stunde zurück. Denn die Kinder drehen noch mal richtig auf, wenn der lang ersehnte Papa plötzlich noch eine Runde Toben anbietet. Entweder schafft es Papa, eine halbe Stunde früher heim zu kommen und übernimmt die Gute-Nacht-Geschichte. Oder der Gute-Nacht-Kuss muss warten, bis beide Kinder tief schlafen. Am Wochenende dann aber umso wichtiger, dass Papa das Zu-Bett-Bringen übernimmt.  

nbsp;

Das tut gestressten Eltern gut

8. 14-tägige Teamsitzungen:
Wenn zwei oder mehr Kollegen an einem Projekt arbeiten, müssen sie sich regelmäßig abstimmen, wer welche Aufgaben übernimmt. In einer Familie ist das nicht anders. Der große ist gerade sehr eifersüchtig, wie könne wir ihm helfen? Wer telefoniert die Kinderkrippen durch, ob Plätze frei sind? Wohin fahren wir in Urlaub, und wer kümmert sich darum? Wer hat in nächster Zeit wichtige Job-Termine und muss entlastet werden? Nur wer weiß, was den anderen beschäftigt, zieht am gleichen Strang.
9. Ein Abend für die Liebe
Essen gehen, Kino, eine Ü-30-Party. Wichtig: Es muss beiden Spass machen und helfen, den Alltag für ein paar Stunden hinter sich zu lassen. Tabu-Themen: Kinder, Haushalt, Finanzen und Beruf. Was dann noch bleibt an Gesprächsstoff?? Findet es heraus.
10. Hilfe kaufen
Man kann klare Absprachen treffen, wer wann die Küche putzt und dann regelmäßig nachverhandeln. ("Ich bin heute so müde" oder "Das habe ich total vergessen") Man kann es aber auch lassen und Arbeit deligieren. Eine Putzfrau und ein regelmäßiger Babysitter sorgen für mehr Familienfrieden. Dafür lieber andere Anschaffungen aufschieben.
11. Eventuell einen Familienkredit aufnehmen
Junge Familien haben wenig Geld, weil sie - vorübergehend - oft nur mit einem Gehalt auskommen müssen. Und das in einer Phase, die auch ohne finanzielle Sorgen anstrengend genug ist. Paartherapeutin Eva Tillmetz plädiert deshalb dafür, in die Zukunft der Liebe zu investieren: Für 5000 Euro kann man sich ganz locker 500 Babysitterstunden leisten! Eine Scheidung kommz deutlich teurer.

Streicheleinheiten für den Nachwuchs

12. Die Kinder aufteilen
Zwei kleine Kinder sind anstrengend - eins allein ein Genuss, den man sich regelmäßig gönnen sollte. Zum Beispiel: Mama geht mit dem Großen Eis essen, während Papa mit dem (schlafenden) Baby Fußball guckt. Oder: Papa frühstückt mit der Großen, während Mama das kleine Kind in aller Ruhe stillt.
13. Das große Kind groß sein lassen
Kinder sind stolz auf alles, was sie schon können und dürfen. Mit der Oma in den Zoo gehen - und das Baby muss daheim bleiben. Gummibärchen naschen - und das Baby kriegt nur Milch.
14. Das große Kind auch mal klein sein lassen
Wer mit 18 Monaten einen kleinen Bruder, eine kleine Schwester bekommt, wird automatisch zum Großen und soll auf einmal alles selber können: selber essen, vernünftig sein, warten können, bis das Baby Mama nicht mehr braucht. Dabei ist man mit anderthalb selbst noch ziemlich klein. Und muss das auch ausleben dürfen. Während das Baby schläft, nehmen sich Mama und Papa ausgiebig Zeit zum Kuscheln und für Babyspiele auf dem Wickeltisch.
15. Unterschiedliche Bedürfnisse achten
Es ist ja so praktisch: Zwei Kinder im Kleinkindalter bedeutet eine Krabbelgruppe. Und später: ein Schwimmkurs, ein Fußballverein, eine Ballettstunde. Auch wenn es den Elternalltag organisatorisch leichter macht, wird man den unterschiedlichen Fähigkeiten und Vorlieben der Kinder damit nicht unbedingt gerecht. Die Kleine ist frustriert, weil der Große alles besser kann, der Große genervt, weil er auf die Kleine warten muss. Wer regelmäßig allein was unternehmen darf, freut sich auch wieder über den Sparringpartner im Kinderzimmer.

Grafik: Wie schnell kommt das zweite Kind in Deutschland zur Welt?

Hier können Sie die Grafik als PDF runterladen.


Wie schnelll kommt das zweite Kind? Ganz schön unterschiedlich - schauen Sie mal.
© Bianca Classen