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Ätherische Öle für Babys Warum die Duftstoffe für die Kleinen gefährlich werden können

Ätherische Öle für Babys: Frau kuschelt mit Baby auf dem Sofa
© Tomsickova / Adobe Stock
Badezusätze oder Balsam mit ätherischem Öl sind beliebte Hausmittel zur Behandlung von Erkältungssymptomen wie Husten und Schnupfen. Für Babys und Kleinkinder können diese allerdings lebensbedrohlich sein.

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Ein warmes Erkältungsbad oder das Einreiben der Haut mit Erkältungsbalsam: Viele Erwachsene greifen bei einer Erkältung gerne auf Produkte mit ätherischen Ölen zurück. Ganz unbedenklich sind die pflanzlichen Extrakte allerdings nicht – vor allem für Babys und Kleinkinder. Wir erklären euch, warum ätherische Öle sogar lebensbedrohlich sein können und wie ihr als Eltern in einem Notfall am besten handelt.

Was sind ätherische Öle und wie wirken sie?

Manche Pflanzen bilden mittels kleiner Drüsen winzige Öltröpfchen. Dieses Öl erzeugt den für die Pflanze charakteristischen Duft und erfüllt einen wichtigen Zweck: Es schützt die Pflanze vor Krankheitserregern wie Bakterien, Viren und Pilzen. Wird dieses pflanzliche Öl nun aus den Pflanzen herausgepresst und extrahiert, sprechen wir von ätherischen Ölen. Diese meist farblosen Flüssigkeiten verströmen einen intensiven Geruch und sollen durch die Aufnahme über Haut- und Schleimhäute ihre positive Wirkung auch für den Menschen entfalten.

Ihre vorwiegende Anwendung finden ätherische Öle als Duftstoffe in Kosmetik oder in der Aromatherapie. Produkte mit ätherischen Ölen sind besonders bei Erkältungen beliebt: Tropfen, Salben und Badezusätze mit Öl aus Eukalyptus, Kampfer oder Menthol finden sich in fast jedem Haushalt. Die Wirkung der ätherischen Öle hängt dabei von der Art der Herkunftspflanze ab: Während Produkte mit Eukalyptus oder Menthol schleimlösend wirken, kann Linalool – das im Öl aus Lavendel steckt – nachweislich Stress abbauen. In-vitro-Studien konnten zudem zeigen, dass einige ätherische Öle stark antibakteriell wirken. Ihre Wirkung im Körper entfalten ätherische Öle durch die Aufnahme über Haut und Schleimhäute – daher wirkt ein Erkältungsbad auch besonders intensiv.

Warum sind ätherische Öle für Babys und Kleinkinder gefährlich?

Was den Eltern guttut, wird den Kindern schon nicht schaden? Weit gefehlt! Kleine Kinder und Babys reagieren weitaus empfindlicher auf ätherische Öle als Erwachsene und bereits kleinste aufgenommene Mengen können für Säuglinge lebensbedrohlich giftig sein! Daher ist es wichtig, Produkte, die ätherische Öle enthalten, außer Reichweite und kindersicher zu lagern. Besonders gefährlich ist es zudem, wenn Tropfen des ätherischen Öls versehentlich in den Nasen-Rachenraum des Kindes oder Babys gelangen: Ein lebensbedrohlicher Stimmritzenkrampf (auch Glottiskrampf oder Kehlkopfkrampf) kann die Folge sein. Hier verkrampft sich die Stimmritze des Kehlkopfes, sodass das Atmen nicht mehr möglich ist und ein Atemstillstand eintritt. Ein absoluter Notfall, bei dem schnell gehandelt werden muss! Außerdem kann die Verwendung von Produkten mit ätherischen Ölen zu Hautausschlägen, Übelkeit und Erbrechen, Krämpfen oder Atemstörungen bei eurem Säugling oder Kind führen. Öle aus Zitrusschalen können in Kombination mit Sonneneinstrahlung auf der Haut sogar zu Verbrennungen führen.

Kinderärzte raten von der Nutzung ätherischer Öle ab

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BvKJ) und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) raten daher davon ab, Produkte, die ätherische Öle enthalten, ohne medizinische Beratung bei Kindern und Babys anzuwenden. Das gilt sowohl für Erkältungs- und Entspannungspräparate als auch für Duft- oder Aromaöle, die in Duftlampen eingesetzt werden. Insbesondere Produkte, die Eukalyptus-, Kampfer-, Thymian- oder Pfefferminzöl (Menthol) enthalten, sind für Kinder strikt zu meiden. Diese Öle sind in Reinform hochgiftig. Ätherische Öle aus Fichten- oder Kiefernadeln können zudem die Schleimhäute reizen und werden bei Kindern mit Asthma, Keuchhusten oder Pseudokrupp besser nicht verwendet. Dies gilt ebenfalls für Teebaumöl und Öl aus Lavendel: Auch hier besteht der Verdacht, dass Atemwege gereizt und somit nächtliche Atemnot begünstigt werden. Wendet Produkte mit ätherischen Ölen zudem niemals im Gesicht eures Kindes an.

Wie handelt ihr als Eltern in einem Notfall richtig?

Hat euer Baby oder Kind versehentlich ätherische Öle zu sich genommen oder nach der Anwendung eines Produktes mit ätherischen Ölen einen Stimmritzenkrampf, verständigt direkt den Notarzt. Bis der Rettungswagen eintrifft, könnt ihr über den Giftnotruf in Erfahrung bringen, welche Sofortmaßnahmen ihr als Erste Hilfe umsetzen könnt. Wichtig ist: Ruhe bewahren und sowohl dem Rettungsdienst als auch dem Giftnotruf mitteilen, welche Mischung aus ätherischen Ölen euer Kind zu sich genommen hat. 

Gibt es auch unbedenkliche ätherische Öle für Babys und Kleinkinder?

Auch wenn es mittlerweile speziell für Babys und Kleinkinder hergestellte Produkte und Tropfen-Mischungen mit ätherischen Ölen in Apotheken zu kaufen gibt: Wie die Wirkung bei eurem Kind ausfällt, lässt sich so pauschal nicht sagen. Sprecht als Eltern vor der Anwendung daher lieber einmal mehr mit eurer Kinderärztin oder eurem Kinderarzt und klärt, ob die enthaltenen Inhaltsstoffe für euer Kind wirklich unbedenklich sind. Wichtig ist: Immer genauestens den Beipackzettel lesen und nicht davon ausgehen, dass frei verkäufliche Arzneimittel per se unbedenklich sind. Viele Familien schwören bei Schnupfen auf Engelwurzbalsam – hier erfährst du alles über Wirkung und Anwendung.

Quellen:

ELTERN

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