Babygesundheit
 
Fieberkrampf - Alles über Symptome, Ursachen und Erste Hilfe

Etwa drei bis fünf Prozent aller Kinder erleiden bei Fieber im Kleinkind- bzw. Vorschulalter einen Fieberkrampf. Vor allem beim ersten Mal ist es für Eltern schockierend, solch einen Fieberkrampf bei ihrem Kind mitzuerleben. Aber: Je mehr Eltern darüber wissen, desto besser können sie in der Situation reagieren. Deshalb findet Ihr hier alle wichtigen Infos.

Baby mit Fieber weint
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Inhalt: 
Welche Symptome zeigt mein Kind bei einem Fieberkrampf?Erste Hilfe beim Fieberkrampf Was sind die Folgen eines Fieberkrampfes?Kann ich einen Folgekrampf verhindern?Was sind die Ursachen von Fieberkrämpfen? Warum gerade mein Kind?

Welche Symptome zeigt mein Kind bei einem Fieberkrampf?

Das Kind verliert nach einem raschen Anstieg von Fieber (z. B. aufgrund eines viralen Infektes) zunächst plötzlich das Bewusstsein. Wichtig zu wissen: Dabei muss es sich nicht unbedingt um hohes Fieber handeln. Entscheidend ist, wie schnell die Temperatur ansteigt. Deshalb ist ein Fieberkrampf im Grunde auch mit einem Fieberzäpfchen nicht aufzuhalten, aber dazu später mehr.

Bei den meisten Kindern kommen anschließend blaue Lippen und Muskelkrämpfe hinzu, der Körper zuckt und krampft also ganz wie bei einem epileptischen Anfall. Oft übergeben sich die Kinder auch und verdrehen die Augen während des Anfalls. Alles in allem ist vor allem der erste Fieberkrampf ein zutiefst verstörendes Erlebnis für Euch als Eltern. Er kann leider auch häufiger auftreten. 

Beim ersten Mal aber sieht es für die Eltern so aus, als könnte das Kind sterbenZum Glück besteht bei einem solchen Krampfanfall jedoch grundsätzlich keine Lebensgefahr. Bisher ist jedenfalls kein Todesfall bekannt, der in einem direkten, ausschließlichen Zusammenhang mit einem Fieberkrampf steht. Dennoch bitte in jedem Falle den Notarzt rufen.  

Gut zu wissen ist auch: Egal ob vor oder nach Ablauf des ersten Lebensjahres - die Kinder selbst bekommen vom Fieberkrampf nichts mit. Sie haben also kein beängstigendes Erlebnis zu verarbeiten. In der Regel dauert ein Fieberkrampf nur wenige Minuten und geht von selbst vorbei. 
Nur in den seltensten Fällen dauert ein solcher Anfall länger als 15 Minuten und gälte damit als „komplizierter Fieberkrampf“. Erleidet das Kind einen solchen Anfall, verabreicht der Notarzt krampflösende Mittel. Kürzere Fieberkrämpfe gelte als "unkomplizierte Fieberkrämpfe". 

Je nach Stärke des Krampfes und je nach Menge der verabreichten krampflösenden Medikamente können die betroffenen Kinder hinterher unterschiedlich lange schlapp und müde wirken - zumal sie ja meist ohnehin einen Infekt zu verarbeiten haben.

Erste Hilfe beim Fieberkrampf

Baby-Notarzt Wagen
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Egal ob beim ersten Fieberkrampf oder bei Folge-Anfällen: Wenn Ihr als Eltern die Nerven dazu habt, dann ist es das Beste, kurz abzuwarten, ob die Symptome nach ein, zwei Minuten von allein verschwinden - das Kind also bei Bewusstsein und ansprechbar ist und nicht mehr krampft. Wenn die Smptome nicht abklingen, bitte sofort den Notarzt verständige anwenden. 

Erste Hilfe in jedem Falle:

  • die Kleidung lockern
  • Nichts zu essen und zu trinken geben
  • Fieber senkendes Zäpfchen geben
  • das Kind in die stabile Seitenlage bringen, damit Erbrochenes nicht in die Lunge gelangen kann

Ob eine stationäre Aufnahme im Krankenhaus nötig ist, entscheidet der Notarzt. Wichtig: Stellt Euer Kind nach jedem aufgetretenen Fall in der Kinderklinik bei einem Kinderneurologen vor! Der wird dann (vor allem nach komplizierten Fieberkrämpfen) ein EEG anordnen, mit dem überprüft wird, ob bei dem Kind grundsätzlich neurologische Auffälligkeiten, zum Beispiel Epilepsie, vorliegen. Oftmals ist es aber schwierig, bei diesen Nachuntersuchungen verlässliche Ergebnisse zu erzielen. Denn es ist  unwahrscheinlich, in dem zeitlich begrenzten Untersuchungszeitraum, eventuelle Auffälligkeiten der Gehirnströme festzustellen, die oft nur sporadisch auftreten.

Für eventuell wiederholt auftretende Fieberkrämpfe kann es dann im nächsten Schritt sinnvoll sein, sich vom Kinderarzt vorbeugend krampflösende Medikamente wie Diazepam verschreiben zu lassen, die man auch im Urlaub immer dabei hat. Bitte auf die Aufbewahrungshinweise achten: Manche müssen gekühlt gelagert werden!

Was sind die Folgen eines Fieberkrampfes?

Schwer zu glauben, wenn man schon einmal einen Fieberkrampf mit angesehen hat, aber: Kinder mit Fieberkrampfneigung entwickeln sich genauso weiter wie andere gesunde Kinder. Sie behalten keinen Hirnschaden oder andere bleibende Schäden zurück. Die Krämpfe haben nach dem heutigen Stand der Forschung also keinerlei gesundheitliche Folgen. 

Mehr noch: Die Psychologin Meike Pälmke hat für ihre Doktorarbeit die geistige Entwicklung und intellektuelle Leistungsfähigkeit von 70 Zehn- bis 18-Jährigen untersucht, die im Kleinkindalter wegen eines Fieberkrampfs im Universitätsklinikum Münster behandelt werden mussten. Die Untersuchung zeigte nicht nur deutlich, dass Fieberkrämpfe die intellektuelle Entwicklung der Kinder nicht beeinträchtigten, sondern sogar, dass sie diese positiv beeinflussen können. „Fieberkrämpfe führen offenbar zu einer erhöhten mentalen Flexibilität, die eine bessere Konzentrationsleistung zur Folge hat.

Selbst Kinder mit langen, komplizierten Fieberkrämpfen vor Vollendung des ersten Lebensjahres zeigten in jedem Fall ein Ergebnis im oberen Durchschnittsbereich“, sagt sie.
Besonders eindeutig fiel der Vergleich der Schullaufbahn der untersuchten Kinder aus. Fieberkrampf-Kinder besuchten mit 51,5 Prozent statistisch gesehen wesentlich häufiger das Gymnasium als Kinder ohne Fieberkrämpfe im Kleinkindalter. Diese brachten es "nur" auf 38,8 Prozent. „Fieberkrampf-Kinder haben eine höhere (oder zumindest gleich große) Chance, das Gymnasium zu besuchen, als die Kinder der Referenzgruppe, und zwar unabhängig davon, ob der Fieberkrampf nun früh oder spät, einfach oder kompliziert war, also mehr als 15 Minuten gedauert hat“, erklärt die Psychologin. Auch das Risiko, an Epilepsie zu erkranken, ist nur unwesentlich erhöht.

Gibt es Unregelmäßigkeiten im Gehirn, so sind diese aber nicht die Folge eines Fieberkrampfes, sondern Zeichen einer anderen, bereits vorher vorliegenden Erkrankung.

Kann ich einen Folgekrampf verhindern?

Mutter misst bei Baby Fieber mit der Hand
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Nicht wirklich. Auch konsequente Fiebersenkung bei hohem Fieber kann einen erneuten Fieberkrampf nicht zu hundert Prozent verhindern. Denn der Anfall kommt ja nicht, weil das Kind Fieber hat, sondern weil es so schnell steigt. Man müsste also genau den Punkt abpassen, an dem das Kind zu frieren beginnt, weil das Fieber wieder steigt, und dann ein Fieber senkendes Mittel geben. Das ist sehr schwierig und braucht viel Erfahrung.  

Auch Fieberwickel und fiebersenkende Wannenbäder sind bei zu Fieberkrämpfen neigenden Kindern nicht unbedingt zu empfehlen, denn gerade danach kann das Fieber auch rasch wieder ansteigen und so erst recht zum Fieberkrampf führen.

Hatte das Kind den ersten Fieberkrampf im ersten Lebensjahr, so ist die Gefahr erhöht, dass es weitere Fieberkrämpfe erleidet. Deshalb ist es sinnvoll, für den Fall der Fälle krampflösende Mittel im Haus zu haben. Solche Mittel vorsorglich zu geben ist nicht sinnvoll bzw. nur bei schweren Fällen nach reiflicher Nutzen-Risiko-Abwägung.  

Erkrankungen wie Drei-Tage-Fieber, Pneumonie oder ähnliche Infekte können Auslöser für einen solchen Krampf sein, da sie häufig mit raschem Fieberanstieg einhergehen. Auch eine  Reaktion nach einer Impfung ist denkbar - eben alles, was zu raschem, plötzlichen Fieberanstieg führen kann. Aber eine Behandlung erfolgt meist nur nach dem Krampf, nicht im Vorhinein.

Was sind die Ursachen von Fieberkrämpfen? Warum gerade mein Kind?

In einer aktuellen Studie suchte ein Forscherteam der Universiät Tübingen die Antwort auf die Frage, wieso manche Kinder anfälliger für Fieberkrämpfe sind als andere und fand die Antwort nun in der DNA. Konkret entschlüsselten sie dabei zwei Mutationen im Gen STX1B – ein Bereich im Erbgut, der unter anderem an der Regulation der Körperwärme beteiligt ist. Die in der Studie beschriebene Gen-Mutationen führen nach Aussagen der Forscher bei einer rasch steigenden Körpertemperatur zu einer fehlerhaften Freisetzung von bestimmten Nervenzellen-Botenstoffen, wodurch die Fieberkrämpfe ausgelöst werden.
Am häufigsten passiert so ein Krampfanfall im Alter zwischen 14 und 18 Monaten, selten vor dem fünften Lebensmonat, fast nie nach dem fünften Geburtstag. Bis zu vier Prozent aller Kinder leiden an dem gefährlichen Krampf. Tröstlich ist also für alle Familien, in denen Fieberkrämpfe vorkommen: Bei den meisten Kindern ist der Schrecken mit dem Eintritt ins Schulalter vorbei. 
Hier findet Ihr den Erlebnisbericht einer Mutter, deren Tochter einen Fieberkrampf hatte. 

Sprechstunde beim Rettungssanitäter: Was kann ich bei einem Fieberkrampf tun?