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Honig für mein Baby: Gesund oder gefährlich?

Honig gilt als gesunde Alternative zu Haushaltszucker. Darf man den Brei fürs Baby also mit einem Tröpfchen Honig süßen? Lieber nicht, denn Honig kann für Babys und Kleinkinder unter zwei Jahren schlimme Folgen haben.

Honigwabe und Honigdipper auf Holztisch
iStock, da-kuk
Auf einen Blick
Artikelinhalt
  • Honig kann als Naturprodukt Sporen des Bakteriums Clostridium botulinum enthalten.
  • Der Darm eines Kindes kann in den ersten zwei Jahren diese Sporen nicht abtöten.
  • Die Sporen des Bakteriums Clostridium botulinum können das Nervengift Botulinumtoxin produzieren.
  • Eine Vergiftung kann für das Kind tödlich enden.

Zucker hat in der Babyernährung nichts zu suchen, da sind sich alle Experten (und die allermeisten Eltern) einig. Aber wie sieht es mit Honig aus, der ist doch schließlich ein Naturprodukt? Ganz abgesehen davon, das Babys möglichst gar keine (mit was auch immer) gesüßten Lebensmittel oder Getränke bekommen sollen: Honig kann für sie auch richtig gefährlich werden.

Warum ist Honig für Babys gefährlich?

Der Grund ist schnell erklärt. So frisch dein Baby auf dieser Welt ist, so neu ist auch sein Darm. Er besitzt noch nicht die schützende Darmflora eines Kindes oder gar Erwachsenen – die muss sich erst noch entwickeln.

Als Naturprodukt können in Honig Sporen des Bakteriums Clostridium botulinum auftreten. Für Kinder ab dem zweiten Geburtstag und Erwachsene sind diese Sporen ungefährlich. Unser Darm hat eine genügend stabile Darmflora aufgebaut, um sie abzutöten. Babys besitzen diese Darmflora noch nicht. In ihrem Darm können sich die Sporen des Bakteriums ungehindert vermehren und den gefürchteten Säuglingsbotulismus auslösen. Ohne Behandlung kann diese Form der Lebensmittelvergiftung für den Säugling lebensgefährlich sein. Doch was ist der Säuglingsbotulismus genau und was passiert im Körper des Babys?

Wie kommt es zum Säuglingsbotulismus?

Mutter füttert baby
iStock, YakobchukOlena

Säuglingsbotulismus ist in Deutschland glücklicherweise sehr selten. Durch die hohe Sterblichkeit (wenn doch mal ein Kind erkrankt) wird er von Ärzten und Wissenschaftlern dennoch sehr ernst genommen. Er tritt laut Robert Koch-Institut meist im ersten Lebensjahr des Babys auf. Auslöser können die Sporen des Bakteriums Clostridium botulinum sein, welche nach der Aufnahme von beispielsweise Bienenhonig (oder Ahornsirup) den Darm besiedeln, dort auskeimen und dann ein Nervengift, das Botulinumtoxin, produzieren. Dieses Gift führt im schlimmsten Fall zur Atemlähmung beim Baby.

Die Bakterien vermehren sich leider auch in einer Umgebung ohne Sauerstoff und sind äußerst hitzeresistent. Temperaturen bis 100 Grad Celsius kann das Bakterium kurzzeitig problemlos überleben. Wissenschaftler raten, selbsteingekochte Säuglingsnahrung und sogar (verbeulte) Konserven bei 80 Grad mindestens sechs Minuten zu erhitzen, um Sporen und Bakterien abzutöten.

Unsere Bildergalerie nennt noch weitere Lebensmittel, die du mit Vorsicht füttern solltest.

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Was sind die Anzeichen von Säuglingsbotulismus?

Weil die Krankheit so einen dramatischen Ausgang haben kann, sind Kinderärzte sehr bemüht, mögliche Anzeichen einer Vergiftung frühestmöglich zu erkennen. Da das Gift des Bakteriums die Nerven schädigt, sind erste Zeichen beim Baby schnell zu erkennen. Diese sind:

  • Hartnäckige Verstopfung
  • Probleme beim Schlucken und Saugen
  • Sehstörungen
  • Vermehrter Speichelfluss
  • Verzögerte Pupillenreaktion
  • Schwache Reflexe

Bei fortschreitender Vergiftung verstärken sich die Symptome noch und es können auch weitere Symptome beim Kind auftreten, darunter:

  • Muskelschwäche (der Säugling kann den Kopf nicht mehr halten)
  • Schwierigkeiten beim Atmen (was sich durch Röcheln und Schnarchen bemerkbar macht)
  • Schlucklähmung
  • Atemlähmung

Im Normalfall verschreiben Ärzte nach Diagnose Antibiotika. In ernsten Fällen kann aber auch eine Magenspülung und eine Darmspülung notwendig werden. Glücklicherweise hinterlässt Botulismus in der Regel keine bleibenden Schäden.

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Warum Honig schlechter ist als sein Ruf

Und noch ein Wort zu Honig: Ja, Honig kann in geringem Maße antibakteriell und entzündungshemmend wirken. Das war es aber auch schon mit den positiven Eigenschaften. Er ist vielleicht eine leckere Alternative für Zucker, einen gesunden Ersatz stellt er nicht dar. Honig besteht ebenfalls zu 80 Prozent aus Zucker! Die Menge der im Honig enthaltenen Vitamine, Mineralstoffe, Proteine und Aminosäuren ist so gering, dass sie keinen nennenswerten Anteil für unsere Bedarfsdeckung leisten. Und wird der Honig auf über 40 Grad erhitzt, etwa für heiße Milch mit Honig, dann wird das meiste davon auch noch zerstört. Der Ruf der gesunden Zuckeralternative ist also eher ein Mythos.

Quellen:
Kinderärzte im Netz
Deutsche Gesellschaft für Neurologie
Bundeszentrum für Ernährung
Kindergesundheit-Info