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Kuhmilch für Babys Wichtig oder eher schädlich – dürfen Säuglinge Kuhmilch trinken?

Blondes Baby mit Milchbart hält eine Milchflasche
© VILevi / Adobe Stock
Ist Kuhmilch gefährlich für Babys? Ändert sich die Verträglichkeit mit dem Alter und wo liegt der Unterschied zwischen Milch im Brei und Kuhmilch im Fläschchen? Wir haben mal aufgeräumt mit den Ernährungsmythen rund um das Thema Kuhmilch für Babys.

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Kurz gesagt: Das Alter eures Babys und die Milchmenge spielen die Hauptrolle, wenn es um das richtige Füttern von Kuhmilch und Milchprodukten geht. Und bei der eher seltenen Kuhmilchallergie sind Kuhmilchprodukte erst einmal tabu. Hier alle wichtigen Infos fürs erste Lebensjahr.

Warum ist Kuhmilch nicht gut für Säuglinge?

Kuhmilch ist – wie jede andere Tiermilch – perfekt auf die Bedürfnisse des eigenen Nachwuchses abgestimmt. Für Kälber ist Kuhmilch also rundum gesund, für Babys im ersten Lebensjahr nicht. Das liegt an der unterschiedlichen Nährstoffzusammensetzung von Kuhmilch und Muttermilch. Kuhmilch enthält mehr Mineralstoffe und ihr Proteingehalt ist fast dreimal so hoch. Trinkt ein Baby Kuhmilch, so muss das überschüssige Eiweiß in Harnstoff umgewandelt und über die Nieren mit dem Urin wieder ausgeschieden werden. Eine große Belastung für die kleinen Säuglings-Nieren, die es bei einem zu hohen Eiweißkonsum nicht mehr schaffen, den Harnstoff aus dem Blut zu filtern.

Bei einer frühen sehr proteinreichen Kinderernährung verdoppelt sich außerdem langfristig das Risiko, übergewichtig zu werden. Das haben Ernährungswissenschaftler der Ludwig-Maximilians-Universität in München herausgefunden. In den ersten sechs Lebensmonaten sind also ausschließlich Muttermilch oder Premilch die gesündeste Ernährung für euren Säugling.

Übrigens: Nicht nur frische Milch, auch Kuhmilchprodukte wie Joghurt, Quark, Frischkäse oder Milchpudding erhöhen die Proteinzufuhr.

Welche Milch soll ins Fläschchen?

Wenn du nicht stillst oder abpumpst, gehört in den ersten sechs Monaten ausschließlich Prenahrung (Säuglingsmilchnahrung) ins Fläschchen – keine Kuhmilch! Die sogenannte Säuglingsanfangsnahrung ist der Muttermilch in ihrer Zusammensetzung sehr ähnlich. Angerührt wird Säuglingsmilchnahrung nur mit Wasser, nicht mit Kuhmilch.
Als Getränk wird Kuhmilch im ersten Lebensjahr gar nicht empfohlen. Im Notfall (keine Säuglingsnahrung mehr in Haus, alle Geschäfte zu) dürft ihr ab dem 7. Lebensmonat auch Kuhmilch füttern. Diese muss aber unbedingt in Verhältnis 1:2 mit Wasser verdünnt werden. Kuhmilch als Ersatz für Säuglingsmilchnahrung sollte aber die absolute Ausnahme bleiben.

Darf Kuhmilch in den Babybrei?

Mit dem Start der Beikostzeit darf euer Baby auch kleine Mengen pasteurisierter oder hocherhitzter Kuhmilch zu sich nehmen. Allerdings nicht als Getränk, sondern als Zutat in einer Breimahlzeit. Aufgrund seiner hohen Nährstoffdichte ist Kuhmilch im ersten Lebensjahr nicht als Durstlöscher geeignet.

Ab dem 7. Monat gelten unter Experten für Baby-Ernährung 200 ml Kuhmilch als tägliche Obergrenze. Wenn ihr den Milch-Getreidebrei mit 200 ml Vollmilch zubereitet, bleiben andere Milchprodukte an diesem Tag tabu. Wenn ihr euch mehr Abwechslung auf dem Speiseplan wünscht, könnt ihr die Breimahlzeit auch mit Pre- oder Muttermilch anrühren. Dann dürft ihr die Tagesration auch über andere Kuhmilchprodukte, wie Joghurt oder Frischkäse, füttern.

Im ersten Lebensjahr sollte Kuhmilch vorsichtig dosiert werden. Die empfohlene Menge von 200 ml Kuhmilch reichen zusammen mit Mutter- oder Premilch vollkommen, um euer Baby mit ausreichend Kalzium zu versorgen und eine gesunde Entwicklung von Knochen und Zähne zu gewährleisten.

Wie funktioniert das eigentlich mit der Beikost? Lest, in welcher Reihenfolge der Brei die Milchmahlzeiten ersetzt.

Ab wann dürfen Babys Kuhmilch trinken?

Kuhmilch als Getränk empfehlen Experten erst nach dem 1. Geburtstag. Auch dann setzt ihr als Durstlöscher lieber Wasser oder Tee ein und gebt Kuhmilch als Getränk nur zu den Brot-Mahlzeiten. Ein Glas oder eine Tasse Milch reichen eurem Schatz vollkommen. Aus der Trinkflasche ist Milch nun nicht mehr zu empfehlen. Das Nuckeln schadet den gerade erst durchgebrochenen Milchzähnen.

Zwischen einem und drei Jahren werden nun 300 ml Kuhmilch täglich empfohlen. Nach der Umstellung auf Beikost spielt Kuhmilch als Kalziumlieferant eine wichtige Rolle. Denn Kalzium ist ein wichtiger Baustein von Zähnen und Knochen. Euer Kind mag keine Kuhmilch trinken? Keine Sorge, auch Joghurt, Frischkäse oder Hüttenkäse sind kalziumreich und können den täglichen Bedarf decken.

Wenn ihr euer Kind vegan ernähren und ganz auf Kuhmilch verzichten wollt, müsst ihr dafür sorgen, dass es das benötigte Kalzium aus pflanzlichen Lebensmitteln erhält. Prinzipiell ist das zwar möglich, in der Praxis aber sehr anspruchsvoll. Vegane Kalziumlieferanten sind z.B. Hülsenfrüchte und Tofu. Kuhmilch lediglich durch eine Pflanzenmilch (z.B. Hafermilch) zu ersetzen ist aus ernährungsphysiologischer Sicht nicht ausreichend. Wendet euch am besten an eine Ernährungsberaterin für Kinder, um einer Mangelernährung und gesundheitlichen Folgeschäden vorzubeugen.

Übrigens: Kleinkinder, die zu viel Kuhmilch zu sich nehmen, verlieren oft den Appetit auf Gemüse, Obst oder Fleisch. Sie wachsen zwar weiterhin, werden aber nicht genug mit Ballaststoffen und anderen wichtigen Nährstoffen (z.B. Zink, Eisen, B-Vitamine, Jod) versorgt.

Wann wieviel Kuhmilch für Babys?

Alter

Empfehlung

Bitte nicht

0 bis Ende 6. Monat

ausschließlich Muttermilch oder Premilch (Säuglingsmilchnahrung)

keine Kuhmilch, keine Milch anderer Tiere (Ziege), keine Pflanzenmilch

Ab 7. Monat bis Ende 12. Monat

max. 200 ml Kuhmilch im Milch-Getreide-Brei, als Joghurt, Frisch- oder Hüttenkäse

nicht mehr als die empfohlene Menge Kuhmilch, noch kein Quark oder Käse

ab 1 Jahr

max. 300 bis 350 ml Kuhmilch, jetzt auch als Getränk zu den Mahlzeiten, wenn das Kind sie mag, sonst Käse, Joghurt, etc

nicht mehr als die empfohlene Menge Kuhmilch

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Ernährung

Welche Kuhmilch ist die richtige?

Nicht alle Kuhmilch-Varianten sind für Babys und Kleinkinder geeignet. In den ersten Lebensjahren greift ihr am besten zu pasteurisierter oder hocherhitzter Kuhmilch (H-Milch) mit normalem Fettgehalt (3,5 Prozent oder 3,8 Prozent). Die kaum behandelte Vorzugsmilch oder Rohmilch können mit Keimen (z.B. EHEC) belastet sein, gegen die sich das unreife Immunsystem von Babys noch nicht wehren kann.

Spezielle Babymilch, die zusätzlich mit Eisen und Job angereichert ist, ist in der Regel nicht notwendig. Diese Mineralstoffe nimmt dein Kind mit einer ausgewogenen Nahrung ohnehin auf.

Gesüßte oder aromatisierte Milchprodukte sind nicht für Babys und Kleinkinder geeignet, da durch sie die Milchzähne angegriffen werden. Außerdem gewöhnen sich die Kinder an den süßen Geschmack.

Was, wenn das Baby eine Milchallergie hat?

Bei einer echten Milchallergie reagiert das Immunsystem eures Babys überempfindlich auf eigentlich harmlose Milcheiweiße. Besonders häufig sind Kasein und Molkeneiweiße für allergische Reaktionen verantwortlich. Der Körper produziert nach dem Kontakt mit Milchprodukten den Botenstoff Histamin, welcher in der Folge allergische Reaktionen auslöst. Wenn du selbst Milchprodukte isst, kann der erste Kontakt auch schon über die Muttermilch stattfinden. Hat dein Baby eine Milchallergie, kannst du es nach Rücksprache mit deiner Ärzt:in mit einer speziellen Säuglingsanfangsnahrung füttern. Zu den oft starken körperlichen Reaktionen bei einer Kuhmilchallergie gehören:

  • geschwollene Lippen
  • geschwollene Augen
  • Atemnot
  • Keuchen
  • Juckreiz (im Gesicht, im Mund oder am ganzen Körper)
  • Hautausschlag
  • Neurodermitis
  • Durchfall
  • Erbrechen
  • Bauchschmerzen
  • Blähungen
  • blutiger Stuhl

Dass eine Milcheiweißallergie vorliegt, wird oft spät erkannt. Schließlich haben Babys häufig Blähungen und Bauchschmerzen. Kommen andere Symptome hinzu, solltet ihr diese mit eurer Ärzt:in besprechen.

Gehört euer Kleines zu den wenigen Betroffenen (zwei Prozent der Kinder), sind Milchprodukte erst einmal tabu. Denkt dabei auch an Zutaten in verarbeiteten Lebensmitteln (z.B. Gebäck, Fertiggerichte, Süßigkeiten).

Eure Kinderärztin wird euch in Sachen Ernährungsplan sicher beraten oder euch an eine Expert:in verweisen. Bei vielen Kindern verschwindet die Allergie wieder. Treten die Symptome aber noch nach dem 3. Geburtstag auf, wird sie vermutlich bestehen bleiben.

Übrigens: Früher hieß es, Babys sollten im ganzen ersten Lebensjahr keine Kuhmilch bekommen, um einer Kuhmilch-Allergie vorzubeugen. Heute weiß man, dass es gerade umgekehrt ist: Kleine Mengen Kuhmilch im 2. Halbjahr haben offenbar eher eine schützende Wirkung vor einer Kuhmilch-Allergie später im Leben.

Kuhmilch: Was ist eine Unverträglichkeit gegen Milchzucker?

Während bei einer Milcheiweißallergie das Immunsystem überreagiert, fehlen dem Körper bei einer Laktoseunverträglichkeit bestimmte Enzyme zum Verwerten des Milchzuckers.

Bei Babys und Kleinkindern tritt eine Laktoseintoleranz seltener auf als bei älteren Kindern oder Erwachsenen. Oft werden Joghurt und Käse vertragen, das Trinken von Kuhmilch aber führt bei Betroffenen zu Bauchschmerzen und Blähungen. Diese fallen umso stärker aus, je mehr Milch getrunken wurde.

Quellen:

Annette Nolden et al. (2013): Das große Buch für Babys erstes Jahr: Das Standardwerk für die ersten 12 Monate, München: Gräfe und Unzer.

Berthold Koletzko et al. (2019): Nutrition During Pregnancy, Lactation and Early Childhood and its Implications for Maternal and Long-Term Child Health: The Early Nutrition Project Recommendations, in: Annals of Nutrition & Metabolism, 74: 93-106.

Forschungsdepartment Kinderernährung (FKE) (2019): Empfehlungen für die Ernährung von Säuglingen, der Ernährungsplan für das 1. Lebensjahr.

Herbert Renz-Polster et al. (2020): Gesundheit für Kinder: Moderne Medizin - Naturheilverfahren - Selbsthilfe. Kinderkrankheiten verhüten, erkennen, behandeln. Vollständig überarbeitet und aktualisiert Ausgabe, Kösel-Verlag, München.

KIGGS – Studie zu Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland.

Allergieinformationsdienst.de: "Ernährung im Kindesalter: Stillen, Muttermilchersatznahrung und Beikost".

Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI), in Zusammenarbeit mit dem Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA), der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG), und der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie (GPA) (2009): S3-Leitlinie Allergieprävention, in: AWMF-Leitlinien-Register Nr. 061/016. Düsseldorf.

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