Pseudokrupp
 
Pseudokrupp (Krupphusten): Ansteckung, Symptome

Das Kind hustet mitten in der Nacht plötzlich bellend, sein Atem geht pfeifend. Pseudokrupp wirkt im ersten Moment ziemlich bedrohlich. Trotzdem ist es wichtig, dass Eltern vor allem Ruhe bewahren.

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Einen Pseudokrupp-Anfall vergessen Eltern nicht so schnell. Plötzlich, mitten in der Nacht, tritt beim bellender Husten auf. Er erinnert an das Bellen von Seehunden oder ans Blöcken von Schafen. Früher nannte man die Erkrankung deshalb auch „Schafshusten“. Typische Symptome sind außerdem Heiserkeit und pfeifende Atemgeräusche, auch inspiratorischer Stridor genannt. So entsteht schnell der Eindruck, das Kind bekomme keine Luft mehr. Zum Glück besteht nur in den seltensten Fällen Lebensgefahr. Pseudokrupp (stenosierende Laryngitis) ist in der Regel ein harmloses, schnell abklingendes Symptom, ausgelöst durch eine Erkältung oder eine Grippe.

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Was passiert beim Pseudokrupp?

Unter unseren Stimmbändern befindet sich eine angeborene Engstelle. Vor allem bei Babys und Kleinkindern ist dieser Bereich sehr schmal. Normalerweise ist das kein Problem. Allerdings sind die Schleimhäute von kleinen Kindern äußerst empfindlich und reagieren schneller auf Erkrankungen. Schwillt durch eine Erkältung der Spalt am Kehlkopf zu, entsteht das typische Pfeifen und bellender Husten. Die Anfälle treten übrigens meistens in der Nacht auf. In dieser Zeit ist der natürliche Cortisol-Spiegel niedriger und die Atemwege schwellen schneller an.

Erste Hilfe beim Pseudokrupp

Für das Kind ist (genau wie für seine Eltern) ein Pseudokrupp-Anfall im ersten Moment ziemlich beängstigend. Umso wichtiger ist es, selbst Ruhe zu bewahren und das eigene Kind zu trösten und zu beruhigen. Weinen und Schreien lässt die Schleimhäute nur weiter anschwellen. In manchen Fällen entwickeln Kinder durch die Panik sogar eine schwere Atemnot. Am besten nimmt man das Kind aufrecht auf den Arm. So kann es besser atmen als im Liegen. Trockene Luft verschlimmert die Atemnot. Deshalb sollten Eltern mit ihrem Kind so schnell wie möglich an die frische Luft gehen. Am besten wirkt die kalte Nachtluft. Auch ein elektronisches Inhalationsgerät, die Luft aus dem geöffneten Kühlschrank oder warmer Wasserdampf aus der laufenden Dusche können helfen. In den meisten Fällen legen sich so der starke Husten und die Atemnot schnell wieder. Nach dem Anfall sollte das Kind etwas Kaltes trinken, am besten Tee oder Wasser. Es wird trotzdem noch etwas heiser sein und in den nächsten Stunden weiter husten. Es empfiehlt sich deshalb, den Rest der Nacht bei offenem Fenster und ohne Heizung zu schlafen. Nicht geeignet sind dagegen Erkältungssalben oder ästherische Öle. Am nächsten Tag sollten die Eltern mit ihrem Kind zum Kinderarzt gehen – vor allem, wenn Pseudokrupp zum ersten Mal aufgetreten ist. 

Achtung: In manchen Fällen besteht Erstickungsgefahr durch akute Atemnot. Wenn das Kind über eine längere Zeit nur schwer Luft bekommt, sehr unruhig ist oder sogar blau anläuft, sollten die Eltern unverzüglich einen Arzt oder Krankenwagen rufen. Der Arzt wird dem Kind Kortison für das Abschwellen der Atemwege geben. Sollte das nicht ausreichen, kann das Kind zusätzlich mit mit Adrenalin inhalieren. Dadurch ziehen sich die Gefäße wieder zusammen. Meistens können die Kinder noch nur einer Nacht das Krankenhaus wieder verlassen.

Kinder, die einmal einen Kruppanfall hatten, neigen auch zu weiteren. Deshalb verschreibt der behandelnde Arzt nach einem Anfall oft Kortison-Zäpfchen für den Notfall. Ihre Wirkung setzt nach 45 bis 60 Minuten ein. Sie können problemlos über mehrere Monate im Kühlschrank gelagert werden.

Was sind die Ursachen für einen Pseudokrupp?

Kind mit Pseudokrupp
iStock, Stas_Uvarov

Pseudokrupp gehört zu häufigsten akuten Kinderkrankheiten. Ausgelöst wird Pseudokrupp durch Virusinfektionen wie zum Beispiel eine Grippe oder Erkältung. Ärzte gehen davon aus, dass rund 13 Prozent aller Kinder zwischen dem achten Monaten und sechsten Lebensjahr einen Pseudokrupp-Anfall bekommen. Jungs sind laut dem Robert Koch-Institut zwei Mal häufiger betroffen als Mädchen. Grund dafür sind ihre engeren Atemwege. Bei kleineren Babys sind solche Anfälle eher selten. In der frühen Kindheit ist der Kehlkopfbereich der Atemweg besonders eng. Außerdem reagieren die Schleimhäute von Kindern stärker auf Infektionen und Reizungen. Deshalb tritt ein Anfall auch meistens in den nasskalten Frühlings-, Herbst- und Wintermonaten auf. Ein zusätzlicher Risikofaktor ist eine schlechte Luftqualität. Schadstoffe wie Feinstaub, aber auch Tabakrauch können die Atemwege des Kindes so reizen, dass es auch ohne weitere Krankheit zu Pseudokrupp-Anfällen kommt. In sehr seltenen Fällen ist eine allergische Reaktion Grund für den Husten und die Atemnot.

Eine positive Nachricht für alle Eltern von älteren Kindern: Etwa mit drei Jahren werden Pseudokrupp-Anfälle seltener und leichter, spätestens nach dem sechsten Lebensjahr hören sie sogar ganz auf. Die oberen Atemwege samt Kehlkopf sind bei größeren Kindern so stark gewachsen, dass ein Zuschwellen unwahrscheinlicher wird. Genau deshalb ist Pseudokrupp auch bei Erwachsenen äußerst selten.

Besteht eine Ansteckungsgefahr beim Pseudo-Krupp?

Eine direkte Ansteckung mit Pseudo-Krupp ist nicht möglich. Es handelt sich nicht um eine eigenständige Krankheit, sondern nur um ein Symptom.
 

Lässt sich Pseudokrupp vorbeugen?

Nein, gerade der erste Pseudokrupp-Anfall tritt häufig sehr plötzlich und ohne Vorwarnung auf. Außerdem können viele verschiedene Viren den Krupphusten auslösen. Deshalb sind bei nass-kaltem Wetter neue Anfälle keine Seltenheit. Es kann aber helfen, die Luft im Kinderzimmer während der Erkältungszeit feucht zu halten – zum Beispiel mit einem Luftbefeuchter. Auch viel Bewegung, gesunde Ernährung und viel frische Luft sind gerade in der kalten Jahreszeit wichtig für das Immunsystem. Außerdem sollten Eltern auf keinem Fall in der Wohnung und in der Nähe von ihrem Kind rauchen. Auch viel Trinken und Inhalieren mit Kochsalzlösung können den Husten lindern. Eltern, deren Kindern schon öfter einen Pseudokrupp-Anfall hatten, sollten entsprechende Notfallmedikamente im Haus haben.

Was ist der Unterschied zwischen Pseudokrupp und Krupphusten?

Eigentlich ist der Name „Pseudokrupp“ etwas veraltet. Früher wurde die lebensgefährliche Kehlkopfdiphtherie als "echter Krupphusten" bezeichnet. Allerdings gibt es dank flächendeckender Impfungen seit vielen Jahrzehnten keine Ausbrüche von Diphtherie mehr in Deutschland. Bereits als Baby werden die meisten Kinder gegen diese Krankheit geimpft. Sie gilt deshalb bei uns als fast ausgerottet. Neuerkrankungen sind sogar meldepflichtig. Der Pseudokrupp – also der "falsche Krupphusten" – hat die gleichen Symptome wie der "echte", allerdings ohne die dazugehörige Diphtherieinfektion.

Eine andere, deutlich gefährlichere Krankheit, die dem Pseudokrupp ähnelt, ist die akute Kehlkopfentzündung, Epiglottitis genannt. Zum Glück ist sie eher selten und in den Symptomen leicht abzugrenzen. Beim Pseudokrupp ist das Kind sehr heiser, aber das Schlucken nicht behindert. Auch die Körpertemperatur ist nur leicht erhöht, etwa auf 38 Grad. Bei der akuten Kehlkopfentzündung verschlechtert sich der Zustand des Kindes dagegen ziemlich schnell. Das Fieber ist sehr hoch, das Schlucken tut dem Kind weh. Der Speichelfluss ist deutlich erhöht und die Aussprache klingt kloßig. Achtung: Besteht der Verdacht auf eine Kehlkopfentzündung, sollte sofort ein Notarzt gerufen werden. Es besteht Lebensgefahr, eine schnelle Behandlung mit Antibiotika ist wichtig. Gegen das Bakterium „Haemophilus influenzae Typ B“, den Auslöser einer akuten Kehlkopfentzündung, gibt es übrigens eine Impfung. Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut empfiehlt sie inzwischen für jedes Baby.