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Baby-Schnupfen: Das hilft bei einer verstopften Nase

Woher der Schnupfen kommt, was außer einer Erkältung noch dahinterstecken kann und was kleinen Schniefnasen guttut.

Baby sitzt auf Sofa mit Taschentüchern
iStock, tatyana_tomsickova
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Schnupfen ist nur eine Bagatelle? Nicht, wenn man noch nicht ausschnauben kann, vor allem durch die Nase atmet und dabei viel flach liegt. Kein Wunder also, dass Babys besonders leiden, wenn sie verschnupft sind. Mit verstopfter Nase wird das Trinken mühsam: Immer wieder muss das Kind sich von der Brust oder vom Sauger abdocken, um Luft zu holen. Eine entspannte Mahlzeit sieht anders aus.

Baby-Schnupfen: Nicht immer ist es ein Infekt

Was viele nicht wissen: In den ersten Monaten steckt oft kein Infekt dahinter, wenn das Atmen durch die Nase nicht klappt. „Spucken Säuglinge beim Trinken viel, steigt Milch in die Nase auf, Reste davon trocknen ein und verstopfen sie“, erklärt Aleyd von Gartzen, Ernährungs- und Stillbeauftragte des Deutschen Hebammenverbandes. Wirkt das Kind sonst gesund, und niemand in seiner Umgebung ist erkältet, spricht vieles dafür.

Von Erkältungen bleiben die meisten Babys im ersten Lebenshalbjahr nämlich verschont – dank des sogenannten Nestschutzes. So heißen die mütterlichen Antikörper, die das Baby schon vor der Geburt im Blut hat. Spätestens nach dem ersten Lebensjahr ist der Nestschutz aufgebraucht, und oft geht’s dann los mit einem Erkältungsmarathon.

Andere Ursachen für Schnupfensymptome sind eher selten. Eine Allergie könnte noch dahinterstecken, wenn mehr als zwei Wochen lang aus der Nase flüssiges, weißlich-durchsichtiges Sekret fließt und Niesattacken und gerötete, juckende Augen dazukommen. Und läuft es einseitig aus einem Nasenloch, könnte schließlich auch ein Fremdkörper der Grund sein.

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Die Kita: Paradies für Baby-Schnupfen

Rund 200 verschiedene Erreger können Schnupfen und Erkältungen auslösen. Und die finden sich in Scharen genau dort, wo sich auch die Ein- und Zweijährigen tummeln: in der Kindertagesstätte. Wenn dort die Ersten anfangen zu schniefen, tun’s bald fast alle. Und zwar regelmäßig, wenn es draußen kalt wird. „Viren können sich besser einnisten, wenn die Schleimhäute schlecht durchblutet sind, und bei Kälte wird nun mal auch die Nase kalt“, erklärt PD Dr. Burkhard Rodeck, Chefarzt des Christlichen Kinderhospitals Osnabrück und Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ).

Anfangs läuft ein dünnflüssiges Sekret, mit dem der Körper versucht, die Erreger hinaus­zuschwemmen. Reicht das nicht, um den Infekt aufzuhalten, wird die Durchblutung der angegriffenen Schleimhaut verstärkt, um die Viren schneller abzutöten. Wir spüren die lästigen Nebenwirkungen bei jedem Schnupfen: Die Nasenschleimhaut schwillt an, die Kleinen (und die Großen) kriegen schlecht Luft. Dabei funktioniert auch die übliche Selbstreinigung nicht mehr, bei der Flimmerhärchen sonst in Richtung Nasenrachen wogen, sodass der Schleim normalerweise einfach verschluckt werden kann. Stattdessen bleibt das Sekret, das übrigens durch die Stücke abgestorbener Zellen aus der strapazierten Schleimhaut zäh und gelblich wird, in der Nase – wenn die nicht geputzt wird.

Was macht das Näschen wieder frei?

Eine normale Erkältung ist harmlos und klingt von selbst wieder ab, auch bei kleinen Kindern. Werden aber die Atemwege nicht gut belüftet, kann sich der Infekt bei ihnen schnell ausbreiten. Dann droht etwa eine Mittelohrentzündung, weil die Verbindung zwischen Nasenrachenraum und Mittelohr, die Ohrtrompete, bei Kleinkindern eng und kurz ist und leicht zuschwellen kann. Damit es nicht so weit kommt, muss die Nase rasch wieder frei werden.

Kochsalzlösung hilft – und lässt sich sogar selbst herstellen

Baby streckt die Zunge raus und wird mit einem Nasensauger behandelt.
iStock, LucaLorenzelli

Vor allem für sehr junge Säuglinge ist eine Spülung mit Kochsalzlösung das Mittel der Wahl. Sie befeuchtet die ausgetrockneten Schleimhäute und kann helfen, das Sekret zu verflüssigen und abfließen zu lassen. Es gibt sie in Einmalpipetten oder in Fläschchen mit Dosierpipette, verabreicht werden sie im Liegen, tröpfchenweise in beide Nasenlöcher.

Nasentropfen mit Kochsalz kann man leicht selbst herstellen: einen Liter Wasser zwei Minuten abkochen, 9 Gramm Kochsalz (ohne Rieselhilfe, Jod und Fluor) einrühren und auflösen. Abkühlen lassen, portionsweise abfüllen. Wichtig: Zutaten genau abwiegen, damit das Ganze eine isotone Kochsalzlösung mit 0,9% NaCl ergibt und gut verträglich ist. Als Tropfen mit Pipette verwenden oder als Nasendusche: dazu Einmalspritze füllen, je 2 ml in jedes Nasenloch geben – ganz vorsichtig und das Köpfchen dabei anheben!

Muttermilch als Hausmittel: Viele Hebammen schwören darauf

Mit einem anderen Hausmittel kann man es bei einem verschnupften Stillkind auch versuchen: mit Muttermilch. „Sie enthält Abwehrstoffe, die die Erreger bekämpfen, etwa Immunglobuline“, erklärt Aleyd von Gartzen, Beauftragte für Stillen und Ernährung des Deutschen Hebammenverbandes. In Studien nachgewiesen sei die Wirksamkeit bei Babyschnupfen zwar nicht, schränkt Kinderarzt Dr. Burkhard Rodeck ein: „Aber falsch machen kann man mit frischer Muttermilch nichts. Darin sind verschiedene antientzündliche Substanzen.“

Ob Kochsalzlösung oder Muttermilchtröpfchen: Noch leichter fällt das Atmen dem kleinen Patienten, wenn er beim Stillen leicht aufrecht liegt und auch sonst viel auf den Arm darf.

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Abschwellende Nasentropfen: Am besten nur in Absprache mit dem Kinderarzt

Ein Vater hält sein Baby auf dem Arm.
iStock, FatCamera

Bekommt das Baby trotz alledem kaum Luft, müssen abschwellende Tropfen her. Dazu sollte man sich – gerade mit einem Neugeborenen oder Säugling – genau vom Arzt oder Apotheker zu einem altersgerechten Medikament und zur Dosierung beraten lassen, denn die hierzulande gebräuchlichen Tropfen zählen zu den sogenannten Alpha-Sympathomimetika, die die Gefäße verengen und dadurch die Schleimhaut abschwellen lassen. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass sie über die Nase hinaus wirken – schlimmstenfalls können sich Herzfrequenz und Atmung verlangsamen. Deshalb sollte man abschwellende Nasentropfen nie überdosieren.

Auch nach dem Babyalter gilt: Lieber mit Salztropfen versuchen, ob es besser wird, wenn nicht, mit Schnupfentropfen in der richtigen Dosierung (möglichst ohne den Konservierungsstoff Benzalkoniumchlorid, der in seltenen Fällen Allergien auslösen kann). Die Nasentropfen darf man dem Kind bis zu sieben Tage geben. Länger nicht, damit sich die Schleimhäute nicht daran gewöhnen und schließlich ohne Tropfen umso schneller anschwellen.

Nur mit viel Vorsicht: Rotz absaugen

Mit einem erkälteten Kleinkind ist der Taschentuchverbrauch groß. Gut, wenn es jetzt schon lernt, erst das eine, dann das andere Nasenloch auszuschnauben – das ist am schonendsten. Beim Baby-Schnupfen bleibt nichts anderes, als herauslaufenden Schleim außen abzuwischen. Bleibt aber zähes Sekret drin, fällt die Nasenatmung noch schwerer. Ganz pragmatisch haben früher Ärzte Eltern in solchen Fällen schon mal empfohlen, den Schleim selbst aus der Babynase herauszusaugen – mit dem Mund. Nicht jedermanns Sache – heute gibt es kleine Nasensauger zu kaufen, die das Sekret mit leichtem Unterdruck herausholen sollen. Kinderarzt Rodeck rät eher ab: „Wenn der Druck zu groß ist oder das Endstück nicht richtig angesetzt wird, kann das auch schaden. Und ist die Schleimhaut stark angeschwollen, klappt es sowieso nicht.“

Befeuchten und Abschwellen bleibe das Wichtigste. Aleyd von Gartzen hält Nasensauger eher bei Milchverkrustungen für nützlich und empfiehlt, einen Schleimabsauger für Neugeborene aus der Apotheke zu verwenden und vorher etwas Muttermilch oder Kochsalzlösung in die Nase zu träufeln.

Auch bei Kälte gesund: frische Luft

Ein Vater hält sein krankes Baby auf dem Arm.
iStock, RyanJLane

Nicht nur auf befeuchtende Tröpfchen, auch auf das Raumklima kommt es an, damit sich die Schleimhäute erholen können. Kein Zigarettenrauch, möglichst wenig Staub und regelmäßig lüften, damit die Zimmerluft nicht zu trocken ist – damit ist schon viel getan. Zusätzlich können Eltern ein Wasserschälchen auf die Heizung stellen oder ein feuchtes Tuch darüberhängen.

Zum Schlafen ist eine Temperatur von etwa 18 Grad Celsius günstig, tagsüber am besten zwischen 18 und 21 Grad. Wenn nicht strenger Frost herrscht, können erkältete Kinder auch mal raus, sofern sie sich nicht krank fühlen. In kühler, feuchter Luft schwillt die Schleimhaut von selbst ab, und die Bewegung kann auch das Abhusten leichter machen.

Der Klassiker, auch für die Kleinsten: viel trinken

Reichlich Flüssigkeit im Körper pflegt die Schleimhäute von innen. Für Kleinkinder ist Wasser das beste Getränk, aber auch etwas warmer Kräutertee kann guttun. Von größeren Mengen über längere Zeit rät das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) allerdings ab – vor allem für Babys und Kleinkinder, nachdem in verschiedenen Tees pflanzliche Giftstoffe – sogenannte Pyrrolizidinalkaloide – gefunden wurden, die leberschädigend sein können. 2017 wurden die Stoffe auch in einem Test des Verbrauchermagazins WISO in einigen Bio-Babytees entdeckt.

Und noch eine Warnung: Ätherische Öle sind nichts für Kleinkinder!

Kampfer, Eukalyptus, Pfefferminz, Thymian: Diese starken ätherischen Öle sind für Kinder unter zwei Jahren nicht geeignet. Sie können gefährliche Kehlkopfverkrampfungen auslösen. Deshalb gehören sie auf keinen Fall in Aroma-stövchen. Auch nicht zum Einreiben nehmen. Und nicht als Tee oder in Medikamenten.

Für erkältete Stillkinder gibt es ohnehin Besseres: reichlich Muttermilch. Die könne in dieser Zeit sogar wie ein maßgeschneidertes Medikament wirken, so Stillexpertin Aleyd von Gartzen: „Wenn das Baby krank ist, nimmt die Mutter die Erreger auf und bildet passende Antikörper, die das Kind dann über die Milch bekommt.“

Wegen Schnupfen zum Arzt?

Mit Neugeborenen in den ersten vier Lebenswochen bitte bei jedem Infekt zum Arzt, auch bei Schnupfen. Mit einem älteren Baby und Kleinkind muss das nicht sein, solange es ihm gut geht, es genug trinkt und nicht fiebert. Mit viel Ruhe und Schlaf ist eine Erkältung irgendwann auch überstanden. Und für die gestressten Eltern von kleinen Dauer-Rotznasen hat Kinderarzt Dr. Rodeck einen Trost: „Diese Zeit ist wirklich gut investiert. Mit zwei, spätestens mit drei Jahren hat ein Kind so viele Erreger kennengelernt, dass es viel seltener krank wird.“

Fachliche Beratung:

PD Dr. Burkhard Rodeck, Chefarzt des Christlichen Kinderhospitals Osnabrück und Generalsekretär der Deutschen Gesell- schaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ)
Aleyd von Gartzen, Beauftragte für Stillen und Ernährung des Deutschen Hebammenverbandes
PD Dr. Martin Laudien, Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft Rhinologie/Rhinochirurgie der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen- Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e.V.