Sehstörung
 
Mein Baby braucht eine Brille

Baby, siehst du gut? Ob Ihr Kleines eine Brille braucht, kann es nicht selbst beantworten. Deswegen ist es wichtig, dass Eltern die Sehstärke ihrer Kinder testen lassen. Um den zweiten Geburtstag herum sollten alle Kinder einmal bei einer Augenuntersuchung gewesen sein.

Eine Brille fürs Baby - muss das denn wirklich sein?

Babys und kleine Kinder sehen mit Brille zu Anbeißen aus. Aber leider tragen nach Erkenntnissen der Experten noch zu wenige eine Sehhilfe. Die Erfahrung des Berliner Augenarztes Dr. Christoph Wiemer: Viel zu viele Augenprobleme von Kindern werden übersehen. 6.000 Berliner Kindergartenkinder hat er gemeinsam mit Kollegen im Rahmen einer Studie untersucht. Das ernüchternde Ergebnis: "19 Prozent aller Kinderaugen sind auffällig, aber nur elf Prozent aller Kinder sind in Behandlung." Das ist mehr als ein Schönheitsfehler, schließlich lassen sich Augenprobleme umso besser behandeln, je früher man sie angeht. Wenn die Fehlsichtigkeit erst bei der Einschulungsuntersuchung erkannt wird - was immer noch viel zu oft passiert -, ist es manchmal schlicht zu spät. Denn in den ersten Lebensjahren entwickelt sich das Zusammenspiel von Augen und Gehirn. Aber nicht nur das: Eltern ersparen ihren Kindern Schmerzen und Entwicklungsverzögerungen, wenn sie frühzeitig deren Augen untersuchen lassen.

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Warum können manche Babys nicht so gut sehen?

Schielen: Irgendwann arbeitet nur ein Auge

Ähnlich wie das Laufen muss man das Sehen lernen. Blick für Blick. Die Münchner Orthoptistin Marion Marmarosi: "Man kann sich Sehen vorstellen wie das Zusammenspiel zwischen Hard- und Software im Computer." Die Hardware, das sind die Augen: Wenn sie gesund entwickelt sind, gerade stehen und das Licht ein scharfes Bild auf die Netzhaut wirft, vermittelt das Auge über den Sehnerv die Daten an die Software. Dort, also im Gehirn, entsteht in der Sehrinde ein Bild. Mehr oder weniger perfekt. Wenn das Bild nicht zufriedenstellend ist, muss man die Hardware optimieren. Mit einer Brille zum Beispiel. Passiert das nicht, bekommt die Software Probleme: Weil an das Gehirn keine scharfen Bilder übermittelt werden, lernt es auch nicht, sie zu verarbeiten.

Besonders dramatisch ist das beim Schielen: Zwei Augen, die nicht denselben Punkt fixieren, liefern zwei verschiedene Bilder ans Gehirn. Weil das anstrengend ist, wird nach einiger Zeit eines der Doppelbilder ausgeblendet. In Zukunft sieht nur noch ein Auge. Das wird dadurch zwar immer besser, das andere aber entsprechend schlechter. Wenn es nicht trainiert wird (durch Abkleben des guten Auges oder spezielle Brillengläser), liefert es irgendwann keine Informationen mehr ans Gehirn. Der Effekt: Das räumliche Sehen wird nicht gelernt.

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Ab wann sollten Kinder zur Augenuntersuchung?

"Spätestens um den zweiten Geburtstag sollte deshalb jedes Kind zum Augenarzt", sagt Marion Marmarosi. Und bereits mit einem halben Jahr, wenn es in der Familie Brillenträger gibt. Auch wenn sich ein Baby motorisch langsam entwickelt, sieht es möglicherweise schlecht. "Ich bin schon froh, wenn ich die Risikokinder spätestens mit drei Jahren in meiner Praxis habe", sagt Professor Alina Zubcov-Iwantscheff, Augenärztin und Vorsitzende des Vereins Augenstern (www. augenstern-ev.de), der sich der Früherkennung von Augenproblemen widmet. Ideal sei es, wenn diese Kinder schon vor dem ersten Geburtstag kämen. Durch die Einführung der U7a mit 36 Monaten werden Kinderaugen heute zwar mit drei statt wie früher mit vier Jahren überprüft, aber dieser Sehtest findet beim Kinderarzt statt.

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Auf welche Alarmzeichen sollten Eltern sofort reagieren?

Unabhängig vom Alter sollten Eltern bei konkretem Verdacht auf eine Augenerkrankung natürlich sofort reagieren. Alarmzeichen, die einen Besuch beim Augenarzt dringend machen, sind: die Augen des Babys zittern, nach den ersten Lebenswochen schielt es noch immer, die Pupillen sind grauweiß, es hat ein Hängelid oder große, lichtscheue Augen.

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Erst zum Kinderarzt oder direkt zum Augenarzt?

Eltern, die das Sehorgan ihres Kindes lieber beim Spezialisten untersuchen lassen möchten, suchen sich am besten einen Augenarzt mit Kindererfahrung. Ihm steht eine Orthoptistin zur Seite, die speziell darin geschult ist, Augenstellung und Augenbeweglichkeit zu prüfen und zu beurteilen. Reine Vorsorgeuntersuchungen werden von den Krankenkassen in der Regel allerdings nicht gezahlt.

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Schielen, Weit- oder Kurzsichtigkeit - wie wird es behandelt?

Schielen
Fünf bis sieben Prozent aller Kinder schielen. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser sind die Ergebnisse. Dabei gibt es aber zwei Probleme: Erstens tritt Schielen bei Säuglingen und Babys in den ersten Monaten sehr häufig auf und verschwindet dann wieder. Wenn das Baby aber etwa ab dem achten Monat immer noch schielt, muss es behandelt werden. Und: Bei vielen Babys und Kindern ist das Schielen nicht so auffällig, dass die Eltern es klar erkennen können. Daher sollten Eltern im Falle eines noch so kleinen Verdachtes lieber einen Augenarzt konsultieren.
Die Behandlung: Das gesunde Auge wird mit einem Pflaster abgeklebt - so ist das schielende Auge dazu gezwungen, geradeaus zu gucken. Dadurch merkt das Gehirn, dass es zwei gleichwertige Augen gibt. Meistens bekommen schielende Kinder auch eine Brille verschrieben, die den Lernprozess unterstützt.


Weitsichtigkeit
Fast alle Kinder sind ein bisschen weitsichtig, weil ihre Augen noch klein sind. Das wächst sich aus. Hohe Weitsichtigkeit, etwa ab drei Dioptrien, muss mit einer Brille behandelt werden. Denn die Gefahr ist groß, dass die Kinder zu schielen anfangen, weil sie versuchen, auch in der Nähe scharf zu sehen. Für Laien ist es übrigens kaum zu erkennen, ob ein Kind weitsichtig ist.


Kurzsichtigkeit
Ist ein Baby kurzsichtig, kann also weiter entfernte Dinge schlechter erkennen, muss das meist nicht sofort mit einer Brille ausgeglichen werden. Das Baby- und Kleinkindleben spielt sich schließlich in kurzen Distanzen ab – und dafür sieht auch ein kurzsichtiges Kind scharf genug. Die Brille kann warten, bis das Kind sie mit Verständnis tragen kann.


Grauer Star
Grauen Star, eine Trübung der Augenlinse, erkennen Eltern auf den Fotos, die sie mit Blitzlicht von ihren Kindern machen: Sind beide Pupillen gleich rot, ist das ein gutes Zeichen. Ist eine Pupille verändert - heller, dunkler, irgendwie aus der Mitte gerutscht -, sollte man zum Augenarzt gehen. Handelt es sich um grauen Star, muss sofort operiert werden.

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Wann ist eine Brille nötig?

Die Frage, ab wann der Augenarzt eine Kinderbrille verordnet, lässt sich pauschal nicht beantworten, "weil Kinder ihre Fehlsichtigkeit unterschiedlich gut ausgleichen können", erklärt Augenarzt Christoph Wiemer. "Eine Weitsichtigkeit von zwei bis drei Dioptrien ist bei Babys normal, das muss man nicht korrigieren. Wenn ein Kind wegen seiner Weitsichtigkeit schielt, wird man bereits bei einer Dioptrie eine Brille verschreiben."

Worauf sollte man bei einer Babybrille achten?

Worauf sollte man bei einer Babybrille achten?

Eine gute Babybrille kaufen Sie am besten im Fachgeschäft, dort bekommen Sie optimale Beratung. Die ideale Brille für die Kleinsten besteht aus leichtem, flexiblen Material und braucht

  • einen Blocksteg aus Silikon, damit die Brille auf der Nase perfekt sitzt.
  • Bügel mit einem Federscharnier, die das Ohr weich wie eine Sportbrille umschließen.
  • kleine und dünne Gläser, damit die Brille schön leicht ist.
  • Gläser, die oben abgerundet sind - weil Babys gerne über die Brille linsen.
  • eine schmale Fassung, die nicht über das Gesicht hinausragt, damit die Brille beim Liegen auf der Seite nicht stört.
  • Eine Entspiegelung ist dem Baby egal, aber für Eltern ist es schöner, ihrem Kind ohne Reflexionen in die Augen zu sehen.