Milchpulver aus China
 
Erstmals Melamin in Deutschland gefunden

Trotz eines Importverbotes von Milcherzeugnissen aus China in die EU sind in einem Asia-Laden in Baden-Württemberg jetzt mit Melamin verseuchte Bonbons aufgetaucht. Müssen deutsche Eltern sich Sorgen machen? Eltern.de klärt auf.

Womit wurde das chinesische Milchpulver verseucht?

Milchpulver aus China: Erstmals Melamin in Deutschland gefunden

Offenbar haben gleich mehrere chinesische Milchproduzenten, vor allem aber der Hersteller "Sanlu", die Chemikalie Melamin versetzt. Der Stoff, der in der Industrie vor allem zur Herstellung von Kunstharzen eingesetzt wird, half den betrügerischen Unternehmen, einen höheren Proteingehalt vorzutäuschen. Denn um in möglichst kurzer Zeit möglichst große Mengen zu produzieren, wird in China Milch immer wieder mit Wasser gestreckt. Die Beimengung von Melamin sollte dies wohl vertuschen. Insgesamt wurde Melamin inzwischen in Produkten von 22 chinesischen Herstellern entdeckt - darunter nicht nur Babymilchpulver, sondern auch Speiseeis oder Frischmilch.

Warum ist Melamin so gefährlich für Babys und Kleinkinder?

Melamin kann die Bildung von Nieren- und Blasensteinen fördern, da es mit anderen Chemikalien Kristalle bildet. Gerade bei Säuglingen und Kleinkindern, bei denen sonst kaum Nierensteine gefunden werden, kann eine Nierenerkrankung sehr gefährlich werden. Der EU-Richtwert für die Konzentration des Stoffes etwa bei Muskelaufbaupräparaten für Kraftsportler liegt bei zehn Mikrogramm pro Gramm.

Wie viele Kinder sind derzeit in China erkrankt?

Nach offiziellen Angaben sind inzwischen mehr als 50.000 Kinder in China nach dem Verzehr der vergifteten Milch erkrankt. 13.000 Babys werden derzeit noch in Krankenhäusern behandelt. Für vier Säuglinge kam jedoch jede Hilfe zu spät: Sie starben an Nierenversagen. Im ganzen Land lassen besorgte Eltern ihre Kinder deshalb jetzt vorsorglich untersuchen. Wer es sich leisten kann, steigt auf teure, aus dem Ausland importierte Babymilch um. Und Stillen? Ist derzeit in China nicht in Mode.

Zeigen die Bonbons in Baden-Württemberg, dass jetzt auch hier Gefahr besteht?

Der Verzehr einzelner Bonbons wäre nicht gesundheitsschädigend gewesen

Für chinesische Milchprodukte gilt ein EU-weites Einfuhrverbot und es gibt keine Erkenntnisse, dass dieses Verbot umgangen wurde. Dieses wurde am 26. September nochmals verschärft: Das Einfuhrverbot gilt nun auch für zusammengesetzte Produkte (zum Beispiel Kekse), die zu mindestens 15 Prozent aus Milcherzeugnissen bestehen und aus China stammen - sobald sie eine höhere Melamin-Konzentration als 2,5 Milligramm pro Kilogramm aufweisen.

Tatsächlich warnte das baden-württembergische Verbraucherministerium jetzt vor dem Verzehr von chinesischen Bonbons der Marke "White Rabbit", die auch in Baden-Württemberg vornehmlich in Asia-Shops verkauft wurden. Das Ministerium verwies dabei auf die Rückrufe des chinesischen Herstellers sowie des niederländischen Vertreibers. Zwar sei angesichts eines gemessenen Melamin-Wertes von 152 Milligramm pro Kilogramm der Verzehr einzelner Bonbons nicht gesundheitsgfährdend, trotzdem wurden die Lebensmittelüberwachsungsbehörden angewiesen, die Ware aus dem Verkehr zu ziehen.

Schon kurz nach Bekanntwerden des Skandals hatten Bayern und Baden-Württemberg ihre Lebensmittelkontrollen wurden verstärkt - eine "reine Vorsichtsmaßnahme", wie der bayerische Verbraucherschutzminister Otmar Bernhard (CSU) am Montag in München sagte. Zudem wurden die bayerischen Gesundheitsämter aufgefordert, bei Säuglingen und Kindern auf ungewöhnliche Nierenerkrankungen zu achten.

Ein weiteres, wenn auch geringes Risiko besteht bei Produkten aus Drittländern, die chinesisches Milchpulver importiert haben. Tatsächlich haben chinesische Milchproduzenten Länder wie den Jemen, Bangladesh, Birma, Gabun und Burundi beliefert. Mittlerweile haben diese Länder den Import jedoch gestoppt. Melamin-verseuchte Lebensmittel wurden aber auch in Japan, Singapur, Taiwan und Hongkong gefunden.

Allerdings ist die Gefahr, die etwa von mit verseuchtem Milchpulver hergestellten Keksen ausgeht, gering; die Melamin-Konzentration ist hier sehr niedrig. Wer trotzdem ganz sicher sein will, sollte vor allem in Asia-Läden vorerst keine Produkte mehr kaufen, in denen Milchpulver verarbeitet wurde.

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