Muttermilch spenden
 
Darf ich meinem Baby die Milch einer anderen Frau geben?

Stillen ist das Beste fürs Baby. Doch was, wenn nicht genug Milch da ist - etwa, weil das Kind ein Frühchen ist? Gespendete Muttermilch könnte eine Lösung sein. Doch vor privaten Muttermilchbörsen ist dringend abzuraten. Hier erfahren Sie alles über dieses sensible Thema.

Muttermilch: Die beste Wahl für Babys

Muttermilch spenden: Darf ich meinem Baby die Milch einer anderen Frau geben?
Laut Weltgesundheitsorganisation ist Milch, direkt aus der Brust der eigenen Mutter, die beste Nahrung für Babys. Ähnlich gut ist abgepumpte Muttermilch, am drittbesten gespendete Milch einer anderen Frau. Auf Platz vier folgt industriell hergestellte Säuglingsmilch. Denn Muttermilch enthält Verdauungsenzyme, die der Darmflora des Babys optimal angepasst sind, und Immunstoffe, die das Baby vor Infektionen schützen.

Kein Wunder also, dass Muttermilch begehrt ist. Wer zu viel davon hat, kann sogar daran verdienen. Zumindest in den USA: Auf der Internetplattform www.onlythebreast.com zum Beispiel verkaufen Mütter ihre Milch an andere, bei denen das Stillen nicht klappt. Die Preise liegen umgerechnet zwischen 1 und 2,50 Euro für 100 Milliliter. Wer sein Baby komplett damit ernähren will, muss also bis zu 20 Euro pro Tag auf den Tisch legen. Umgekehrt heißt das: Frauen mit überschüssiger Milch können monatlich bis zu 600 Euro erpumpen.

Der Bedarf nach Muttermilch steigt

Der Bedarf nach Muttermilch in Deutschland ist groß. Der Hauptgrund hierfür ist die steigende Zahl von Frühchen. Heute kommen fast zehn Prozent der Babys vor der 36. Schwangerschaftswoche zur Welt. Diese Zahl wird in dem Maße steigen, wie Erstgebärende älter werden. Immer mehr Babys werden außerdem durch künstliche Befruchtung gezeugt - darunter viele Mehrlinge, die oftmals sehr klein sind. Muttermilch ist für sie die beste Medizin. Weil die Milchproduktion der Frühchenmütter vor lauter Stress aber oft schwer in Gang kommt, setzen immer mehr Kliniken auf gespendete Muttermilch.

Wo kann man Muttermilch spenden?

Die Frauenmilchbank am Perinatalzentrum München Großhadern ist eine Einrichtung zur Gewinnung, Testung, Lagerung und Weitergabe von gespendeter Frauenmilch für Früh- und Neugeborene, deren Mütter innerhalb der ersten ein bis zwei Wochen nach der Entbindung keine ausreichende Menge Muttermilch produzieren können. Die spendenden Mütter bekommen eine Aufwandsentschädigung von fünf bis sechs Euro pro Liter abgepumpter Muttermilch. "Studien legen nahe, dass Frühgeborene Muttermilch nicht nur besser vertragen als industriell hergestellte Säuglingsnahrung, sondern dass sie aufgrund der besonderen anti-infektiösen Inhaltsstoffe der Frauenmilch auch seltener an Infektionen, insbesondere an Hospitalinfektionen, erkranken", erklärt Prof. Dr. Andreas Schulze, Leiter der Neonatologie und Neugeborenen-Intensivpflege am Perinatalzentrum München-Großhadern.

Als Spenderinnen kommen allerdings nur gesunde Mütter in Frage, die ihr eigenes Kind im Perinatalzentrum geboren haben. Weitere Voraussetzungen für die Spende sind ein negatives Testergebnis auf den zu den Herpesviren gehörenden Zytomegalie-Virus (CMV-seronegativ) und eine ausreichende Milchbildung von mindestens 500 Milliliter pro Tag.

Weitere Infos rund um die Muttermilchspende und das Perinatalzentrum finden Sie unter www.klinikum.uni-muenchen.de

Die Muttermilch-Börse

Ein anderes, jedoch höchst umstrittenes Modell der Muttermilchabgabe an fremde Säuglinge ist das System der privaten Muttermilchbörse. Hier können Mütter ihre eigene Muttermilch verkaufen oder bei Bedarf welche (hinzu)kaufen. Die Plattform www.muttermilch-boerse.de ist der erste Versuch, in Deutschland aus Muttermilch ein Geschäft nach amerikanischem Vorbild aufzubauen. Das Prinzip funktioniert ähnlich wie bei einer Tauschbörse im Internet, nur mit dem Unterschied, dass man bei getauschten Gegenständen meist sofort sieht, wenn diese "beschädigt" sind.

Diese Plattform ist jedoch kein sicherer Garant für gesunde und gute Muttermilch. Zum Preis von vier bis knapp acht Euro pro 100 Milliliter wird hier Muttermilch zum Kauf angeboten. Die Anbieterinnen können selbst ankreuzen, welchen Lebensstil sie pflegen, und angeben, was ihre Milch angeblich so besonders macht. Die Käufer können je nach Belieben selbst Tests wie beispielsweise auf Salmonellen, E-coli oder hohe Keimbelastung im Labor bestellen. Diese Tests gehen ordentlich ins Geld - dabei werden die entscheidenden Tests auf HI-Viren, Hepatitis B und Hepatitis C dort gar nicht angeboten!

Zwischen den Angeboten von "Bio-Muttermilch", "veganer und koffeinfreie Bio-Nichtrauchermilch" und "steril abgepumpter Milch" schleichen sich daher Zweifel ein, ob die Angebote so seriös sind, wie sie klingen. Denn das System ist undurchsichtig. Treffen mit Anbietern und Käufern werden zwar ebenso empfohlen wie die unkomplizierte Bar-Zahlung (die Abgabe von Muttermilch ist übrigens steuerfrei) für Selbstabholer, aber was letztendlich in der georderten Milch ist, erschließt sich dem Empfänger nicht.

Und da Muttermilch eine Körperflüssigkeit ist, besteht immer die Gefahr, Krankheiten auf das zu stillende Kind zu übertragen. Keiner kann sich sicher sein, dass die Milch keine Erreger enthält, im schlimmsten Fall sogar HI-Viren oder Syphiliserreger. Das System der Milchbörse funktioniert allein auf Vertrauensbasis, und da bleibt immer ein Risiko - nicht zuletzt auch für die anbietende Mutter, die dafür verantwortlich gemacht werden kann, sollte ein Baby nachweislich durch die von ihr verkaufte Muttermilch krank werden.

Fazit: Diese Art der Muttermilchbeschaffung ist auf Grund der hohen Gesundheitsrisiken nicht zu empfehlen!

Kann die beste Freundin meinem Baby Muttermilch spenden?

Abpumpen, einfrieren, in der Kühlbox der Freundin übergeben, das ist vor allem praktisch, wenn die Babys in etwa das gleiche Alter haben, weil sich Muttermilch an die Bedürfnisse des gestillten Babys anpasst. "Auch heute gibt es Mütter, die ihre Kinder kreuz und quer stillen ", sagt Denise Both, Stillberaterin aus Füssen und Mitglied der Nationalen Stillkommission. "Aber man sollte auch im Bekanntenkreis im Hinterkopf behalten: Es gibt Krankheiten wie Aids oder Hepatitis C, die möglicherweise auch über die Muttermilch übertragbar sind."

Muttermilch spenden auf Facebook?

Netzwerke wie "Human Milk for Human Babys" (HM4HB) oder "Eats on Feats" bauen - ausgehend von den USA - lokale Facebook-Gruppen weltweit auf, auch in Deutschland. Doch das ist genauso mit Risiken behaftet wie die Muttermilch-Börse. Denn wer sich über ein soziales Netzwerk gespendete Muttermilch einer fremden Frau ohne gesundheitliche Kontrolle auf Drogen, gefährliche Viren und Krankheitserreger schicken lässt, kann sich über die Qualität nicht sicher sein.