Kindergesundheit
 
Hitzepickel beim Baby: Wie sie entstehen und was schnell dagegen hilft

Hitzeausschlag, Schweißfrieseln, Hitzeblattern: Die harmlosen Hitzepickel haben im Volksmund viele Namen. Die Ursache ist jedoch immer dieselbe. Deinem Kind ist zu heiß. Wir erklären, was ihr gegen den Hautausschlag tun könnt und geben Tipps, wie ihr am besten vorbeugt.

Vater knuddelt sein Baby im Sommer
iStock, RyanJLane
Auf einen Blick
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  • Hitzepickel sind an sich harmlos.
  • Sanfte Kühlung ist die beste Medizin.
  • Bei zu schneller Abkühlung besteht jedoch Erkältungsgefahr.
  • Zu viel Creme verstopft die Poren zusätzlich.
  • Luftige Kleidung beugt Hitzepickeln vor.

Die Haut von Babys und Kleinkindern reagiert oft empfindlich auf Umweltreize. Auch bei einer zu hohen Umgebungstemperatur schlägt sie Alarm. Und das ist durchaus wörtlich zu verstehen. Denn durch verstopfte Schweißdrüsen entstehenden Hitzepickel. Sie sind an sich harmlos. Der Körper des Kindes zeigt durch dieses Symptom aber an, dass es noch ein anderes Problem gibt. Damit ihr als Eltern richtig reagieren könnt, erklären wir euch die Ursache und Behandlung der kleinen Schwitzbläschen und geben euch Tipps, damit sie künftig erst gar nicht auftreten.

Was sind Hitzepickel?

Hitzepickel (auch Schweißflechte, Hitzeausschlag, Schweißbläschen, Hitzeblattern oder Hitzefrieseln) sind ein harmloser Hautausschlag, der durch Wärme und Reibung verursacht wird. Er tritt als Schwellung, stellenweise gerötete Haut oder kleine Bläschen, Pickelchen oder Pusteln auf. Diese können mit einer klaren oder milchigen Flüssigkeit gefüllt sein. Ist die Ursache beseitigt, verschwindet der Ausschlag in der Regel von selbst. Mediziner sprechen von einer Dermatitis hidrotica oder Miliaria (von dem lateinischen Milium = Hirsekorn).

Bei Babys und Kleinkindern sind häufig die Stellen betroffen, die von Kleidung oder ihrer Windel bedeckt sind. Denn dort staut sich nicht nur die Hitze, auch die zusätzliche Reibung der Kleidung auf der Haut fördert die Bildung der Hautirritation. Stellen, an denen Haut auf Haut trifft, sind ebenfalls anfällig. So bilden sich Hitzepickel bei Kindern oft in den Hautfalten von Kniekehlen, Ellenbogenbeugen oder Achseln. Auch im Gesicht können sie vorkommen.

Kinder, die schnell schwitzen und die eine eher helle Haut haben, sind häufiger von Hitzepickeln betroffen. Schmerzen verursachen die Stellen meistens nicht. In einigen Fällen jucken oder brennen die Pusteln jedoch unangenehm. Bei den ganz Kleinen merkt ihr das daran, dass sie weinerlich oder unruhig sind.

Auch wenn die Pickelchen selbst harmlos und auch nicht ansteckend sind, solltet ihr sie ernst nehmen. Denn sie sind ein wichtiges Warnsignal. Eurem Baby ist zu heiß. Wenn ihr ihm keine Abkühlung verschafft, kann der Hitzestau einen Hitzschlag verursachen.

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Welche Ursachen haben Hitzepickel?

Hitzepickel entstehen, wenn der Schweiß eures Babys – z.B. durch zu warme Kleidung – nicht verdunsten kann. Es kommt zu einem Rückstau in den Schweißdrüsen, was wiederum dazu führt, dass sie verstopfen und sich Rötungen und Hitzepickel an der Oberfläche bilden. Das Reiben der Kleidung auf den betroffenen Stellen verstärkt den Effekt. Da außerdem die kühlende Wirkung des Schwitzens wegfällt, besteht die Gefahr der Überhitzung.

Hitzepickel können bei Menschen jeden Alters entstehen. Bei Babys und Kleinkindern kommen sie jedoch viel häufiger vor. Das liegt daran, dass ihre Schweißdrüsen viel kleiner sind und so schneller verstopfen.

Die Ursache eines solchen Hitzeausschlags sind also Wärme und Reibung und nicht etwa die direkte Sonneneinstrahlung.  Daher treten Hitzepickel nicht nur im Sommer, sondern auch im Winter auf, wenn dein Kind zu warm angezogen oder ein Zimmer überheizt ist. Ein Ausschlag, der sich bildet, nachdem die Haut deines Babys direkt der Sonne ausgesetzt war, ist daher vermutlich eher ein Sonnenbrand oder eine Sonnenallergie.

Welche Arten von Hitzepickeln gibt es?

In der Medizin wird zwischen zwei Ausprägungen von Hitzepickeln unterschieden. Bei der Miliaria cristallina entstehen als spontane Reaktion auf Wärme kleine, weiße Bläschen. Nach einer Kühlung mit Kompressen oder nassen Tüchern verschwinden sie meistens schnell wieder. Bei der Variante Miliaria rubra ist die Haut eher geschwollen und oft auch entzündet. Hier sind die tieferliegenden Schweißdrüsen betroffen und der rötliche Ausschlag tritt erst nach mehreren Tagen auf. Zum Beispiel nach einem Aufenthalt in einer Umgebung mit warmen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit.

Was hilft eurem Baby bei Hitzepickeln?

Baby schläft sommerlich zugedeckt in einer Kinderkarre
iStock, praetorianphoto

Wenn die Hitzepickel ein Signal sind, dass es deinem Kind zu warm oder gar zu heiß ist, ist klar, was zu tun ist: Kühlung ist die erste Hilfe! Aber Vorsicht, schließlich wollt ihr ja auch keine Erkältung riskieren. Sanftes Abkühlen ist der richtige Weg. Mit diesen Tipps seid ihr auf der sicheren Seite:

  • Bring dein Kleines in den Schatten, wenn es in der direkten Sonne zu heiß wurde. Zum Beispiel unter einen Sonnenschirm, einen Baum oder ein Vordach.
  • Auch ein kühlerer Raum eignet sich. Allerdings nur, wenn er nicht stark klimatisiert ist und kein Durchzug entsteht.
  • Lockere die Kleidung deines Kindes: Knöpfe und Reißverschlüsse auf, Jäckchen ausziehen, Schuhe und Söckchen aus, Mützchen ab.
  • Auch feuchte Waschlappen oder andere Tücher bringen unterwegs schnelle Abkühlung. Einfach die betroffenen Stellen hin und wieder abtupfen und an der Luft trocknen lassen.
  • Gib deinem Kind ausreichend zu trinken.
  • Um die Heilung der kleinen Pickel zu fördern, hilft ein lauwarmes Bad (nicht kalt!). Danach nur vorsichtig abtupfen und nicht abrubbeln. Das würde nur die Durchblutung erneut fördern und die Haut reizen.
  • Habt ihr den Eindruck, dass die Bläschen jucken, hilf eine dünne Schicht Zinkcreme oder Kieselerde-Gel. Auch Hausmittel können den Juckreiz stillen. Zum Beispiel etwas Muttermilch oder stark verdünnter Apfelessig (3 EL auf einen Liter Wasser). Medikamente sind in der Regel nicht notwendig.

Worauf ihr jetzt besser verzichtet

Abkühlen
Babys können ihre Temperatur noch nicht gut regulieren. Was Erwachsene als willkommene Abkühlung empfinden, kann bei einem Baby schon zu einer Erkältung oder gar zu einer Unterkühlung führen. Das sind die Don’ts beim Abkühlen des Kindes:

  • Zu kaltes Wasser beim Baden (was auch ­– wie bei Erwachsenen – wieder zu anschließendem Schwitzen führt und noch mehr Poren verstopft)
  • offenes Autofenster

Behandlung der Haut
Viele Cremes helfen der irritierten Haut wenig, verstopfen aber zusätzlich die Poren. Hier ist weniger eindeutig mehr. Schließlich gilt es, die Ursache zu behandeln. Das sind die Don’ts bei der Behandlung der kleinen Pusteln:

  • keine Cremes mit hohem Feuchtigkeitsgehalt
  • keine Wundsalben
  • kein Puder
  • keine Medikamente (wie Cortisonsalben oder Schmerzmittel) ohne Absprache mit dem Kinderarzt
  • ein Aufkratzen der Pusteln möglichst verhindern (z.B. durch kurz gehaltene Fingernägel)
  • die Bläschen keinesfalls ausdrücken

Auch Sonnencreme kann die Schweißdrüsen weiter verstopfen. Auf sie zu verzichten ist – je nach Wetter und Aufenthaltsort – aber nicht so einfach. Schließlich ist es auch keine Alternative, einen Sonnenbrand zu riskieren. Erkundigt euch bei eurem Kinderarzt oder Apotheker, ob und wenn ja, welche Sonnencreme sie euch empfehlen.

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So beugt ihr Hitzepickeln vor

Am besten wäre es natürlich, wenn der Hitzeausschlag gar nicht erst auftritt. Schließlich kennt ihr jetzt die Ursache und könnt euch sicher schon denken, welche Vorsichtsmaßnahmen gegen starkes Schwitzen und verstopfte Scheißdrüsen helfen. Unsere Tipps im Überblick:

Die richtige Kleidung: Zieht eurem Kind luftdurchlässige, möglichst weite und atmungsaktive Kleidung an, um einen Hitzestau zu vermeiden (Baumwolle, Seide, Wolle-Seide-Mischungen). Das gilt auch für den Winter und in der Nacht (Bettwäsche, Schlafanzug, Schlafsack). Das Gewebe muss in der Lage sein, Feuchtigkeit nach außen zu transportieren. Naturmaterialien können das besonders gut. In Sachen Temperatur ist eine gute Faustregel für das Babyoutfit: Zieh deinem Kind nur eine Schicht mehr an, als du selbst als angenehm empfindest.

Die richtige Temperatur: Überprüft, wie warm eurem Baby wirklich ist. Den Trick dafür kennt ihr sicher schon. Legt zwei Finger in den Nacken eures Kindes. Ist es da sehr warm und sogar etwas feucht, ist es eurem Baby zu warm und ihr solltet schnell für sanfte Abkühlung sorgen.

Das richtige Gepäck: Wenn ihr schon wisst, dass es heute heiß wird, hilft die richtige Ausstattung, euer Baby vor einem Wärmestau zu schützen. Das sollte ins Gepäck:

  • Sonnenschutz für den Kinderwagen oder Buggy
  • Sonnenschutz fürs Auto
  • Genug Wasser zum Trinken und Abkühlen
  • Ein Baumwolltuch, das ihr ins Wasser tauchen könnt

Die richtige Planung: Mittags ist es an heißen Sommertagen noch ein paar Grad wärmer. Plant den Spaziergang mit eurem Kind lieber am Vormittag oder am Abend. Auch die Wohnung lüftet ihr besser sehr früh und sehr spät, um sie als kühlen Rückzugsort nutzen zu können.

Mit Hitzepickeln zum Kinderarzt?

In der Regel sind Hitzepickel bei Kindern harmlos und ihr könnt sie mit unseren Tipps leicht selbst in den Griff bekommen. Verschwinden sie aber innerhalb von ein, zwei Tagen nicht von alleine oder kommen Fieber oder starker Juckreiz hinzu, ist ein Besuch bei eurem Kinderarzt ratsam.
Er kann dann auch andere Hauterkrankungen ausschließen. Denn letztlich ist auch denkbar, dass ihr mit eurer Vermutung daneben lagt. Wenn ihr selbst wenig Erfahrungen habt, könnte ebenso gut eine allergische Reaktion oder eine Kinderkrankheit vorliegen.

Verwendete Quellen

Röhnelt, Romanus (2017): Kindergesundheit: Wie Sie Krankheiten erkennen. Was Sie selbst tun können, Trias-Verlag, Stuttgart.
Renz-Polster, Herbert, et al. (2020): Gesundheit für Kinder: Moderne Medizin - Naturheilverfahren - Selbsthilfe. Kinderkrankheiten verhüten, erkennen, behandeln -vollständig überarbeitet und aktualisiert Ausgabe, Kösel-Verlag, München.
MSD-Manuals: Schweißflechte