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Psychologin verrät Warum wir Baby-Duft so lieben

Laura Schäfer: Mutter mit Baby
© Golubovy / Shutterstock
Der Duft von Babys ist einzigartig. Die Psychologin Laura Schäfer erforscht, wie er auf Eltern wirkt.
Mit ihr sprach ELTERN-Autorin Alice Ahlers

ELTERN: Wie beschreiben Eltern den Duft ihres Babys?

Dr. Laura Schäfer: Die meisten beschreiben ihn als angenehm süßlich und nehmen ihn besonders stark am Köpfchen ihres Kindes wahr. Manche sagen auch, dass ihr Baby "zum Reinbeißen" riecht, so gut, dass sie es am liebsten nur noch knuddeln und mit ihm kuscheln wollen.

Riechen alle Babys gleich?

Nein, Mütter können ihr Baby schon wenige Stunden nach der Geburt am Geruch erkennen. Lässt man sie an verschiedenen Bodys riechen, finden sie den, in dem ihr Baby eine Nacht lang geschlafen hat. Sie mögen den Duft ihres eigenen Babys auch lieber als den anderer Kinder. Das liegt höchstwahrscheinlich an der genetischen Ähnlichkeit.

Gilt das alles auch für Väter?

Wir haben bisher nicht ausreichend viele Männer untersucht, um darüber sichere Aussagen zu machen. Es deutet aber einiges darauf hin, dass es sich bei ihnen kaum anders verhält.

Was passiert denn in unserem Gehirn, wenn wir an einem Baby riechen?

Das funktioniert ganz ähnlich wie das Kindchen-Schema beim Anschauen. Riechen wir an einem Baby, werden in unserem Gehirn dieselben Areale aktiviert, wie wenn wir ein süßes Kindergesicht mit großen Augen und Stupsnase sehen. Beides löst in uns angenehm belohnende Gefühle aus – ähnlich wie Schokolade oder andere Drogen. Die positiven Gefühle sorgen dafür, dass wir einem Babys Zuwendung und Fürsorglichkeit entgegenbringen. Der Duft verstärkt also die Bindung der Eltern zu ihrem Kind. Wenn die Kinder klein sind und viel Zuwendung brauchen, schätzen Eltern deren Geruch auch angenehmer ein als später, wenn sie älter sind.

Was ändert sich dann?

Steigt bei Jungen zwischen neun und 13 Jahren das Testosteron-Level an, riechen sie auf einmal anders, weil die Abbauprodukte des Hormons in ihrem Schweiß enthalten sind. Da manche Schweißdrüsen erst in der Pubertät aktiv werden, riechen die Kinder auch plötzlich intensiver. Mütter empfinden den Geruch ihrer Söhne dann eine Zeit lang als unangenehm, den Geruch ihrer Töchter und fremder Jungen allerdings nicht.

Wie kommt das?

Zum einen kennen Mütter den Geruch ihrer Kinder sehr gut. Womöglich sind sie einfach vorübergehend verwirrt, dass ihr Sohn durch den Einschub der Hormone plötzlich ganz anders riecht als vorher, gewöhnen sich dann aber an den reiferen Duft, denn in der späten Pubertät riechen sie ihre Söhne wieder gern. Es gibt das Phänomen aber umgekehrt auch bei Vätern. Sie können ihre pubertären Töchter eine Zeit lang nicht so gut riechen. Dahinter steckt eventuell eine Strategie der Evolution, die der Arterhaltung dient. In der Phase der Geschlechtsreifung könnte der Geruch genetisch ähnlicher Wesen eher als abstoßend empfunden werden, um Inzest zu vermeiden.

Was machen Sie aus Ihren Erkenntnissen über den Duft der Babys?

Eventuell lassen sich eines Tages Therapien entwickeln, die auf Babyduft basieren. Wir haben festgestellt, dass Mütter mit postpartalen Depressionen oder Bindungsschwierigkeiten ihre Babys oft nicht am Geruch erkennen. Wir vermuten, dass das auch mit reduziertem Körperkontakt zwischen Mutter und Kind zusammenhängt, sodass es schwieriger ist, über den Geruchssinn positive Gefühle zu aktivieren. Man könnte ihnen mit Riechtrainings helfen, bei denen sie ganz bewusst den Geruch ihres Babys wahrnehmen. Außerdem untersucht gerade ein Labor für uns, aus welchen chemischen Komponenten sich Babyduft ganz genau zusammensetzt.

Ließe sich dann vielleicht eines Tages der Duft des eigenen Babys als Parfum konservieren?

Das ist nicht ausgeschlossen.

Supernasen

Säuglinge können zwar noch nicht sehr gut sehen und hören, ihr Geruchssinn ist aber schon vor der Geburt stark ausgeprägt. Bereits im Mutterleib entwickeln sie Vorlieben für bestimmte Speisen, die die Mutter häufig zu sich nimmt. Legt man ein Neugeborenes direkt nach der Geburt der Mutter auf den Bauch, erschnüffelt es die Brust und bewegt seinen Kopf in die richtige Richtung.

Zur Person

Dr. Laura Schäfer ist Psychologin in der Arbeitsgruppe Neuromarker an der Klinik für Psychosomatik am Universitätsklinikum Dresden.

7/ 2021 ELTERN

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