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Erste Tage mit Baby 20 Mythen im Check

Erste Tage mit Baby: eine Mutter hält ihr Neugeborenes im Arm
© KieferPix / Shutterstock
So, wie während einer WM alle zu Nationaltrainern werden und während Pandemie gefühlt alle zu Virologen, ruft auch ein neues Baby oft allerlei selbsternannte Experten auf den Plan. Ob Schwiegervater oder Nachbarin: Alle haben plötzlich jede Menge wohlmeinende Weisheiten und Tipps parat. Höchste Zeit also für eine Orientierungshilfe: Was stimmt denn nun wirklich, was zumindest ein bisschen, und was überhaupt nicht?

Wenn euer Baby gerade erst geboren ist und ihr noch dabei seid, euch an eure Elternrolle und die neuen Herausforderungen zu gewöhnen, habt ihr bestimmt schon eine ganze Menge gut gemeinter Ratschläge gehört. Doch welche Aussagen stimmen und welche Mythen sind reine Erfindungen? Wir decken sie auf.

"Neugeborene können noch fast nichts sehen und hören!"

Das ist Unsinn. Der Hörsinn ist sogar der allererste Sinn, den wir Menschen entwickeln. Bereits im Bauch nehmen Neugeborene die Geräusche um sie herum wahr – zwar gedämpft, aber dennoch deutlich. Nach der Geburt ist das nicht anders. In den ersten Lebenstagen wirken die letzten Tropfen Fruchtwasser in ihren Ohren zwar noch wie ein natürlicher Schallschutz, doch die vertraute Stimme der Eltern erkennen Babys von der ersten Lebensstunde an. Und was das Sehen angeht: Auch dieser Sinn entwickelt sich bereits im Mutterleib, sodass Babys nach der Geburt schon wahrnehmen können. Ihr Sichtfeld ist allerdings noch sehr klein. Wirklich klar sehen Neugeborene auf einen Abstand von etwa 30 Zentimetern – also genau so weit, wie unser Gesicht von ihnen entfernt sind, wenn wir sie im Arm halten und anlächeln. So können unsere Kleinen sich erst mal ganz aufs Kennenlernen fokussieren, bevor sie den Rest der Welt entdecken.

"Wenn Babys beim Füttern den Brei mit der Zunge aus dem Mund drücken, muss man ihn einfach wieder zurückschieben!"

Nein! Der sogenannte Zungenstoßreflex ist ein angeborener Schutz, mit dem Babys sich selbst davor schützen, feste Kost zu sich zu nehmen, bevor sie dafür bereit sind. Deshalb ist es so wichtig, sich beim Beifüttern nicht auf feste Zeitpläne zu versteifen, sondern auf das individuelle Baby zu gucken. Und das Zurückschieben des Breis mit der Zunge ist ein glasklares Signal: Stopp, ich bin noch nicht so weit!

"Wenn ein Baby nach dem Essen der Großen giert, ist es Zeit für den ersten Brei."

Tatsächlich ist Interesse am Essen der Eltern kein sogenanntes Beikostreife-Zeichen. Der Grund: Viele Babys finden schon mit drei Monaten alles superspannend, was wir Eltern so machen. Auch Essen! Ihr Darm ist aber trotzdem noch nicht reif für etwas anderes als Milch. Das ändert sich erst zwischen dem fünften und dem siebten Lebensmonat. Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, neugierige Babys erste Erfahrungen mit fester Kost machen zu lassen – ruhig auch mal vom Teller der Großen.

"Babys schreien ohne Grund."

Das wurde unseren Eltern und Großeltern tatsächlich so erzählt: Dass Neugeborene einfach so schreien, weil sie eben nichts anderes können, und dass das ihre Lungen stärke. Heute wissen wir: Beides ist Quatsch. Babyweinen hat also keinerlei positiven Effekt auf die kindliche Lungenentwicklung, und Babys schreien auch nicht ohne Grund. Das heißt jedoch nicht, dass wir Eltern diesen Grund immer erkennen oder abstellen könnten. Denn viele Babys schreien eben nicht nur, wenn sie Hunger oder Schmerzen haben, sondern auch, wenn es ihnen schwerfällt, die Reize des Tages zu verarbeiten und in den Schlaf zu finden. In solchen Fällen ist es wichtig, nicht krampfhaft nach einer Strategie zu suchen, die das Schreien abstellt. Sondern sich immer wieder zu sagen: Babys schreien nie ohne Grund, doch oft ist der Grund auch einfach, dass es ihnen gerade nicht so gut geht und dass sie deshalb Nähe brauchen.

"Mit drei Monaten können Babys durchschlafen."

Das kommt tatsächlich darauf an: Es gibt Babys, die machen das. Und zwar nicht, weil ihre Eltern ihnen das besonders toll beigebracht hätten. Sondern einfach, weil es ihrem Wesen entspricht. Dann gibt es Babys, die melden sich mit drei Monaten nachts auch nicht mehr – und zwar, weil sie gelernt haben, dass dann eh keiner kommt. Das ist oft das ganze Geheimnis, wenn heutige Großeltern behaupten, wir hätten früher als Babys alle prima durchgeschlafen. Und schließlich ist es noch wichtig, zu erwähnen, was genau die Schlafforschung unter "Durchschlafen" versteht. Nämlich keine ungestörte Nacht von sieben Uhr abends bis sieben Uhr morgens, wie viele Eltern sie sich erträumen. Sondern eine Schlafphase von fünf Stunden Dauer, in der ein Baby zwischendurch keine Milch verlangt.

"Gutes Babyspielzeug macht Kinder schlau."

Was unzweifelhaft stimmt: Spielen ist essenziell für die Gehirnentwicklung. Deshalb ist es so wichtig, dass Babys spielerisch ihre Umwelt entdecken und dabei vielfältige Sinneserfahrungen machen dürfen. Es gibt jedoch keinen Beleg dafür, dass bestimmte Spielzeuge dabei einen besonders förderlichen Effekt hätten. Auch wenn Hersteller das natürlich gern behaupten: Kontrastreiche Mobiles und hübsche Holzrasseln in Primärfarben sind für die Hirnentwicklung nach aktuellem Forschungsstand nicht besser als Schlüsselbund und Schneebesen.

"Zu viel Tragen ist nicht gut für den Babyrücken."

Babys müssen ganz viel liegen, sowohl im Bettchen als auch im Kinderwagen, damit ihr Rücken schön gerade ist: Das ist ein Ammenmärchen. Kleine Menschen sind jahrtausendelang ganz selbstverständlich von ihren Eltern herumgetragen worden, ohne davon irgendwie Schaden zu nehmen. Im Gegenteil: Getragen zu werden ist für Babys nicht nur gemütlich, es ist auch prima für ihre Entwicklung, weil sie dabei so viel mitbekommen von der Welt um sie herum – selbst wenn sie gerade schlafen. Wenn überhaupt, ist Tragen schädlich für den Rücken der Erwachsenen – weswegen eine gut sitzende, den Rücken entlastende Trage eine wirklich gute Investition sein kann.

"Mütter wissen intuitiv, was ihr Baby braucht."

Mit unserer Intuition ist das so eine Sache: Anders als viele glauben, spricht aus unserem Bauchgefühl längst nicht immer die tiefe Weisheit der Natur, sondern oft genug auch Angst – oder Glaubenssätze, die wir im Laufe unseres Lebens so aufgegabelt haben. Das gilt für Mütter wie für Väter, vor allem dann, wenn sie vor dem ersten eigenen Kind noch wenig Erfahrungen mit Babys sammeln konnten. Insofern ist es immer eine gute Idee, die eigene Intuition durch ein gewisses solides Basiswissen in Sachen Babyentwicklung zu ergänzen – das macht es deutlich leichter, wirklich zu verstehen, was Babys wirklich können und brauchen. Trotzdem steckt im Lob der mütterlichen Intuition auch ein Funken Wahrheit: Durch Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit sind viele Mütter unglaublich vertraut mit ihren Babys und erspüren deshalb mit nahezu schlafwandlerischer Sicherheit, was sie gerade brauchen. Auf lange Sicht ist die Sache mit der Intuition jedoch weniger eine Frage der Biologie als des gelebten Familienalltags: Am intuitivsten mit dem Baby ist fast immer dasjenige Elternteil, das den Löwenanteil der Betreuung übernimmt.

"Schon Babys können lernen, aufs Töpfchen zu gehen."

Das stimmt tatsächlich – wenn auch vielleicht anders, als unsere eigenen Großmütter das meinen. Denn während es beim klassischen Töpfchentraining darum ging, Babys über strenge Regelmäßigkeit früh aus den Windeln zu kriegen, stehen bei der modernen "Windelfrei"-Idee Bindung und Kommunikation mit dem Baby im Mittelpunkt. Fakt ist: Bereits Neugeborene können tatsächlich spüren, wann sie mal müssen. Und wenn Eltern sich reinfuchsen, können sie lernen, diese feinen Signale zu erkennen, und ihr Kleines dann pünktlich zum Pipimachen über ein Töpfchen halten. Muss man das machen? Nein. Aber es funktioniert.

"Bevor Babys laufen lernen, müssen sie krabbeln, sonst gibt es später Probleme!"

Was stimmt: Krabbeln ist prima für die Bewegungsentwicklung, weil Babys dabei sogenannte Kreuzbewegungen machen, die dabei helfen, die Verbindungen zwischen der rechten und der linken Gehirnhälfte zu stärken. Dieses Bewegungsmuster aus Ungeduld zu überspringen, indem man Babys oft an beiden Händen laufen lässt, ist also tatsächlich nicht ideal. Gleichzeitig gibt es Kinder, in deren angeborenem Entwicklungsplan Krabbeln einfach nicht vorgesehen zu sein scheint. Manche Kinder schlängeln sich, statt zu krabbeln, andere kullern durch die ganze Wohnung oder rutschen auf dem Po – und ein Blick ins Familienalbum zeigt oft, dass ihre Mama oder ihr Papa das schon genauso gemacht hat. Früher riet man in solchen Fällen oft zur Krankengymnastik, heute ist Entspannung angesagt. Oder, wie der Wissenschaftler und Kinderarzt Remo Largo es formulierte: "Viele Wege führen zum freien Gehen, und das ist auch ganz in Ordnung so."

"Babys brauchen unbedingt einen festen Tagesablauf."

Als unsere eigenen Eltern Babys waren, predigten Kinderärzte landauf, landab die drei goldenen R der Säuglingspflege: Ruhe, Reinlichkeit und Regelmäßigkeit. Hieß im Klartext: Kinder sollten satt und sauber gebettet und dann bis zu den festgelegten Fütterzeiten möglichst in Ruhe gelassen werden. Das sei wichtig für ihre Entwicklung. Heute wissen wir: Die Idee, dass Babys unbedingt einen festen Tagesrhythmus brauchen, hatte ihren Ursprung im Zeitalter der Industrialisierung – und wurde deswegen so populär, weil sie so prima in den Arbeitsalltag der Erwachsenen passte. Für Eltern heute bedeutet das: Haben sie das Gefühl, dass ihnen ein einigermaßen fester Tagesablauf selbst Halt und Sicherheit gibt, spricht nichts dagegen. Doch Babys kommen auch prima damit klar, wenn sich die Tage unterscheiden.

"Kinderkrankheiten sind wichtig, danach machen die Kinder oft einen richtigen Schub!"

Stimmt nicht. Auch wenn sich dieser Mythos in alternativmedizinischen Kreisen hartnäckig hält: "Kinder profitieren in ihrer Entwicklung nicht davon, wenn sie irgendwelche Krankheiten durchmachen", sagt der Kinderarzt Dr. Herbert Renz-Polster. "Es ist vielmehr so, dass sie durch eine lange Krankheit zunächst einmal in ihrer Entwicklung kurzzeitig zurückgeworfen werden – und dann diesen Rückstand oft nach dem Gesundwerden schlagartig aufholen." Das sieht dann zwar so aus, als ob die Krankheit einen gewaltigen Entwicklungsschub ausgelöst hätte, ist aber nicht so. Dazu kommt, dass viele sogenannte Kinderkrankheiten alles andere als harmlos sind: Masern können zu Hirnhautentzündungen führen, Mumps unfruchtbar machen, Windpocken die Wahrscheinlichkeit für eine schwere Gürtelrose im Erwachsenenalter erhöhen, und Noro-Viren können Kleinkinder so sehr schwächen, dass sie ins Krankenhaus müssen. Also lieber impfen lassen!

"Unruhige Baby schlafen oft besser, wenn man sie ganz fest einwickelt."

Das sogenannte Pucken ist eine uralte Beruhigungstechnik, die hierzulande in den letzten Jahren wiederentdeckt wurde und heute oft als Hebammen-Geheimtrick gehandelt wird. Und es stimmt: Viele kleine Babys (nicht alle!) empfinden es als angenehm, relativ eng eingepackt zu werden – vielleicht, weil sie das an die Enge kurz vor der Geburt in Mamas Bauch erinnert? Tatsächlich gibt es auch Studien, die belegen, dass gepuckte Babys im Schnitt länger schlafen. Allerdings sind diese Effekte nicht von Dauer: Mit steigendem Lebensalter scheint die beruhigende Wirkung nachzulassen. Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass sehr regelmäßiges, sehr festes Pucken Hüftfehlentwicklungen begünstigen kann. Deshalb kann Pucken durchaus eine gute Regulationshilfe in den ersten Neugeborenenwochen sein, sollte jedoch möglichst nicht als dauerhafte Einschlafhilfe genutzt werden.

"Babyschwimmen macht Kinder später sicherer im Wasser."

Das wäre schön, ist aber leider unwahrscheinlich. Die Theorie klingt zwar einleuchtend: Wer schon ganz früh zur Wasserratte wird, lernt schneller und sicherer schwimmen. Einen wissenschaftlichen Beleg gibt es dafür allerdings nicht. Richtige Schwimmbewegungen können Kinder frühestens im Vorschulalter lernen – und es gibt keinen Hinweis darauf, dass sie sich damit leichter tun, wenn sie als Säuglinge beim Babyschwimmen waren. Macht aber nichts: Lustig finden viele Babys das Planschen trotzdem.

"Ihr müsst von Anfang an aufpassen, euer Baby nicht zu verwöhnen."

Die Angst vor dem Verwöhnen steckt tief in unseren Köpfen, und das hat auch mit unserer Geschichte zu tun – schließlich wurde zur Zeit des Nationalsozialismus ganz bewusst ein Umgang mit Babys gepredigt, der das Entstehen einer sicheren Bindung verhindern sollte. Seitdem sitzt die Angst vor dem kleinen Haustyrannen, den man sich durch zu viel Sanftheit und Nachgiebigkeit heranziehen kann, gerade in Deutschland sehr tief. Dabei hat die Bindungsforschung längst bewiesen: Auf Babys sofort zu reagieren, wenn sie weinen, sie also hochzunehmen, zu tragen und zu trösten hat keinerlei negative Folgen und befördert im Gegenteil des Entstehen einer sicheren Bindung, die fürs Leben trägt. Filmtipp zum Thema, der hilft, die eigene Angst vorm Verwöhnen loszuwerden: "Good Enough Parents" (goodenoughparents.net).

"Die Mütter früher haben die Babyzeit doch auch problemlos ohne Hilfe gewuppt!"

Die Frage ist, wann genau dieses Früher gewesen sein soll. In der Steinzeit, als ganze Clans sich gemeinsam um die aufzuziehenden Kinder gekümmert haben und ein Baby im Schnitt von fünf Müttern abwechselnd gestillt wurde? Im 18. Jahrhundert, als gut situierte Mütter ihre Kinder bevorzugt von Ammen aufziehen ließen? Oder in den 1950er-Jahren, in denen Mütter im zerbombten Nachkriegsdeutschland oft genug in unglücklichen Ehen feststeckten, ihren Schmerz und ihre Einsamkeit mit Frauengold betäubten und ihre Kinder in Laufställen schreien ließen, um den Haushalt geschafft zu kriegen? Die Geschichten von den heroischen Müttern früherer Generationen sind keine historisch genauen Überlieferungen, sondern Legenden, die uns unter Druck setzen und ein schlechtes Gewissen machen sollen. Denn Mütter, die sich schuldig fühlen, fordern nicht viel – erst recht keine Unterstützung bei der Care-Arbeit. Genau diese Unterstützung brauchen Mütter aber, und das haben sie immer getan. Mal kam diese Unterstützung aus der eigenen Familie, mal aus dem Dorf, mal von bezahlten Kräften – aber dass viele Mütter heute zehn bis zwölf Stunden am Tag oder mehr allein für ein Baby verantwortlich sind, ist eine historisch betrachtet völlig neue und keineswegs natürliche oder einfache Situation. Sich da Hilfe zu holen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von seelischer Stärke und gesunder Selbstfürsorge.

"Stillen ist das Beste für jedes Baby."

Das stimmt nur, wenn man Stillen auf die reine Gabe von Muttermilch reduziert: Ja, das ist tatsächlich die beste Babymilch, die es gibt. Aber Stillen ist eben mehr als der reine Transfer von Milch. Läuft es gut, ist es eine gemeinsam genossene Kuschelzeit für Mama und Kind – und damit natürlich extrem kostbar. Erlebt eine Mutter das Stillen jedoch als ausgesprochen belastend und zehrend oder fühlt sie sich aus anderen Gründen unwohl dabei, ist es eine völlig legitime Entscheidung, abzustillen und Pulvermilch zu füttern. Weil das Beste für jedes Baby vor allem eine Mutter ist, der es auch selbst gut geht.

"Spätestens zum ersten Geburtstag muss Schluss sein mit dem Stillen."

Genau, wie es keine zu kurze Stillzeit gibt, gibt es auch keine zu lange Stillzeit. Entscheidend ist allein, womit es Mutter und Kind gut geht. Weltweit liegt die durchschnittliche Stilldauer bei 30 Monaten, wobei die Stillkinder natürlich nach und nach mehr essen und weniger Milch trinken, das Stillen aber trotzdem auch als Trost- und Beruhigungsquelle beibehalten. Die Vorbehalte, die lange stillenden Müttern hierzulande begegnen, sind ausschließlich kulturell bedingt: Wo eine Brust oft primär als sexuelles Körperteil wahrgenommen wird, wirkt das Stillen eines älteren Kindes oft erst mal befremdlich. Dabei wird Muttermilch niemals schlecht oder schädlich, sondern bleibt für Kleinkinder so wertvoll und schützend wie am ersten Tag.

"Sobald die ersten Zähnchen da sind, erhöht nächtliches Stillen das Kariesrisiko."

Auch wenn es immer wieder behauptet wird: Für diese These gibt es keinen wissenschaftlichen Beleg. Hier werden vielmehr Erkenntnisse aus der Flaschenfütterung auf Stillkinder übertragen. Doch nächtliches Stillen führt nicht zu Nuckelflaschenkaries, wie Stillberaterin Denise Both betont: "Die Trinktechniken an der Flasche und an der Brust unterscheiden sich erheblich. Beim Stillen werden die Zähne nicht ständig mit Milch umspült, da die Milch erst hinter den Zahnleisten in den Mund gelangt und dort geschluckt wird." Studien zeigen zudem, dass gestillte Kinder – bei angemessener Zahnpflege – weniger häufig an Karies leiden als Flaschenbabys, was vermutlich an Inhaltsstoffen der Muttermilch liegt, die Bakterien aktiv bekämpfen.

"Für Frühgeborene ist jede Berührung Stress."

Früher dachte man, dass es zu früh geborenen Babys am besten geht, wenn man sie in ihren Brutkästen möglichst in Ruhe lässt. Schließlich schien jede medizinisch notwendige Berührung für die Winzlinge nichts als Stress zu bedeuten. Dabei unterschätzten die medizinischen Fachkräfte jedoch die Kraft der zärtlichen Berührungen, die Eltern ihren Kindern schenken können. Heute ist bewiesen: Die Känguru-Pflege, bei der Frühgeborene so früh und regelmäßig engen Haut-an-Haut-Kontakt erleben dürfen, fördert nicht nur die Bindung, sondern erhöht tatsächlich auch ihre Überlebenschancen. Konkret gibt es Hinweise darauf, dass "Känguruhen" das Level des Stresshormons Cortisol in den Körpern der ganz kleinen Babys senkt, was sich wiederum positiv auf ihr Immunsystem auswirkt.

ELTERN

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