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"Ist das zu viel verlangt?" Mutter findet offene Worte über Besuch im Wochenbett

"Ist das zu viel verlangt?" Mutter spricht offen über Besuch im Wochenbett: Katie Bowman sitzt auf ihrem Krankenhausbett.
© Living My Family Life / Katie Bowman / privat
Katie Bowman ist Mutter dreier Kinder und findet auf Facebook emotionale Worte darüber, wie belastend Besuch kurz nach der Geburt sein kann. 

Für die Eltern und auch die restliche Familie ist die Geburt eines Kindes ist ein ganz besonderer Moment. Klar, dass am liebsten alle sofort das neue Familienmitglied sehen wollen. Das ist völlig verständlich, und natürlich freut man sich als junge Mutter über das Interesse am Baby. Viele Mütter freuen sich auch sehr über Besuch, es ist meist nur eine Frage des Timings. Denn viele leiden nach der Geburt unter starken Schmerzen und ihrer Erschöpfung – und darunter, dass ihre Bedürfnisse im Besucheransturm unter die Räder geraten.

Die Australierin Katie Bowman, die Mutter von Zwillingen und deren großer Schwester ist, hat darum ein emotionales Posting zum Thema Besuch kurz nach einer Geburt geschrieben und auf ihrer Facebook-Seite "Living My Family Life" veröffentlicht. Die Worte sprechen Tausenden Frauen aus dem Herzen.

Ehrliche Worte aus dem Wochenbett: "Ein oder zwei Tage, ist das zu viel verlangt?"

"Ein Bild sagt wirklich mehr als 1000 Worte. Das bin ich, knapp 24 Stunden nach der Geburt meiner Ältesten. Ich habe keine Ahnung, wer das Foto gemacht hat, aber du kannst wahrscheinlich schon allein anhand dieses Bildes sehen, wie ich mich fühle, wenn ich dieses Bild sehe.

Ein oder zwei Tage, ist das zu viel verlangt? Ein oder zwei Tage, um einer frisch gebackenen Mutter die Chance zu geben, zu verarbeiten, dass gerade ein kleines menschliches Wesen ihren Körper verlassen hat. Ein oder zwei Tage, damit sie endlich duschen und den Schweiß und das Blut von ihrem Körper abwaschen kann. Ein oder zwei Tage, damit sie sich an den Schmerz an ihren Brustwarzen gewöhnen kann, wenn sie lernt, ihr Baby zu stillen. Ein oder zwei Tage, damit sie ein klein wenig schlafen kann, denn sie ist völlig erschöpft.

Bevor du in dein neues Leben als Mutter startest, hast du gerade die schmerzhafteste, erschöpfendste und überwältigendste Erfahrung deines Lebens hinter dich gebracht. Wehen. Hat eigentlich jeder vergessen, wie heftig diese Erfahrung sich auf deinen emotionalen und physischen Zustand auswirken kann?

Das Letzte, was du dann willst, ist ein Haufen Leute, die dein Zimmer stürmen, um das Baby herumzureichen. Stillen zu lernen ist keine Privatsache. Du nimmst nicht einfach nur deine Brustwarzen heraus, und dein Baby verbindet sich damit, als wären sie ein Magnet. Du holst deine ganze Brust heraus, führst dein Baby immer wieder an deiner Brust entlang und hoffst, dass es andockt. Die Krankenschwester kommt und versucht dir zu helfen, indem sie das Kolostrum aus deiner Brust herausmassiert. Dann probierst du es mit der anderen Seite, jetzt liegen also beide Brüste bloß.

Deine Vagina und dein Bauch sind eine Welt voller Schmerz. So viele Stellen sind verletzt. Es fällt dir schwer, eine bequeme Position zu finden, weil nichts in diesem harten Krankenhausbett sich wirklich gut anfühlt. Du kannst kaum sitzen, stehen, liegen oder laufen. Ganz ehrlich, selbst zwei oder drei Wochen später hat meine Vagina immer noch furchtbar wehgetan. Das Krankenhaus will dich nicht entlassen, bevor sie nicht sicher sind, dass du deine Blase leeren kannst, ohne dass deine Vagina herausfällt. 

Jeder will unbedingt ein Foto mit dem Baby, aber wer macht mal ein Foto von der Mutter mit ihrem Kind? Ich musste extra um ein Foto mit meinem Baby bitten. Sonst gibt es nur Bilder direkt nach der Geburt, wir beide sind völlig verschmiert und blutig. Danke an die geistesgegenwärtige Hebamme, die freundlich genug war, sich mein Handy zu schnappen, um diese Bilder einzufangen, die für mich die kostbarsten sind, die ich besitze. Danach existieren fast nur noch Selfies.

Jeder will unbedingt innerhalb der ersten 24 Stunden das Baby sehen, muss unbedingt sein Bedürfnis befriedigen, einmal dieses Kind zu halten. Wenn du ihnen nicht erlaubst, ins Krankenhaus zu kommen, bist du eine selbstsüchtige Drama-Queen. Und dann kommen sie ins Krankenhauszimmer rein und sagen Sachen wie: 'Oh, jetzt siehst du nur noch wie vier Monate schwanger aus anstatt wie neun'. Es tut mir leid, aber wer um alles in der Welt gibt dir das Recht, das Aussehen einer frischgebackenen Mutter mit solchen Worten zu kommentieren? Wir sind so verletzlich in dieser Zeit! 

Klar, manche Leute können es nicht erwarten, Besuch zu bekommen. Darum geht es nicht.

Hier geht es um Menschen, die ihre Besucher darum gebeten haben, einen oder zwei Tage mit ihrem Besuch zu warten – und sie tun so, als wolle man sie komplett aus dem Leben des Neugeborenen ausschließen. Es war so ein schönes Gefühl, dass alle sofort unser Baby sehen wollten und es nicht abwarten konnten, es zu halten. Was mir nicht klar war, war, wie schwer es sein würde, Leute darum zu bitten, wenigstens einen Tag mit ihrem Besuch zu warten. 'Es wird nur ein kurzer Besuch', heißt es dann. Und du bist zu müde, um dich zu streiten. Also sitzt du da und wartest, bis sie ihre Dosis Baby bekommen haben. 

Das nächste Mal, wenn du von einem Baby erfährst, denk daran, wie müde diese Neu-Mama aussieht. Ich weiß, du bist aufgeregt, aber bitte denk daran: Du hast kein Recht darauf, das neue Baby zu besuchen, es ist ein Privileg."

Betroffene Reaktionen auf das Posting: "Dieses Bild bricht mir das Herz"

Diese Schilderung von Katie Bowman ist ganz schön heftig, und es bleibt sehr zu hoffen, dass nicht alle Frauen Besuch im Wochenbett so negativ erleben. Das ist natürlich auch eine sehr individuelle Sache, die ganz von der Person, dem Geburtserlebnis und dem Verhalten der Besucher abhängt. Die vielen zustimmenden Kommentare unter ihrem Post machen aber deutlich, dass Katie mit ihrem Empfinden nicht allein ist.

Eine Facebook-Userin kommentiert etwa: "Dieses Bild bricht mir das Herz. Alles, was du schreibst, ist so wahr. Die Tante und die Oma meines Ehemannes sprechen noch immer nicht mehr mit uns, weil wir sie darum gebeten haben, nach der Geburt unseres Sohnes einige Tage mit ihrem Besuch zu warten. Ich war so überwältigt. Das ist jetzt sieben Jahre her".

Eine weitere Frau schreibt: "Das ging mir genauso! Ich kam gerade aus dem OP heraus, hatte bei meinem ersten Baby meinen allerersten Kaiserschnitt hinter mir, ich weinte, und es hieß eigentlich: keine Besucher. Und doch saßen da schon Leute, die mein Baby sehen wollten, mit denen ich mich nicht mal gut verstand." 

Eine so negative Erfahrung sollte wirklich keine Frau durchmachen müssen. Hoffentlich können die deutlichen Worte von Katie Bowman zu mehr Sensibilität und Respekt im Umgang mit Müttern in dieser so besonderen Zeit beitragen.

Verwendete Quelle: Facebook

mh ELTERN

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