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Patenonkel werden: Wichtige Fragen und Tipps für tolle Geschenke

Vater und Sohn toben am Meer
© Kiselev Andrey Valerevich, shutterstock
Was diese Ehre für dich bedeutet und was wichtig ist, bevor du das Amt annimmst, erklären wir hier. Plus: 10 Dinge, die einen richtigen Patenonkel ausmachen.

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Ein wichtiger Ansprechpartner und Vorbild für das Kind und ein treuer Freund und Unterstützer für die Eltern: So stellen sich viele den perfekten Patenonkel vor. Ist auch von Taufe die Rede, kommt für den Paten noch die Mitverantwortung für die religiöse Erziehung hinzu. Ganz schön viele Aufgaben! Du sollst Patenonkel werden? Dann fragst du am besten erst einmal, was die Eltern deines zukünftigen Patenkindes suchen. Einen Onkel, der großzügige Geschenke zu Geburtstagen und zur Einschulung spendiert, jemanden, der das Sorgerecht schultert, wenn sie jung sterben sollten oder einen engen Vertrauten, mit dem das Kind auch mal richtig viel Spaß haben und verrückte Sachen erleben kann? Sind die Erwartungen einmal klar formuliert, kannst du dich viel besser entscheiden. Und falls du die Patenschaft übernehmen möchtest, geben wir dir unsere Tipps, wie du ein toller Patenonkel wirst.

Was ist ein Patenonkel?

Ein Patenonkel wird von den Eltern ausgesucht. Er soll das Kind als eine zusätzliche erwachsene Bezugsperson bis ins Erwachsenenalter begleiten und ihm ein gutes Vorbild sein. Heute denkt man vielleicht in erster Linie an jemanden, der zum Geburtstag mit dem größten Geschenk um die Ecke kommt. Die traditionelle Rolle von Paten hat jedoch einen eher ernsten Hintergrund. Denn ein Patenonkel und eine Patentante sollen im Ernstfall auch in die Bresche springen, wenn die Eltern beide jung sterben sollten. Eine rechtliche Verpflichtung zur Übernahme der Vormundschaft gibt es zwar nicht, aber in der christlichen Tradition war dies eine der Hauptfunktionen der Taufpaten.

Als Taufpate ist der Patenonkel darüber hinaus für die christliche Erziehung des Kindes mitverantwortlich. Klar, dass er dafür selbst Mitglied der betreffenden Kirche sein muss. Eltern, Patenonkel und Patentante sind bei der Taufe die erwachsenen Stellvertreter des kleinen Kindes. Sie bezeugen vor Gott seine Aufnahme in Kirche und Gemeinde und versprechen, dafür zu sorgen, dass es ein guter Christ wird.

Kann man auch ohne Taufe Patenonkel werden?

Ein Patenonkel und eine Patentante werden als offizielle Taufpaten ins Kirchenbuch eingetragen. Das ist aber auch schon alles. Rechtliche Konsequenzen hat die Übernahme der Patenschaft nicht. Es geht vielmehr um eine moralische Aufgabe dem Kind und seinen Eltern gegenüber. Und das geht auch ohne kirchlichen Segen.
Als Eltern könnt ihr auch Paten aussuchen, wenn ihr nicht in der Kirche seid und es keine Taufe gibt. Wenn ihr euer Anliegen ernsthaft mit denjenigen besprecht, die ihr als Lebensbegleiter für euer Kind ausgewählt habt, werden sie das Amt sicher ebenso zuverlässig ausüben wie ein offizieller Taufpate.
Wirst du allerdings gefragt, ob du die Patenschaft auch im religiösen Sinne übernehmen willst, kommt es auf die Konfession an: In der katholischen Kirche musst du Mitglied sein, um das Patenamt übernehmen zu dürfen. Bei einer evangelischen Taufe reicht es, wenn Patenonkel oder Patentante Mitglied einer christlichen Kirche sind, sie müssen also nicht unbedingt evangelisch sein. Die Mitgliedschaft belegst du mit einem sogenannten Patenschein, den du in deiner Gemeinde beantragen kannst.

Wer soll Patenonkel werden und wie fragt man?

Vater flicht Tochter einen Zopf auf dem Sofa.
© LightField Studios, shutterstock

Ob mit oder ohne Taufe, Patenonkel und Patentante zu werden ist eine große Sache. Die Rolle bringt einige Verpflichtungen mit sich und kostet schlicht auch eine Menge Zeit, wenn man sie ernsthaft ausfüllen will. Als Eltern solltet ihr bedenken, dass nicht jeder dazu bereit ist. Daher ist es sicher sinnvoll, unter vier Augen mit dem Auserwählten zu reden und ihn nicht in großer Runde auf dem nächsten Familienfest zu fragen. Schließlich wollt ihr, dass er aus echter Überzeugung zustimmt und nicht unter sozialem Druck.

Wenn ihr sicher gehen wollt, dass der Kontakt zu Patenonkel und Patentante möglichst lange besteht, sind Verwandte eine gute Wahl. Selbst wenn es mal Streit gibt, bleibt das familiäre Band ein Leben lang bestehen. Bei Freundschaften sieht das nach einigen Jahren schon mal anders aus.  Viele entscheiden sich daher für Bruder oder Schwester als Paten. Hier sind auch die Schnittmengen in Sachen Erziehung und Werte häufig besonders groß. Auch die Großeltern können theoretisch Paten sein. Allerdings kommt dann die Altersfrage ins Spiel. Schließlich wollt ihr sicher, dass Patenonkel und Patentante auch mit dem jugendlichen Patenkind noch Pferde stehlen.

Wenn euer potentieller Patenonkel Sinn für Humor hat, könnt ihr ihn auch mit einem witzigen Präsent bitten, Pate zu werden. In Online-Shops findet ihr ganz sicher eine Reihe von Anregungen. Zum Beispiel ein Babybody mit dem Aufdruck „Finger weg! Ich habe einen verrückten Patenonkel und keine Angst ihn einzusetzen!" oder mit einem Rubbellos, auf dem die Frage: „Willst du mein Patenonkel werden?“ erscheint oder einer Tasse mit dem Aufdruck: „Nur großartige Brüder werden zum Patenonkel befördert“. Da fühlt sich der künftige Pate sicher geschmeichelt und der Einstieg in das Thema ist nicht zu ernst.

Was ist bei der Auswahl noch wichtig?

Viele Eltern wollen mit der Wahl der Paten auch die Bindung der ausgesuchten Person an die junge Familie fördern. So steigt die Chance, dass die Freunde auch in vielen Jahren noch eine enge Beziehung zu ihnen haben werden, oder dass sich Geschwister noch etwas näherkommen.

Allerdings ist es genauso wichtig, die Bedürfnisse des Kindes im Auge zu behalten. Sprich: Kann der Auserwählte gut mit Kindern umgehen? Wird er mit einem Kleinkind etwas anfangen können, ist er der richtige, um auch in Krisensituationen Verantwortung zu übernehmen und kann ein älteres Kind viel Spaß mit ihm haben? Versucht, euch in euer älter werdendes Kind hineinzuversetzen, aber seid dabei nicht ganz so streng. Natürlich reift auch ein Patenonkel mit seiner neuen Aufgabe.

Für Kinder ist der Faktor Exklusivität von Bedeutung. Gerade Geschwisterkindern ist es wichtig, einen Patenonkel und eine Patentante nur für sich zu haben. Am besten suchen Eltern daher für jedes Kind eigene Paten aus. Im Idealfall haben diese noch kein anderes Patenkind und nur Zeit für das eine. Etwas überspitzt formuliert ist die Idealbesetzung für einen Patenonkel aus Elternsicht ein junger, lebensfroher, kinderlieber Verwandter oder Freund, der keine eigenen Kinder und Patenkinder hat. Wenn er dann noch finanziell abgesichert ist, ist das nicht Prio 1, aber im Notfall auch nicht schlecht.

Welche Aufgaben hat ein Patenonkel?

Vater hält Tochter fröhlich am Wasser auf dem Arm.
© Sveta Y, shutterstock
  • Moralisches Vorbild sein: Dem Kind helfen, sich im Leben zu orientieren, besonders an wichtigen Weichen, aber auch in den kleinen Fragen des Alltags.
  • Religiöse Erziehung übernehmen: Dem Patenkind glaubhaft die wichtigsten christlichen Werte vermitteln können (wenn du auch Taufpate bist).
  • Fels in der Brandung und Seelentröster sein: Da sein, wenn es mal kriselt, die Eltern vertreten, wenn diese unter Druck stehen, krank sind oder sich verstärkt um ein Geschwister kümmern müssen, sich mit dem Patenkind treffen oder telefonieren, wenn es Sorgen hat.
  • Retter in der Not sein: Sollten die Eltern tatsächlich jung sterben, die Möglichkeit in Erwägung ziehen, das Sorgerecht zu übernehmen, falls keine anderen Geschwister, Großeltern oder anderen Verwandten das wollen oder eine engere Bindung zum Kind haben.
  • Ehrentage würdigen: Das Kind zu wichtigen Ereignissen besuchen und ihm ein Geschenk mitbringen (Geburtstage, Einschulung, Kommunion, Konfirmation, Firmung, Schulabschluss etc.). Dabei freut sich das Kind meistens mehr über gemeinsame Unternehmungen als über teure Geschenke.
  • Beziehung pflegen: Bereit sein, eine tiefgehende Beziehung zu seinem Patenkind aufzubauen, sowohl als kleines Kind als auch als Heranwachsender.
  • Als Vermittler fungieren: Als Mediator einspringen, wenn es zwischen Eltern und Patenkind Probleme gibt.

Kann man auch ablehnen?

Die Liste schreckt dich doch etwas ab? Ja, Patenonkel zu sein, bedeutet Verantwortung zu übernehmen und kann dich auch in unerwarteten Momenten eine Menge Zeit kosten. Wenn du selbst schon Kinder hast und Verantwortung für deine Familie trägst, wenn du weißt, dass du bald länger ins Ausland gehen oder einfach nur sehr weitwegziehen wirst, wenn du eigentlich so gar keinen Draht zu Kindern hast, bist du vielleicht nicht der Richtige für die Rolle.

Natürlich ist es nicht einfach, dann tatsächlich nein zu sagen. Schließlich ist es ja auch eine Ehre, gefragt zu werden. Aber die Eltern – und vor allem das Kind – haben ja auch nichts davon, wenn du die Patenschaft später nicht ausfüllen willst oder kannst. Ehrlich währt hier einfach am längsten. Außerdem bedeutet die Absage ja umgekehrt auch nicht, dass du nicht trotzdem für das Kind da sein kannst. Um ein Kind zu erziehen braucht es bekanntlich ein ganzes Dorf. Keiner hindert dich daran, dich einzubringen und einen Teil beizutragen – auch ohne offiziell Patenonkel zu sein.

Bevor du zu- oder absagst, ist es allerdings wichtig, das Gespräch mit den Eltern zu suchen. Vielleicht haben sie ganz eigene Vorstellungen von deiner Patenrolle. Und die können sich ja durchaus mit deinen Erwartungen decken.

Bleibt man Patenonkel auf Lebenszeit?

Aus Sicht der Kirche endet dein Amt formal mit der Firmung, bzw. der Konfirmation deines Schützlings. Dann ist die religiöse Erziehung nämlich abgeschlossen und dein Patenkind ist religionsmündig. Im moralischen Sinne wäre es aber natürlich schön, wenn eure Beziehung fortbesteht. Denn der schwierige Schritt ins richtige Erwachsenenleben steht deinem Patenkind ja mit 14 oder 15 Jahren noch bevor. Gerade in dieser Phase lassen sich Jugendliche von ihren Eltern nicht mehr viel sagen. Klasse, wenn der Patenonkel von außen etwas coachen kann und bei Bedarf als Brücke zwischen Eltern und Kind fungiert.
P.S. Wenn ein Pate aus der Kirche austritt, erlischt das Patenamt im religiösen Sinne.

Was können Paten schenken?

Welche Präsente sich für dein Patenkind eignen, ist davon abhängig, wie alt es ist und ob du auch Taufpate bist.
Für weltlich aktive Patenonkel sind persönliche Geschenke schön, die auch nach Jahren noch eine Bedeutung haben. Je besser ihr das Kind kennt, desto mehr Ideen habt ihr, was ihm gefällt.

Traditionelle Geschenke in Bezug auf Kirche und Glauben:

  • Taufkette mit Gravur
  • Taufkerze
  • Kinderbibel
  • Gesangbuch
  • Taufbuch
  • Gebetswürfel
  • Halskette mit Kreuz

Für weltlich aktive Patenonkel sind persönliche Geschenke schön, die auch nach Jahren noch eine Bedeutung haben. Je besser ihr das Kind kennt, desto mehr Ideen habt ihr, was ihm gefällt.

  • Fotoalbum mit schönen Momenten mit deinem Patenkind
  • T-Shirts mit Paten-Onkel-Aufdruck
  • Bücher, die dir wichtig sind, mit persönlicher Widmung
  • Sparbuch oder sonstige Geldanlage mit regelmäßiger Sparrate
  • Eine wertige Armbanduhr

Wenn du vor allem ein glückliches Lächeln ins Gesicht deines Patenkindes zaubern möchtest, ist es besser, Zeit zu schenken und Traditionen zu schaffen, die eure Beziehung zu etwas ganz Besonderem machen:

  • Ausflüge auf den Spielplatz oder in den Zoo
  • Kleine Wanderungen in die Natur
  • Besuch eines Vergnügungsparks oder Theaters
  • Mini-Urlaube ohne Eltern
  • Ein Besuch im Kino oder auf einer Schlittschuhbahn
  • Ein Tag im Schwimmbad mit Eis-Flatrate
  • Ein Konzertbesuch seiner / ihrer Lieblingsband
  • Gemeinsames Haushüten, während die Eltern mal Urlaub machen

Wie werdet ihr ein toller Patenonkel?

Ihr habt euch entschieden, ein Kind als Patenonkel bis ins Erwachsenenalter zu begleiten? Das ist klasse. Jetzt fragt ihr euch, wie ihr dem Amt und seiner Verantwortung gerecht werdet? Ganz einfach: Werft einen ehrlichen Blick in eure eigene Kindheit. Ihr hattet einen Patenonkel, der deine Eltern immer mit den teuersten Geschenken ausgestochen, sich aber ansonsten kaum gekümmert hat? Und euer Bruder hatte einen anderen Paten, der nicht so viel Geld hatte, dafür aber  coole Ausflüge mit ihm unternommen hat und regelmäßig mit ihm telefoniert hat? Wenn du lieber den anderen Onkel gehabt hättest, ist dein Auftrag klar, oder? Zeit zaubert eine enge Beziehung, keine teuren Geschenke. In diesem Sinne: Viel Spaß mit deinem Patenkind!

Verwendete Quellen

www.katholisch.de: Kennen Taufpaten ihre wichtige Aufgabe?
www.evangelisch.de: Kindertaufe – Wer kann Pate werden?
www.süddeutsche.de: Doch nicht der Richtige


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