Kinderwagen
 
Babys erster Straßenflitzer

Welchen Kinderwagen nehmen wir? Längst nicht mehr nur eine Frage von guter Federung und leichter Handhabung. Design spielt für viele Eltern - und Promis wie Schauspielerin Minnie Driver - mindestens genauso eine große Rolle. Und für Sie? Hier stellen wir die aktuellen Kinderwagen-Modelle vor und sagen Ihnen, was Sie bei der Wahl beachten sollten.

Wie finde ich den richtigen Kinderwagen?

Kinderwagen: Babys erster Straßenflitzer

Wer zum ersten Mal einen Kinderwagen sucht, ist ratlos, so gigantisch erscheint das Angebot. Es gibt besonders geländegängige Kinderwagen, besonders Platz sparende, besonders verwandelbare, besonders schicke Kinderwagen. Wie entscheidet man sich richtig? Hier finden Sie die unterschiedlichen Kategorien von Kinderwagen - und ihre Nutzbarkeit.

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1. Klassische Kinderwagen

Der "Klassiker". Als "Fahrzeug der ersten Stunde" ist der traditionelle Kinderwagen gedacht für die ganz kleinen Babys, die noch nicht sitzen können. Er hat eine feste Liegefläche, ist rundum geschlossen und hat am Kopfteil ein Verdeck gegen Sonne und Regen. Für die Innenausstattung des Kinderwagens sind eine Matratze, ein Kopfkissen und eine Zudecke nötig. Meist sind diese Kinderwagen sehr hoch, so dass man sich gut hineinbeugen kann. Sie haben große Räder und eine weiche Federung.

Kommt ein Kinderwagen für uns in Frage? Ein Paradewagen für die stilvolle Ausfahrt. Aber: Letztlich ist ein klassischer Kinderwagen dieser Art nur sinnvoll, wenn Sie ihn ausleihen können oder sehr günstig gebraucht bekommen. Und wenn Sie ihn nicht im Auto transportieren möchten. Sonst ist ein reiner Kinderwagen zu teuer und auch zu sperrig. Und nur für acht bis zehn Monate zu benutzen. Meist wird er heute durch Kombi-Modelle (siehe 3) ersetzt.

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2. Der Sportwagen

Das "Fahrzeug für Fortgeschrittene", das zum Einsatz kommt, wenn Kinder auch für eine längere Zeit selbständig sitzen können. Das Kind sitzt im Sportwagen (in oder gegen die Fahrtrichtung; bei manchen sogar wahlweise), die Füße sind durch eine verstellbare Fußraste unterstützt, die Unterschenkel durch eine Auflage entlastet. Die feste Lehne ist verstellbar, manchmal bis ganz zur Waagrechten. Die wichtigsten Zubehörteile bei diesem Kinderwagen sind: abnehmbares Sonnen-/Regenverdeck bzw. verstellbarer Sonnenschirm, Winter-Fußsack. Diese Wagenart ist durch die unter "Kombi-Kinderwagen" (siehe 3) genannten Modelle, teils auch durch Buggys, abgelöst worden.

Kommt ein sportlicher Kinderwagen für uns in Frage? Sportliche Kinderwagen sind für Kinder geeignet, die selbstständig längere Zeit sitzen können, also ungefähr acht Monate alt sind.

Tipp: Sie sparen Geld, wenn Sie eine Kombination aus Kinderwagen und Sportwagen kaufen.

3. Der Kombi-Kinderwagen

Der "Alleskönner" unter den Kinderwagen. Entweder lässt sich der Kinderwagen-Aufsatz mit wenigen Handgriffen vom Fahrgestell entfernen und durch einen Sportwagenaufsatz auswechseln. Oder ein Sportwagen bildet die Grundkonstruktion für den Kombi-Kinderwagen. Und zur Benutzung als Kinderwagen werden das Fußteil in die Waagrechte hoch- und das Kopfteil genauso weit heruntergeklappt. Auf diese Fläche wird dann meist noch eine Baby-Tragetasche als Innenteil gestellt. Das Fahrgestell des Kombi-Kinderwagens ist klappbar.

Kommt der Kombi-Kinderwagen für uns in Frage? Modell mit auswechselbarem Oberteil: Bündelt die Vorteile von Sport- und Kinderwagen. Zweite Version: Nur hochgeklappte Fuß- und Kopfteile sind zu wenig für einen guten Kinderwagen (vor allem im Winter), da Ihr Kind nicht bequem genug liegt und unter Umständen friert. Eine Tragetasche zum Einsetzen gleicht diese Nachteile aus, verkleinert aber den Innenraum des Wagens, was bei großen Babys problematisch sein kann.

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4. Der Buggy

Das "Stadtauto" unter den Kinderwagen ist ideal für kurze Strecken, klein und schmal zusammenfaltbar und leicht zu tragen. Buggys haben deshalb keine durchgehenden Achsen, sondern in der Regel Doppelräder.

Kommt ein Buggy für uns in Frage? Ein Buggy ist ein Zusatzwagen. Er kann einen Sportwagen nicht ersetzen. Denn er ist nur für kurze Strecken geeignet. Sitzt ein Kind länger im Buggy, wird es sich unbehaglich fühlen, weil sein Rücken nicht die nötige Unterstützung findet und weil eine vernünftige Federung fehlt. Bei einem guten Buggy sollte man auch die Rückenlehne annähernd waagrecht stellen können, damit das Kind liegend schlafen kann. Im Winter wird es Kindern im Buggy an Rücken und Po schnell zu kalt. Bei Schnee sind die kleinen Doppelräder überdies schlecht zu manövrieren. Große Eltern sollten außerdem darauf achten, dass die Schubstangen lang genug sind, damit sie keine Rückenschmerzen bekommen.

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5. Der Jogger (das Trike)

Der "Sportliche", schnell und teuer. Das meist dreirädrige Gefährt ist relativ hochbeinig, hat große Räder und ist für hohe Geschwindigkeiten, auch bei schlechtem Gelände, ausgelegt. Meist mit Sportwagen-Sitz; es gibt aber auch Kinderwagen-Aufsätze.

Kommt ein Jogger für uns in Frage? Für Eltern, die auch beim Kinderwagen-Schieben laufen oder Inline-Skaten wollen. Durch seine hohen Räder, seine Dreirad-Anordnung und durch eine zusätzliche Bremse ist er bestens für hohe Geschwindigkeiten geeignet, sogar im Gelände, allerdings nur, wenn er dafür ausgerüstet ist (den Händler fragen). Problematisch: Mit einem Jogger kommen Sie kaum in eine volle U- oder S-Bahn, auch das Einsteigen in Busse ist mühsam. Selbst zusammengefaltet braucht der Jogger viel Platz, (am besten, Sie haben einen Kombi).

6. Mischformen

Weitere Mischformen bewegen sich zwischen Sportwagen und Buggy oder bieten die Möglichkeit, einen Kinder-Autositz auf dem Fahrgestell zu installieren.

Kommt das für uns in Frage? Für den "Autositz auf Rädern" gilt Ähnliches wie für den Buggy - das ist nur eine Lösung für kurze Strecken. Denn erstens sitzt das Kind nicht besonders bequem und sollte dies in den Reboard-Schalen auch nicht lange tun. Und zum zweiten sollte man gerade Pausen beim Autofahren dazu nutzen, das Kind aus diesem "Gefängnis" zu befreien. Das Fahrgestell zum Autositz ist hauptsächlich dazu gedacht, es den Eltern beim Ein- und Aussteigen aus dem Auto leichter zu machen, indem sie das Kind wirbelsäulen-schonend transportieren können.

Darauf sollten Sie beim Kinderwagen-Kauf achten

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Darauf sollten Sie beim Kinderwagen-Kauf achten

Sicherheitsstandards für Kinderwagen

Achten Sie unbedingt darauf, dass der gewählte Kinderwagen ein GS-Zeichen trägt. Dann hat ihn der Hersteller nämlich freiwillig einer Prüfung unabhängiger Fachleute (z. B. TÜV oder Landesgewerbeanstalt) unterzogen. Diese testen nicht nur, ob die Bremsen (müssen mindestens auf zwei Räder wirken!) auch nach Dauergebrauch halten, ob Kinder sich nicht an Kanten oder offenen Rohrstellen verletzen oder sich an den Gelenken einquetschen können.

Es wird auch geprüft, ob der Wagen bei Holperstrecken nicht zusammenklappt; ob alles speichel- und schweißecht ist und nichts leicht entflammbar.

Kinderwagen-Praxistest

"Auf jeden Fall sollten Sie als Käufer den Wagen im Laden herumschieben und sehen, ob der Schieber lang genug für Sie ist", sagt Michael Heufelder, der Prüfexperte für Kindersicherheit beim TÜV-Produktservice in München. "Und probieren Sie das Zusammen- und Auseinanderklappen unbedingt selbst." Abgefahrene Räder sollten sich leicht ersetzen lassen (sonst wirkt die Bremse nicht mehr!), der Wagen sollte außerdem gut gefedert sein.

Passt der Kinderwagen ins Auto?

Tipp: Fahren Sie mit dem Auto zum Kinderwagenkaufen. Denn bevor sie kaufen, sollten Sie unbedingt testen, ob der Kinderwagen auch in den Kofferraum passt.

Kinderwagen-Ausstattung

Die Matratze, auf der das Kind liegt, sollten nicht so weich sein, dass es einsinkt und dadurch die Atmung behindert wird. Und alle Wagen sollten möglichst hoch sein, um das Kind aus der Zone der schweren Abgase herauszuhalten.

Wenn der Wagen bequem ist, fühlt sich das Kind wohl. Diese Bequemlichkeit hängt nicht unwesentlich von der Federung ab. Große Räder, am besten luftbereift, halten Erschütterungen vor allem auf unebenen Wegen vom Kind fern - aber auch die Schiebenden überwinden mit ihnen Hindernisse leichter.

Kinderwagen-Zubehör

Nützliches Zubehör zu Kinderwagen sind vor allem Regencapes. Wichtig sind auch Winter-Fußsäcke für Sportwagen. Wer auch ältere Kinder hat, sollte die anhängbaren Trittbretter ausprobieren, auf denen das müde gewordene größere Kind stehend mitfahren kann. Experten-Tipps

Für den Gebrauch des neuen Fahrzeugs hat Michael Heufelder folgende Sicherheitstipps: "Hängen Sie nie etwas an den Schieber - Kippgefahr! Sie sollten den Wagen auch nicht mit Einkäufen überladen." Und sein Rat in punkto Qualität: "Achten Sie auf eine lange Garantiezeit."

Weniger Bedenken als erwartet äußert der Orthopäde. Dr. Wolfgang Remus, in seinem Fach Spezialist für Kinder und Babys: "Man kann nicht sagen, dass ein falscher Kinderwagen gleich irreparable Schäden bei Babys hervorruft. Denn wenn sich ein Kind in einem Wagen oder Buggy nicht wohl fühlt, tut es das Gleiche wie ein Erwachsener: Es sucht sich eine andere Liege- oder Sitzposition.

Mit dem Wagen unterwegs

  • Scheuen Sie sich nicht, beim Ein- und Aussteigen mit dem Kinderwagen Mitfahrende um Hilfe zu bitten.
  • Schauen Sie sich häufige Wege auf ihre Kinderwagen-Tauglichkeit an: Wo gibt es sichere Straßenübergänge, Unterführungen ohne Treppen, praktische Aufzüge usw.? Rolltreppen sind dabei kein Hindernis: Abwärts fahren Sie mit den Hinterrädern genau auf eine Stufe und drücken dann den Schieber so weit nach unten, dass der Wagen waagerecht bleibt.
  • Aufwärts bugsieren Sie die Vorderräder auf die Stufe und heben den Wagen am Schieber zur Waagrechten an.

Ein Nadelöhr im Alltagsgebrauch müssen Sie schon beim Kauf bedenken: den Einstieg in Busse und Bahnen. Hier gelten die Normmaße (DIN 75077), nach denen Einzeltüren mindestens 900 mm lichte Weite bieten müssen, Doppeltüren sogar 1250 mm. Das gilt für alle Bahnen und Linienbusse. Oft werden aber - gerade auf dem Lande - Reisebusse eingesetzt, deren Türen enger sind. Tipp: Nehmen Sie bei der nächsten Fahrt ein Metermaß mit!

Tipps von ELTERN-Leserinnen

  • Wer nicht immer "Darf ich mal bitte durch?" rufen will, montiert eine Fahrradklingel an den Schieber.
  • Sind Sie groß? Gegen Rückenschmerzen helfen auf den Schieber geschraubte senkrechte Zusatzgriffe (für Rennräder).
  • Leuchtstreifen machen den Wagen auch bei Dunkelheit sichtbar.