Tragen
 
Flexibel sein - und Babys Rücken schonen

Ein Baby ist kein Grund, zum Stubenhocker zu werden. Also raus! Tragesitz, Tragetuch und Babyjogger sind praktische Begleiter für Eltern - aber sind sie auch gesund für Babys Rücken? Tipps von einer Orthopädin. Außerdem: Die wichigsten Bindetechniken Schritt für Schritt erklärt.

TRAGETUCH

Tragen: Flexibel sein - und Babys Rücken schonen

Frage an die Orthopädin: "Wie lange darf ein Kind im Tragetuch liegen? Kann das Tuch seinem Rücken schaden? Der Sohn einer Freundin schläft oft im Tuch.Wenn sie ihn herausholt, wirkt er oft so zusammengekauert und in der Wirbelsäule verdreht. Und die abschließende Frage: Kriege ich das mit dem Binden einigermaßen hin?"

Dr. Susanne Fröhlich: "Besser als im Tragetuch kann man ein Baby meiner Meinung nach gar nicht transportieren. Man kann das Kind sogar auf unterschiedliche Weise darin tragen: anfangs meist vor dem Bauch, ab etwa vier Monaten auch auf der Hüfte.
Zuerst zu Ihrer letzten Frage: Die Bindetechnik ist nicht ganz ohne, aber lernbar. Die Hersteller - etwa Didymos - liefern ziemlich gute Anleitungen, es gibt auch Trageberaterinnen, die in Kursen zeigen, wie gebunden wird. Empfehlenswert ist vor allem die 'Wickelkreuztrage', bei der das Baby in der 'Spreiz-Anhockstellung' sitzt: Dabei ist das Tuch zwischen den Beinchen des Kindes breit gewickelt, die Hüftgelenke sind nach vorn orientiert. So werden Hüftschäden vermieden.
Zu Ihren anderen beiden Fragen: Tragetücher schaden dem kleinen Rücken nicht. Die Wirbelsäule eines Babys hat bis etwa zum sechsten Lebensmonat noch nicht die charakteristische S-Form wie die des Erwachsenen. Deshalb sacken Babys erst einmal in sich zusammen, sobald die Stabilisierung, beispielsweise durch das Tuch, wegfällt.
Das Tuch über mehrere Stunden zu verwenden - davon rate ich Eltern ab. Nicht weil der Rücken leiden könnte, sondern weil Säuglinge häufig wechselnde Positionen brauchen. Schon von täglich einer halben Stunde, die Babys am Körper getragen werden, profitieren sie sehr."

So binden Sie eine Kreuzbauchtrage

TRAGESITZ

Frage an die Orthopädin: "Kann der Babyrücken meiner vier Monate alten Tochter im Tragesitz überstreckt werden? Und: Manche Sitze haben einen sehr breiten Sitzsteg - engt das die Beinchen des Kindes nicht ein?"

Dr. Susanne Fröhlich, Fachärztin für Orthopädie an der Orthopädischen Klinik und Poliklinik der Universität Rostock: "Fürs gelegentliche Tragen bieten sich verschiedene Modelle an, zum Beispiel der 'Baby Björn Active'. Die Erschütterungen durch die Laufbewegungen des Trägers werden Ihrem Kindes nichts ausmachen, seine Motorik ist weit genug entwickelt. Jünger (als vier Monate) sollte ein Kind für einen Tragesitz aber nicht sein. Der Sitzsteg des 'Baby Björn' ist etwas schmaler als bei anderen Modellen und bietet eine moderate Abspreizung der Babybeine. Würden die Beinchen nur herunterhängen, könnte eine Hüftdysplasie - eine mangelhaft ausgeformte Hüftgelenkpfanne - begünstigt werden. Mein Tipp: Mit einer zusätzlichen Windel werden die Beinchen des Babys im Sitz noch etwas stärker gespreizt.
Wichtig: Der 'Baby Björn' muss nah und hoch am Körper sitzen. Dann kann er dem Rücken des Trägers und dem des Kindes nichts anhaben. Der Rücken Ihres vier Monate alten Babys kann nicht überstreckt werden."

BABYJOGGER

Frage an die Orthopädin: Für den Anhänger gibt es einen speziellen Babysitz, in dem läge mein Sohn (ein Jahr alt) aber nicht flach, sondern mit leicht angehobenem Oberkörper. Schadet das seinem Rücken? Und genügt die Federung? Der Kleine sitzt noch nicht selbständig."

Dr. Susanne Fröhlich: "Für Sie dürfte sich ein Kombi-Gefährt wirklich lohnen. Hochwertige Fahrradanhänger sind zwar teuer, aber sicherer als Fahrradsitze. Bei Stürzen schützt die Fahrgastzelle. Der 'Chariot Cougar 1' hat eine spezielle Blattfederung, die kann man je nach Gewicht des Kindes einstellen. Stabilität und Pufferung sind in einem guten Anhänger nicht anders als bei einem Kinderwagen. Dass Ihr Sohn etwas gekrümmt liegt, ist unproblematisch: Er wird bald von selbst beginnen, sich aufzurichten. In die Schlafposition lässt sich der Babysitz zwar nicht bringen, doch bei moderatem Einsatz ist das kein Thema.

Im Hänger am Fahrrad zu sitzen, ist für ein einjähriges Kind okay, für Kinder unter einem halben Jahr empfehle ich es nicht. Jüngere Babys sind in ihrer motorischen Entwicklung und ihrem Koordinationsvermögen noch nicht weit genug, das Geruckel beim Fahren ist für sie zu hart. Die Reizüberflutung ist bei Kindern unter einem halben Jahr auch ein Problem: Sie haben noch kein vollständiges räumliches Sehen und kein Richtungshören, können also die Perspektive und die Reize, denen sie ausgesetzt sind, kaum verdauen. Wenn Eltern möchten, können sie die Fenster des Hängers mit Tüchern abdecken.“