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Beikostplan So führst du langsam und gesund die Beikost bei deinem Baby ein

Beikostplan: Eine Mutter füttert ihrem Baby einen Brei
© freemixer / iStock
Ihr habt gerade euren Rhythmus gefunden und schon kommt die nächste Veränderung auf euch zu: der Beikostplan. Wir zeigen euch, was einen gesunden Plan ausmacht und was beim Einführen der Beikost noch alles wichtig ist.

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Die ersten sechs Monate besteht die Babyernährung am besten aus Muttermilch. So weit, so klar. Natürlich kannst du auch angerührtes Milchpulver (Säuglingsnahrung) aus der Flasche füttern. Dann nimm am besten Pre-Milch. Beides (Muttermilch und Pre-Milch) versorgt dein Baby mit allen wichtigen Nährstoffen. Es spricht nichts dagegen, bis zum sechsten Monat voll zu stillen. Aber ab dann nehmen die Eisenreserven deines Kindes ab und können nicht allein über die Milch wieder aufgefüllt werden. Gleiches gilt übrigens auch für Vitamin B6, Zink, Phosphor, Magnesium und Kalzium. Deshalb kommt die Zeit, den Beikostplan einzuführen. 

Was bedeutet das konkret? Du stillst beziehungsweise gibst weiter Pre-Milch – nur ergänzt du den Ernährungsplan deines Kindes eben um neue Lebensmittel. Die Einführung von neuer Babynahrung zieht sich meist über mehrere Monate hin und jedes Kind ist in einem anderen Lebensmonat bereit dafür. Wie du erkennst, ob dein Kind bereit für Beikost ist? Auf Reifezeichen achten!

Was sind Reifezeichen und wie erkenne ich sie?

Grundsätzlich empfiehlt das Netzwerk "Gesund ins Leben" Beikost zwischen dem fünften und siebten Lebensmonat einzuführen. Aber auch hier gibt es schon mal kleinere Abweichungen. Es kommt schließlich auch immer auf die individuelle Entwicklung des Babys an. Die Motorik spielt hier beispielsweise eine zentrale Rolle.

Reifezeichen helfen euch aber dabei, besser einschätzen zu können, ob euer Kind bereit für erste Beikost ist. Auf folgende Anzeichen könnt ihr achten:

  • Euer Kind zeigt Interesse an eurem Essen und macht eventuell bereits Kaubewegungen, wenn es euch zusieht.
  • Euer Kind kann aufrecht sitzen (mit wenig Unterstützung) und den Kopf gut halten.
  • Der sogenannte Zungenstoßreflex (Essen wird direkt wieder mit der Zunge aus dem Mund geschoben) hat deutlich nachgelassen.

Beikostplan: So kann der erste Brei aussehen

Ernährungsexpert:innen empfehlen, zwischen dem fünften und siebten Monat als erstes einen Gemüse-Brei einzuführen. Nach einer Woche Gemüse kommen dann Kartoffeln dazu. Und wieder sieben Tage später wird daraus ein Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei.

Am besten führst du die erste Beikost am Mittag ein, denn dann sind die meisten Babys wach und gut gelaunt. Nach dem Ernährungsplan führst du jedes neue Lebensmittel nach und nach ein, damit der Darm sich langsam daran gewöhnt. Übrigens: Das muss nicht zwangsläufig so durchgezogen werden, sondern ist nur eine Möglichkeit, deinen Nachwuchs langsam und ohne Druck an neue Lebensmittel zu gewöhnen.

Nach unserem Beikostplan baut sich der Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei also über den Monat verteilt auf:

In der ersten Woche: Möhrenbrei
Feierlich wird das riesige Lätzchen umgebunden und dann eine kleine Löffelspitze mit Möhrenbrei in den Mund geschoben. Das Baby schaut verwirrt, schluckt – und macht dann den Mund nicht mehr auf. Lass dich nicht irritieren, wenn nach dem ersten Löffel schon Schluss ist. Gerade Eltern, die den Brei liebevoll selbst kochen, können schnell enttäuscht sein, wenn der Babybrei dann nicht so gut ankommt. Gib anfangs deinem Beikoststarter nur ein bis zwei Löffel Brei. Danach kann das Baby sich an der Brust oder mit dem Fläschchen satt trinken. Jeden Tag bekommt dein Baby dann einen Löffel mehr. Da Karotten einen süßlichen Geschmack haben, sind sie als erstes Gemüse großartig. Wer das nicht mag, kann auch auf Kürbis, Pastinake, Fenchel, Zucchini, Blumenkohl, Brokkoli oder Kohlrabi ausweichen.

In der zweiten Woche: Möhre-Kartoffel-Brei
Auch in der zweiten Woche schaffen es die meisten Babys nicht, ein ganzes Gläschen zu essen. Gib also noch weiter Milch nach dem Brei. Dadurch, dass du jede Woche ein neues Lebensmittel einführst, kannst du sehr schnell feststellen, wenn dein Baby etwas nicht verträgt. Lass es eine Weile weg. Du kannst es nach einigen Monaten ja nochmal probieren. Wenn der Möhre-Kartoffel-Brei gut vertragen wird, gibst du zusätzlich Fleisch in die Beikost.

Beikostplan: So führst du langsam und gesund die Beikost bei deinem Baby ein
© Gruner + Jahr

In der dritten Woche: Möhren-Kartoffel-Fleisch-Brei
Fleisch versorgt dein Baby mit Eisen. Wenn dein Kleines auch den Gemüse-Fleisch-Brei gern mag, kannst du ungefähr einmal pro Woche das Fleisch durch fettreichen und vor allem grätenfreien Seefisch ersetzen. Natürlich kannst du jetzt auch mal ein anderes Gemüse ausprobieren. Für den Fall, dass du dein Kind fleischlos ernähren möchtest, kannst du auch eisenreiches Getreide, wie zum Beispiel Hirse, untermischen. Das füllt den Eisenspeicher deines Babys auf.

Nach ungefähr drei Wochen isst dein Baby genug, dass es satt wird. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung empfiehlt dabei, die Gemüsemenge langsam auf 90 Gramm und ab dem siebten Monat dann auf 100 Gramm zu steigern. Sobald das Kind circa 200 Gramm isst, reicht die Kalorienmenge und du brauchst dann keine zusätzliche Milch mehr zu geben und kannst jetzt den zweiten Brei am Abend einführen.

Beikostplan: So führst du langsam und gesund die Beikost bei deinem Baby ein
© Gruner + Jahr

Der zweite Brei: Milch-Getreide-Brei

Der zweite Babybrei ist ein Milch-Getreide-Brei, dem etwas püriertes Obst zugegeben wird. Er wird meist ab dem siebten Monat als Abendmahlzeit gegeben, weil er gut sättigt. Im Obst ist Vitamin C enthalten, dadurch wird das Eisen aus den Getreideflocken besser aufgenommen. Achtung: Vollkornflocken sind besser, weil sie mehr Vitamine und Mineralstoffe enthalten. Vermeide aber Geschmacksrichtungen wie Schokolade, Vanille oder Banane, dort ist zu viel Zucker enthalten.

Der dritte Brei: Getreide-Obst-Brei

Der Getreide-Obst-Brei ist eine Zwischenmahlzeit, die nachmittags gegeben wird. Meistens ab dem achten Monat. Er ersetzt eine weitere Milchmahlzeit. Der Brei sollte wirklich milchfrei sein, da Milch die Eisenaufnahme aus der Nahrung verringert. Eisen ist wichtig für die gesunde Entwicklung deines Babys. Da dein Kind nun drei Breimahlzeiten erhält, braucht es auch zusätzlich etwas zu trinken, Wasser oder ungesüßten Tee.

Beikostplan: So führst du langsam und gesund die Beikost bei deinem Baby ein
© Gruner + Jahr

Und wie geht es jetzt weiter?

Sofern du ganz abstillen willst und die letzten Stillmahlzeiten auch wegfallen sollen, kannst du morgens Müsli mit Milch oder kleine Brotstücke mit Frischkäse anbieten.

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© Gruner + Jahr

Was ist mit Kuhmilch?

Um einer möglichen Allergie vorzubeugen, galt früher die Regel: keine Kuhmilch im ersten Lebensjahr! Von dieser strengen Vorschrift sind die Wissenschaftler:innen inzwischen abgerückt. Nach den neuesten Forschungen erklärt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) und das Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) Kuhmilch jetzt nur noch in den ersten sechs Monaten für tabu. Im zweiten Lebenshalbjahr dürfen Babys 200 Milligramm pro Tag bekommen – exakt die Menge, die der Vollmilch-Getreide-Brei enthält.
 
Pasteurisierte Vollmilch (3,5 Prozent Fett) ist für die Beikost am besten geeignet. H-Milch sollte nicht verwendet werden, weil beim Erhitzen viele Vitamine verloren gegangen sind.

Übergang zum Familienessen

Nach und nach kann das Essen stückiger und gröber werden. Abends kannst du ein Brot mit Frischkäse mit einem Becher Milch servieren. Aber auch Salatgurkenscheiben oder Tomatenstückchen ergänzen das Abendbrot und lassen sich leicht im Mund zerdrücken.
 
Wenn dein Kind bereits am Familienessen mittags teilnimmt, ersetzt du beispielsweise den Getreide-Obst-Brei durch zwei Zwischenmahlzeiten mit Obst, Brot oder Getreideflocken. Wichtig ist nur, dass du euer Mittagessen salzarm und mit nur wenig Gewürzen kochst. Am normalen Familienessen teilnehmen klappt oft schon ab dem zehnten Monat.

Was ist eine gesunde Zwischenmahlzeit?

Zwischenmahlzeiten sind kleine Snacks, die du deinem Kind zwischen den Hauptmahlzeiten (morgens, mittags, abends) anbietest. Idealerweise bestehen sie aus Obst und Getreide. Wenn noch nicht genug Zähnchen da sind beziehungsweise du das Gefühl hast, dein Kind kann grobe Lebensmittel noch nicht so gut schlucken, dann kannst du das Obst auch pürieren. Erdbeeren, weiche Birne oder Banane sind gesundes Fingerfood. Dazu freut sich dein Kind bestimmt über Vollkorn-Kekse oder Brotwürfelchen mit Butter.

Wie viel Beikost braucht mein Baby?

In der Stillzeit ging das nach Gefühl, auf dem Fläschchen gab es Striche – und jetzt? Wie viel Brei muss ich füttern, damit mein Baby satt ist? Wenn du um den sechsten Monat herum mit der Beikost beginnst, reichen zunächst ein paar Löffel. Mehr braucht das Baby bei den ersten Versuchen nicht zu schlucken – schließlich muss es sich erst an die neue Nahrung gewöhnen. Besonders beliebt ist Karottenbrei, weil die natürliche Süße an den Geschmack der Muttermilch erinnert. Anschließend erhält das Kleine wie gewohnt Milch, bis es satt ist.

Ob es die Beikost verträgt, kannst du übrigens an der Verdauung erkennen: Sowohl Durchfall als auch Verstopfung können Zeichen einer Unverträglichkeit sein. Auch Hautausschläge oder eine veränderte Atmung können auf eine allergische Reaktion hindeuten.

Brauchen Babys regelmäßig Fleisch?

Darüber gibt's selbst unter Expert:innen Streit. Fakt ist: Babys brauchen Eisen. Und das ist in Fleisch und Eiern in einer Form enthalten, dass Kinder es besonders gut verwerten können. Empfehlenswert: Mindestens drei Mal die Woche etwa 20 Gramm Fleisch in das Rezept zu mischen. Am meisten Eisen enthält übrigens Rind – aber auch Lamm, Schwein und Geflügel sind geeignet. Guter Trick: Einmal ein großes Stück Fleisch gut kochen, pürieren und im Eiswürfelbereiter einfrieren. Und dann beim Zubereiten jeder Breiportion einen Fleisch-Eiswürfel zugeben.
 
Wer kein Fleisch füttern will, muss auf jeden Fall darauf achten, dass das Baby trotzdem genug Eisen bekommt. Das klappt am besten, wenn man etwa zehn Gramm Hafer- oder Hirseflocken in einen Vitamin-C-reichen Gemüsebrei gibt. Besonders geeignet sind Brokkoli, Blumenkohl oder Fenchel. Oder in einen Getreidebrei drei Löffel Obstpüree (zum Beispiel Apfel oder Birne) mischen. Der Grund: Eisen aus Gemüse kann der Körper schlechter verwerten als aus Fleisch. Vitamin C hilft dem Körper, das Eisen besser aufzunehmen.

Stimmt es, dass fertige Beikost zu wenig Fett enthält?

Nein, fertige Beikost enthält bereits den benötigten Fettanteil. Bitte kein Öl und keine Butter dazurühren. Ein deutlich höherer Fettgehalt der Produkte ist im Übrigen mit den geltenden gesetzlichen Vorschriften zur Zusammensetzung von Babykost nicht vereinbar. In unseren Rezepten ist die jeweilige Fettmenge angegeben.

Hilft mehr Beikost beim Durchschlafen?

Wer schön satt ist, schläft besser. Wer aber zu viel im Bauch hat, schläft unruhiger, weil Magen und Darm schwer und lange arbeiten müssen. Ein XXL-Brei ist deshalb keine Durchschlafgarantie. Im ersten halben Jahr sind zusätzliche Breiportionen ohnehin nicht empfehlenswert. Aber auch bei älteren Babys liegt es oft nicht am Hunger, wenn sie sich nachts melden – sondern daran, dass sie nach normalen nächtlichen Wachphasen nicht allein in den Schlaf zurückfinden.

Warum gibt es "Baby-Menüs" und "Junior-Menüs" zu kaufen?

Fertigen Brei kann man als so genannte "Baby-Menüs" oder "Junior-Menüs" kaufen. Unter einem "Baby-Menü" versteht man dabei eine Portionsgröße von 190 Gramm. Da sie feinpüriert sind und statt Kartoffeln häufig Reis oder Nudeln enthalten, sind Babymenüs ab dem fünften Monat geeignet. "Junior-Menüs" gibt es dagegen in einer Portionsgröße von 250 Gramm, außerdem haben sie eine gröbere Konsistenz. Sie können ab dem achten Monat angeboten werden.

Was tue ich, wenn mein Kind nur wenig Beikost isst?

Die häufigste Sorge junger Eltern: Mein Kind isst zu wenig. Und sie versuchen sogar, die Kleinen zum Essen zu zwingen. Mit fatalen Folgen: Psycholog:innen gehen davon aus, dass so die Grundlage für Essstörungen im Jugendlichen- und Erwachsenenalter gelegt werden. Deshalb: kein Erpressen beim Essen! Ihr als Eltern entscheidet auf Grundlage eurer Kenntnisse über gesunde und kindgerechte Ernährung, was es zu essen gibt und wann ihr es eurem Kind anbietet. Euer Kind – auch schon im Babyalter – entscheidet, ob und wie viel es davon probieren will. In unserem Artikel zum Baby led weaning erfährst du mehr über eine spezielle Methode dazu.

Übrigens: Auch der Rat, einem hungrigen Baby die vertraute Brust vorzuenthalten und es vor die Wahl "Brei oder nichts" zu stellen, ist ein solch ungünstiges Druckmittel. Und die Wahrscheinlichkeit ist sehr gering, dass ein Baby so Freude an den neuen Lebensmitteln entwickelt.

Darf ich noch weiter stillen, wenn ich meinem Kind bereits Beikost gebe?

Natürlich! Solange ihr beide es möchtet, still dein Baby auf jeden Fall weiter.

Quellen:

ELTERN

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