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Beikostreifezeichen 6 Zeichen, dass dein Baby fit für den ersten Brei ist

Beikostreifezeichen: Vater füttert Baby
© Master1305 / Shutterstock
Ab etwa fünf Monaten steht die erste Breimahlzeit auf dem Ernährungsplan. Aber wann ist ein Baby wirklich reif für die erste Beikost? Die sechs Beikostreifezeichen verraten es.

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Wann ein Baby reif für seine erste Beikostmahlzeit ist, zeigen euch die sogenannten Beikostreifezeichen. Klingt kompliziert? Ist es eigentlich nicht. Es gibt sechs motorische und kognitive Fähigkeiten, die ein Kind braucht, um mit breiiger und fester Nahrung umgehen zu können. Aufrecht sitzen können gehört zum Beispiel dazu. Wir sagen euch, welche Beikostfreifezeichen es noch gibt und warum sie für die Einführung der ersten Beikost so wichtig sind.

Wann zeigen sich die ersten Beikostreifezeichen?

Viele Babys zeigen mit etwa sechs Monaten, dass sie reif für die Beikost sind. Die sechs wichtigsten Beikostreifezeichen sind verschiedene motorische und kognitive Fähigkeiten. Sie zeigen sich nicht alle gleichzeitig und auch nicht bei jedem Baby im gleichen Monat. Denn ihr wisst ja, in der Babyentwicklung gilt: Jedes Kind hat sein eigenes Tempo. Die einen schnappen sich schon mit fünf Monaten das Gemüse vom Teller des großen Bruders, die anderen zeigen selbst mit zehn Monaten noch wenig Interesse an fester Nahrung. 

Wichtig ist, dass ihr auf die sechs Beikostreifezeichen achtet. Erst dann ist euer Kind bereit, die neue Nahrung aufzunehmen und gefahrlos zu schlucken. Sind alle Reifezeichen da, könnt ihr mit dem Zufüttern anfangen und die reine Milchmahlzeit mit Brei oder anderen weichen Lebensmitteln (z.B. nach dem Baby-led weaning-Konzept (BLW)) ergänzen. 

Tipp: Ganz gleich, ob ihr mit Brei startet oder euer Kleines nach der "BLW"- Methode selbst zugreifen lasst: Macht euch auf eine große Sauerei gefasst. Also: Plastikfolie auf dem Teppich? Lätzchen und Wischlappen bereit? Na dann, guten Appetit!

1. Beikostreifezeichen: Kann aufrecht sitzen

Erst wenn euer Kleines aufrecht sitzen kann, wird es sich beim Essen der ersten nicht-flüssigen Nahrung nicht so schnell verschlucken. Mit diesem Reifezeichen ist nicht gemeint, dass sich euer Baby schon alleine hinsetzen kann. Es geht darum, dass es sich mit etwas Unterstützung aufrecht auf eurem Schoß oder in einem Kinderstuhl halten kann. Sackt es sofort wieder zusammen oder kippt hin und her, ist euer Kind noch nicht reif für die erste Beikost. 

Übrigens: Kinder, die schon mit etwas Hilfe sitzen können, können sich auch schon vom Bauch auf den Rücken drehen. Denn genau dadurch trainieren sie ihren Oberkörper. 

2. Beikostreifezeichen: Kann den Kopf selbstständig halten

Ein beikostreifes Baby kann bereits den Kopf allein aufrecht halten. Zusammen mit der Rumpfkontrolle sorgt diese motorische Fähigkeit dafür, dass euer Kind sich beim Essen nicht so schnell verschluckt.

3. Beikostreifezeichen: Zeigt keinen Zungenreflex mehr

Befördert euer Baby sein Essen immer wieder mit der Zunge nach draußen, ist dieses Reifezeichen noch nicht genug ausgeprägt. Für Beikost ist es dann noch zu früh. Der angeborene Zungenstreckreflex (auch Zungenstoßreflex) sorgt dafür, dass ein Baby mit der Zunge Dinge aus seinem Mund wieder hinausdrücken kann, um nicht zu ersticken. Ein toller Schutzmechanismus der Natur für die ersten Lebensmonate, der aber beim Essen stört. Erst wenn der Reflex nur noch schwach ausgeprägt ist, kann euer Kind problemlos Brei oder andere Beikost zu sich nehmen. Denn nun kann es die Zunge gezielt seitwärts bewegen und ist in der Lage, weiche Nahrung am Gaumen zu zerdrücken und problemlos zu schlucken.

4. Beikostreifezeichen: Macht eindeutige Kaubewegungen

Mit der zunehmenden seitlichen Zungenbeweglichkeit beginnt euer Baby auch, Kau- und Mahlbewegungen auszuprobieren. Das Probekauen gilt ebenfalls als Beikostreifezeichen. Wenn ihr eurem Kind gedämpftes oder schonend gekochtes Gemüse als Beikost anbietet, kann es die Lebensmittel auch mit Zahnleiste, Zunge und Gaumen zerdrücken. Zähne sind dazu gar nicht notwendig. Das Reifezeichen "Kaubewegungen" ist besonders für Eltern wichtig, die auf Brei verzichten wollen und ihr Kind nach der BLW-Methode (das Kind isst alleine mit Hand oder Fingern und entwöhnt sich damit quasi selbständig von der Muttermilch) an die erste Beikost heranführen wollen.

5. Beikostreifezeichen: Interessiert sich fürs Essen

Wenn euer Baby bei euren Familienmahlzeiten dabei ist, werdet ihr ganz sicher mitbekommen, wann sich dieses Reifezeichen offenbart. Nachdem euer Baby euch zunächst interessiert beim Essen beobachtethat, wird es irgendwann danach greifen. Sein Antrieb ist dabei zunächst nur Neugierde, denn dass dieses andere Essen auch seinen Hunger stillen kann, weiß es noch nicht. Wenn ihr denkt, dass auch die anderen Reifezeichen vorliegen, könnt ihr eurem Kind nun seine erste feste Nahrung anbieten. 

6. Beikostreifezeichen: Kann Nahrung greifen und zum Mund führen

Das letzte wichtige Beikostreifezeichen ist die Koordination zwischen Auge, Hand und Mund. Wenn euer Baby schon gut greifen kann und einen Gegenstand gezielt Richtung Mund bewegt, ist das ein weiterer Hinweis dafür, dass ihr mit der Beikost loslegen könnt. Der Pinzettengriff ist dafür im Übrigen noch nicht notwendig. Es reicht vollkommen, wenn das Kind das Essen mit der ganzen Hand greift (palmarer Griff) und in den Mund steckt.

Das selbständige (nicht-gefütterte) Essen trainiert zwar täglich die Feinmotorik eures Babys und es bekommt die Chance, die unterschiedlichen Formen, Texturen und Temperaturen von Lebensmitteln zu spüren. Ob euer Baby auf diesem Weg aber alle notwendigen Nährstoffe erhält, ist wissenschaftlich noch nicht ausreichend erforscht. Die Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder und Jugendmedizin empfiehlt daher, das traditionelle Breifüttern mit Fingerfood zu kombinieren: "Beikost als Fingerfood und die traditionelle Breifütterung schließen einander nicht aus: So können sich die Sicherheit des ‚Ernährungsplans‘ und Möglichkeiten einer sensorisch vielfältigen Lebensmittelauswahl des BLW ergänzen."

Wann kann ich mit der Beikost starten?

Das empfohlene Zeitfenster für die Einführung von Beikostmahlzeiten liegt üblicherweise zwischen 5 und 7 Monaten. Die Weltgesundheits-Organisation (WHO) kommt in einer Metastudie zu dem Ergebnis, dass es für ein Baby das Beste ist, sechs Monate voll gestillt zu werden, bevor Beikost eingeführt wird.

Das Wissen um Beikostreifezeichen hilft euch aber zusätzlich, genauer auf euer Kind als Individuum zu schauen. Es wird euch durch sein Verhalten zeigen, wann es beikostreif ist. Wenn das Baby den Brei zum Beispiel mit der Zunge wieder nach draußen befördert, denken viele Eltern, dass es das Essen vielleicht nicht mag oder satt ist. Nun wisst ihr, dass es wahrscheinlicher ist, dass sein Zungenstoßreflex noch nicht ganz verschwunden ist und ihr mit der Beikost besser noch etwas wartet.

Habt ihr auch im 7. Monat noch das Gefühl, dass euer Kind nicht alle Beikostfreifezeichen zeigt, sprecht ihr am besten mit eurem Kinderarzt/ eurer Kinderärztin oder eurer Hebamme. Ihre Einschätzung wird euch die Sicherheit geben, nichts zu verpassen. Auch bei einer Einführung vor dem 5. Lebensmonat ist es besser, vorher fachlichen Rat einzuholen. 

Was passiert mit der Milchmahlzeit nach der Beikostreife?

Auch nach der Einführung der ersten Beikostmahlzeiten bleibt die Muttermilch (oder die Pre-Nahrung) die Hauptnahrungsquelle für euer Baby. Daher ist es auch sinnvoll, neue Beikost nicht einzuführen, wenn das Kind hungrig ist. Denn dann siegt der Hunger über die Neugier und die neue Mahlzeit wird vermutlich nicht beachtet. Ziemlich satt und entspannt: Das ist die beste Voraussetzung für die Einführung von neuen Lebensmitteln oder Breisorten.

No Gos bei einer Beikost-Mahlzeit

Alle Beikostreifezeichen sind da und ihr wollt loslegen? Noch ein Moment! Macht euch klar, dass ihr nun aufmerksamer sein müsst als beim Stillen oder dem Füttern mit dem Fläschchen. Sowohl an Brei als auch an größeren Happen kann sich ein Baby schnell verschlucken. Deshalb ist es ja so wichtig, dass es sich schon aufrecht halten kann. Füttert euer Kind also nicht im Liegen. Am besten sitzt es auf eurem Schoß oder in einem Kinderstuhl. Allein lassen solltet ihr es beim Essen nicht.

Quellen

Hilbig, Annett et al. (2014): Beikost in Form von Breimahlzeiten oder Fingerfood, in: Monatsschrift Kinderheilkunde, 162: 616-622.

Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin et al. (2014): Ernährung gesunder Säuglinge. Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, in: Monatsschrift Kinderheilkunde, 162: 527-538.

Fangupo, Louise J. et al. (2016): A Baby-Led Approach to Eating Solids and Risk of Choking, in: Pediatrics, Oct;138(4) :e20160772

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