VG-Wort Pixel

Essanfänger 6 Ernährungstipps für Babys, die ich gerne früher gekannt hätte

Experten empfehlen Essanfänger: ein Baby im gelben Body sitzt in einem Hochstuhl und isst orangenen Brei
© Pixel-Shot / Adobe Stock
Erst der Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei, dann der Milch-Getreide-Brei, später der Obst-Getreide-Brei, ein bisschen Fingerfood dazu und dann Schritt für Schritt die kindgerechte Familienkost: Hört sich nicht übermäßig kompliziert an, birgt aber jede Menge Verunsicherungspotenzial. Ich verrate euch sechs Erkenntnisse rund um die Einsteigerkost, die ich gerne früher gehabt hätte.

Ich war gut vorbereitet, als mit der Beikostreife meines Babys der Startschuss zum Essen fiel. Ernährung war mir recht wichtig und wurde mit der Verantwortung für ein neues Leben noch wichtiger. Ausgestattet mit Kürbis, Getreideflocken und dem unbändigen Willen, alles richtig zu machen, begann das Abenteuer Essen, das wohl für alle Eltern einige ganz individuelle Herausforderungen mit sich bringt. Wer hätte gedacht, dass ich im Winter auf dem Balkon lärmend Möhren pürieren würde, weil das Baby Angst vor dem Geräusch des Pürierstabs hat? Genauso wenig hätte ich vermutet, dass ich so schnell den Überblick verlieren würde, was nun wirklich gesund ist und was nicht, was ab und zu durchaus sein darf und was nicht. Und wie viel überhaupt? Und ab wann? Und wie kommt es überhaupt rein ins Kind, das Gute? Als ich in meiner zweiten Schwangerschaft bei OTL eine Ausbildung zur Ernährungsberaterin gemacht habe, wurde mir schnell klar, dass ich gleich noch die Spezifizierung "Ernährungsberaterin für Babys und Kleinkinder" ergänzen würde. Ich hatte zwar schon jede Menge Erfahrung im Radieschen-Maus-Schnitzen und Möhre-in-Pfannkuchen-Verstecken, aber die reinen Ernährungsfakten reizten mich – beruflich und auch als Elternteil. Zum Glückt gibt es die Ausbildungsinhalte nicht nur als reinen Lesestoff, sondern auch zahlreiche Lehrvideos, mit denen ich mir beim Kinderwagenspaziergang die Zeit vertreiben konnte. Die Lektionen führten mich von der Milchnahrung bis zum Familientisch und ich tauschte noch gerade rechtzeitig zum Beikoststart mehr und mehr gefühlte Wahrheiten gegen klare Orientierungspunkte ein. Kind Nummer zwei profitiert nun von weniger starren Glaubenssätzen und von mehr Klarheit rund ums kindgerechte Essen. Wusstet ihr zum Beispiel, dass ...

Über den Tellerrand schauen

Eigentlich logisch, wären da nicht die starren Ess-Routinen, die sich so manch Erwachsener angewöhnt hat: Dein Kind mag vielleicht Sachen, die du selbst nicht magst. Eventuell sind das sogar Lebensmittel, von denen du bisher dachtest, dass kein Kind der Welt sie isst – wie Harzer Käse oder Rosenkohl. Bei mir steht zum Beispiel Fisch ziemlich weit unten auf der Lecker-Liste, beim Kind hingegen war es Liebe auf den ersten Bissen. Natürlich müssen die Lebensmittel in eure persönliche Familienküche passen. Es nutzt ja nichts, wenn du täglich zwei unterschiedliche Gerichte kochen musst oder dir bei der Zubereitung schlecht wird. Aber einfach mal über den Tellerrand zu schauen und sich zusammen durch neue Lebensmittel zu testen, das ist definitiv ein Gewinn für Groß und Klein.

Neu? Nein, danke.

Dass Kinder unbekannten Speisen gegenüber oft eher skeptisch sind, ist nichts Neues. Wie lange du am Ball bleiben solltest, bis wirklich feststeht, ob Brokkoli bäh ist, vielleicht schon. Etwa zehn Versuche sind meistens nötig, bis ein Kind einen neuen Geschmack akzeptiert und die Neophobie (ja, so heißt das wirklich) überwindet!

Auf Nummer sicher

Und wie animiere ich das Kind, überhaupt Neues zu probieren? Am besten funktioniert das natürlich, wenn ihr selbst gerne bei Brokkoli und Co zugreift und eure Kleinen das neue Lebensmittel mit allen Sinnen entdecken dürfen. Eine bewehrte Methode ist es außerdem, Neues immer mit Altbekanntem zu kombinieren, damit das Kind sicher satt wird und sich von der unbekannten Speise als einzige Option nicht überfordert fühlt. Zusatztipp: Gefrorene Gemüsewaffeln oder Mini-Pfannkuchen sind blitzschnell aufgetaut, wenn das Aufgetischte mal gar nicht schmeckt.

Nudeln, Nudeln, Nudeln

Viele Kinder nehmen ihr Lieblingsgericht phasenweise sehr, sehr ernst. Leider ist das meistens nicht der gemischte Salat, sondern gerne morgens, mittags und abends Brot oder Nudeln ohne Soße. Nach einigen Tagen werden die meisten Eltern nervös und versuchen mit den wildesten Tricks endlich Abwechslung in den Speiseplan zu bringen. Jetzt erst mal tief durchatmen und einfach die sogenannte spezifisch sensorische Sättigung für euch arbeiten lassen. Experten raten nämlich dazu, die Phase des super-eintönigen Speiseplans einfach nicht zu unterbrechen. Mit der spezifisch sensorischen Sättigung sorgt der Körper nämlich ganz von allein dafür, dass selbst das liebste Lieblingsessen nach einem gewissen (bei kleinen Kindern durchaus ewig wirkendem) Zeitraum eintönig wird, bevor ein echter Nährstoffmangel eintritt.

Weniger ist mehr

Klar, selbstgekochter Brei ist super für kleine Essanfänger, weil er anders als Gläschenkost nicht immer genau gleich schmeckt und dank kleinster Stückchen das Kind schon mal auf festere Nahrung vorbereitet. Aber Gläschen sind nun mal sehr praktisch für unterwegs oder wenn Eltern sich gerade einfach mal für einen ruhigen Moment statt für den Pürierstab entscheiden. Aber: Mit steigender Altersempfehlung wird die Zutatenliste der Fertigkost länger und enthält nicht selten Überflüssiges. Greife deshalb am besten auf die Gläschen mit Aufschrift "ab 4 Monaten" zurück. Hier sind die Zutaten noch sehr begrenzt, oft ist es nur eine einzige. Sie lassen sich beliebig kombinieren.

Ich hab‘ da ein gutes Gefühl

Unterschätzt die Atmosphäre beim Essen nicht! Kennt ihr das, wenn auf dem Weg in den Urlaub sofort die Dose mit Knabbereien aufgehen muss, sobald ihr im Auto sitzt? Dass es im Schwimmbad immer Pommes sein müssen? Und zum Geburtstag natürlich Kuchen und Süßkram? Und wie schön und besonders das dazugehörige Gefühl ist? Emotionen beeinflussen unser Essverhalten mehr, als wir oft glauben ­– von klein auf. Das heißt nicht, dass ihr euch das leckere Extra an tollen Tagen verkneifen sollt. Vielmehr könnt ihr euch den Effekt im Alltag mit euren Kindern zunutze machen. Die Kerze auf dem Tisch, das gemeinsame Essen bei guter Grundstimmung – all das macht einen Unterschied für die Beziehung zum Essen.

Quellen: OTL – Online Trainer Lizenz, Ausbildung "Ernährungsberater für Säuglinge und Kleinkinder2

ELTERN

Mehr zum Thema