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Frauenmilchbanken Initiative fordert mehr Milchbanken in Deutschland

Frauenmilchbanken: Initiative fordert mehr Milchbanken in Deutschland
© OndroM / Shutterstock
Muttermilch ist die gesündeste Nahrung für Babys, doch nicht immer klappt es auf Anhieb mit dem Stillen. Helfen kann in solchen Situationen die Muttermilch von Spenderinnen – vorausgesetzt, die Klinik betreibt eine Milchbank.

Vier Wochen zu früh machte sich der kleine Mann auf den Weg, die Welt zu erkunden – die Geburt war unkompliziert, dennoch musste er anschließend überwacht werden. Ihm fiel es schwer, die Temperatur zu halten und auch das Saugen an der Brust war nicht möglich: ihm fehlte dazu einfach noch die Kraft. Seiner Mutter ging es so weit gut, doch die Belastung durch den langen Krankenhausaufenthalt, die wenigen möglichen Besuche des Papas durch die Pandemie, das ständige Abpumpen und der Schlafmangel gingen an die Psyche – es kam nur wenig Milch.

Stillen ist das Beste für das Baby – doch nicht immer klappt es

Dies ist nur eine Situation von vielen, warum das Stillen nicht funktionieren kann – es gibt zahlreiche. Eine Milchbank hätte es dem kleinen Mann und seiner Mutter eventuell leichter gemacht, doch das Krankenhaus, in dem sie lagen, besitzt keine.

Deutschlandweit sind nach Angaben der Geschäftsführerin der Frauenmilchbank-Initiative, Anne Sunder-Plassmann, 34 Frauenmilchbanken bekannt. Denen stehen 200 Kliniken gegenüber, an denen Frühgeborene behandelt werden. Der Bedarf an Muttermilch-Spenden sei deutlich höher als das, was die bestehenden Frauenmilchbanken anbieten könnten. Das Ziel der Initiative ist es, dass alle Frühchen und kranke Neugeborene mit Muttermilch versorgt werden könnten. "Da sind wir noch weit von entfernt. Auch wenn der Trend in den vergangenen Wochen in die richtige Richtung geht", so Sunder-Plassmann zum "Redaktionsnetzwerk Deutschland".

Bundesweit sollen 15 weitere Kliniken Frauenmilchbanken bekommen

Das Projekt "Neo-MILK" der Universität Köln setzt sich ebenfalls für mehr Muttermilchbanken ein. "Bisher gibt es in Deutschland keinen einheitlichen Standard in Bezug auf die Gabe von Spenderinnenmilch", sagt Nadine Scholten, Leiterin des Projekts. Das mache es für die Kliniken schwerer, sich selbst Vorgaben erarbeiten zu müssen. Das öffentlich geförderte Projekt unterstützt die Krankenhäuser genau an diesem Punkt. Ein Lichtblick: Bundesweit sollen ab diesem Jahr 15 weitere Kliniken Frauenmilchbanken bekommen.

In der Uniklinik Essen gibt es bereits eine Frauenmilchbank. Dort lagert die helle Flüssigkeit in mehreren Kühl- und Gefrierschränken. Hier dürfen nur gesunde Mütter spenden, die ebenfalls in der Klinik liegen und einen Milchüberschuss haben, erklärt Silke Kruse-Hähnel, Fachkinderkrankenschwester an der Uniklinik. Nach dem Abpumpen wird die Milch erhitzt und auf mögliche Viren und Keime überprüft: "Man kann das mit Blutspenden vergleichen, aber mit strengeren Kriterien", sagt sie. In der Tiefkühltruhe halte sich die Milch bis zu sechs Monate.

Das Konzept der Muttermilchbanken gab es bereits in den 20er-Jahren

Die Babys erhalten die Milch dann über Magensonden. Am häufigsten wird sie bei Frühgeborenen benötigt. Doch auch Babys von kranken Müttern, die beispielsweise an HIV oder Krebs erkrankt sind, können von der gespendeten Milch profitieren.

Neu ist das Konzept der Muttermilchbanken nicht. Bereits 1920 gab es eine sogenannte Frauenmilchsammelstelle, um die damals hohe Säuglingssterblichkeit zu bekämpfen. Die letzten Sammelstellen schlossen in den 70er-Jahren in der Bundesrepublik. Industrielle Nahrung wurde zu diesem Zeitpunkt als besserer Ersatz angesehen. "Lange galt der Glaube, dass wir gespendete Muttermilch gar nicht brauchen", sagt Sunder-Plassmann. "Aber seit einigen Jahren gibt es ein klares Comeback von Milchbanken."

Verwendete Quelle: frauenmilchbank.de, neo-milk.uni-koeln.de, rnd.de

slr ELTERN

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