Was ist da los?
 
'Muttermilch' soll nicht länger 'Muttermilch' heißen

Auf ersten Geburtsstationen werden jetzt geschlechtsneutrale Begriffe für 'Mutter', 'Vater' und 'Muttermilch' eingeführt. Wie geht das – und was steckt dahinter?

Baby wird gestillt
Dmytro Vietrov / Shutterstock
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England geht in Sachen LGBT voran: Die Uni-Kliniken von Sussex und Brighton ermutigen ihre Angestellten, auf den Geburtsstationen ab sofort eine geschlechtsneutrale Sprache zu verwenden, um die Vielfalt ihrer Patient*innen zu würdigen. Damit sich auch transsexuelle Gebärende angesprochen und zugehörig fühlen, wurden sogar neue Begriffe kreiert.

Aus 'Muttermilch' wird 'Menschenmilch'

Ärzt*innen, Pflegepersonal und Hebammen sollen neben den herkömmlichen nun auch transfreundliche Begriffe verwenden: "Person" etwa statt "Frau", "Geburtselternteil" (birthing parent) statt "Mutter". Das Wort "Muttermilch" (breastmilk) kann durch "Menschenmilch" (human milk) oder "Milch des stillenden Elternteils" (milk from the feeding parent) ersetzt werden. "Elternteil" oder "Co-Elternteil" soll als Alternative für "Vater" dienen.

Das diskriminierungsfreie Wording hält auch in den Geburtsvorbereitungskursen und bei allen anderen Terminen Einzug, wo Eltern zusammenkommen. Falls klar ist, dass es sich bei den Anwesenden ausschließlich um CIS-Frauen und CIS-Männer handelt, könne man aber bei den herkömmlichen Begriffen bleiben, so die Empfehlung der Kliniken. Als CIS-Frauen und -Männer bezeichnet man Menschen, die sich mit dem Geschlecht identifizieren, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde.

Mit Sprache gegen Ausgrenzung

Wie die Zeitung "Metro" berichtet, hofft man, mit den Maßnahmen "schnell die historische Ausgrenzung von trans- und nichtbinären Menschen auf den Geburtsstationen" zu beenden. Brighton ist britische „Trans-Hauptstadt“ – entsprechend viele LGBT-Menschen bekommen hier Kinder: Transmänner etwa, die mit einem weiblichen Körper geboren worden sind und sich nicht operieren ließen. Umgekehrt können Frauen, die mit einem männlichen Körper zur Welt kamen, Kinder zeugen. Sie alle möchte man sprachlich inkludieren.

Obwohl die Kliniken ausdrücklich empfehlen, neben den geschlechtsneutralen Begriffen weiterhin die übliche Sprache für Frauen zu verwenden, um auch diese adäquat zu adressieren, ließ der Protest nicht lange auf sich warten: Die "Times" wetterte, dass die "Sprachpolizei" Frauen "ausradieren" wolle.

Dieser Artikel ist zuerst erschienen bei BRIGITTE.de.