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Alltag mit Baby Schlafmangel macht Heißhunger auf Süßes

Frau will leckere Cupcakes essen
© iStock - wundervisuals
Die Nacht war kurz, sehr kurz: Fünfmal aufgestanden, weil das Baby Hunger, Bauchweh, den Nuckel verloren hatte. Die Folge: Du schleichst durch den Tag wie ein Zombie. Und stillst Deinen Hunger vorzugsweise mit Schokolade, Keksen und Eis. Mangelnde Selbstdisziplin? Nein, körpereigenes Cannabis im Blut!

Wer auf Dauer zu wenig schläft, nimmt eher zu und steigert sein Diabetes-Risiko - davor warnen Forscher schon seit längerem. Schlafmangel legt nämlich Bereiche des Gehirns lahm, die für vernünftige Entscheidungen zuständig sind, etwa: Obstsalat statt Schokoriegel. Leider bleibt aber gleichzeitig das innere Belohnungssystem hellwach und schreit nach Schoko, Chips und Co.

14 Studenten als Freiwillige im Schlaflabor

Eine Gruppe von Wissenschaftlern um Erin Hanlon von der University of Chicago hat erforscht, wie genau dieser Heißhunger entsteht. Für ihre Studie baten die Forscher 14 Studenten als Freiwillige ins Schlaflabor, und zwar zweimal je vier Tage lang. Bei einem der Aufenthalte durften die Studenten pro Nacht 8,5 Stunden lang schlafen, beim zweiten dagegen nur 4,5 Stunden. Hungern mussten sie nicht: Alle Teilnehmer bekamen dreimal täglich eine richtige Mahlzeit, jeweils am vierten Tag durften sie sich zusätzlich Schokoriegel, andere Süßigkeiten, Chips und Knabberkram aussuchen.

Heißhunger schon zwei Stunden nach dem Essen

Das Ergebnis war eindeutig: Die Freiwilligen, die vier Nächte zu wenig geschlafen hatten, ließen sich viel eher von den Snacks verführen. Sie nahmen 50 Prozent mehr Kalorien zu sich wie im ausgeschlafenen Zustand und doppelt so viel Fett. Sie hatten sogar Heißhunger, wenn sie erst zwei Stunden zuvor eine volle Mahlzeit gegessen hatten.
Um herauszubekommen, was dabei im Stoffwechsel der Studenten vorging, hatten die Forscher während der Untersuchungszeit immer wieder Blutproben genommen.

Dabei beobachteten sie vor allem die Werte des Appetit-Hormons Ghrelin, des Sättigungs-Hormons Leptin und eines körpereigenen, haschischähnlichem Stoffes, genannt 2-AG. Und genau dieser letzte Wert war bei den Probanten mit Schlafmangel stark erhöht, besonders gegen Abend hin. Und: Dieser Stoff kann – wie Haschisch – Heißhunger und Fressorgien auslösen.

"Schatz, ich kann nichts dafür!"

Auch wenn die Forscher das nicht untersucht haben: Bei Eltern mit Baby dürfte der Effekt noch stärker ausgeprägt sein. Sie sind nicht nur chronisch übermüdet, sondern haben zudem auch meist nur eine Hand frei. Da ist ein Schokoriegel einfach viel leichter zu essen als ein gemischter Salat. Eine Lösung? Nicht in Sicht. Aber eine gute Entschuldigung: „Schatz, das bin nicht ich, die sich da gerade den dritten Cupcake reinstopft – das ist das Cannabis in meinem Blut!“

ELTERN

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