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Experteninterview Nachhaltigkeitsexpertin verrät: "Hinzuhören, was Eltern bewegt, ist für Pampers enorm wichtig!"

Dr. Katharina Marquardt, Direktorin Wissenschaftskommunikation Procter & Gamble Deutschland/Österreich/Schweiz
Dr. Katharina Marquardt, Direktorin Wissenschaftskommunikation Procter & Gamble Deutschland/Österreich/Schweiz
© Pampers
Was macht eigentlich eine Nachhaltigkeitsexpertin bei Pampers, und vor allem, wie wird Nachhaltigkeit dort gelebt? Zwei von vielen Fragen, die wir Dr. Katharina Marquardt, Direktorin Wissenschaftskommunikation bei P&G, gestellt haben und auf die wir spannende Antworten bekommen haben.

Liebe Katharina, magst du dich uns kurz vorstellen und erzählen, was genau du bei P&G machst?
Gern. Ich bin Katharina und leite bei P&G die Wissenschaftskommunikation. Was tut man als Wissenschaftskommunikatorin? Wir sind ein Unternehmen, dessen Produkte viele Menschen im Alltag nutzen. Im Durchschnitt kauft jeder Haushalt in Deutschland im Jahr 3,5 Marken von uns. In allen diesen Produkten steckt viel Forschung. Diese Hintergründe erkläre und erläutere ich, zum Beispiel auf Kongressen, in Interviews und auch im Dialog mit NGOs oder Umweltgruppen. Es gibt natürlich auch kritische Nachfragen zu unseren Produkten. Diese beantworten wir immer auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse. Als Biochemikerin habe ich einen relativ leichten Zugang zu wissenschaftlichen Hintergründen, die in die Entwicklung neuer Produkte fließen, zum Beispiel Ökobilanzen. Es geht dann darum, das der Öffentlichkeit anschaulich darzulegen. Es ist für uns als Unternehmen einfach unerlässlich, in einem konstruktiven Dialog mit der Gesellschaft zu stehen. An dieser Aufgabe wirke ich mit. 

Du bist eine absolute Expertin auf dem Gebiet. Aber noch mal für unsere Leser:innen zur Einordnung: Was genau bedeutet Nachhaltigkeit und was hat es mit Pampers zu tun?
Nachhaltigkeit bedeutet, unser Handeln an den Bedürfnissen zukünftiger Generationen auszurichten. Babys machen unsere Welt zu etwas Besonderem. Seit über 45 Jahren – also mittlerweile seit über 3 Generationen – entwickelt Pampers Windeln mit dem Ziel, Babys gut aufwachsen zu lassen und ihnen so eine gute Zukunft zu ermöglichen. Denn Windeln tragen wesentlich zum Wohlbefinden von Babys und Kleinkindern bei. Ein perfekter Sitz ist wichtig für die Entwicklung des kindlichen Bewegungsapparats, insbesondere der Hüfte. Trockenheit schützt die empfindliche Babyhaut und erlaubt das Durchschlafen, ebenfalls ein relevanter Faktor einer gesunden Entwicklung.  In den vergangenen Jahrzehnten haben wir zudem zahlreiche Anstrengungen unternommen, um den ökologischen Fußabdruck von Windeln immer weiter zu verbessern. Und wir bleiben nicht stehen: Das größte Pampers Forschungszentrum außerhalb der USA liegt in Schwalbach in der Nähe von Frankfurt. Hier besuchen uns jede Woche* mehr als 1.200 Eltern mit Babys zwischen 6 und 18 Monaten, um Windeln zu testen. So können wir unsere Pampers immer weiter verbessern.

Warum hast du dich für den Weg als Nachhaltigkeitsexpertin bei P&G entschieden?
Nachhaltigkeit funktioniert nur im Dialog. Mit der Gesellschaft und insbesondere mit Eltern im Dialog zu stehen, ist immer wieder spannend und produktiv. Eltern sind die besten Sachwalter der Zukunft ihrer Kinder, und hier immer genau hinzuhören, was Eltern bewegt, ist für eine Marke wie Pampers enorm wichtig. Für Pampers ist Nachhaltigkeit sozusagen „Kerngeschäft“. Unsere Firma gibt es schon seit über 180 Jahren, und wir möchten auch in 180 Jahren noch eine sinnvolle und verantwortliche Rolle in der Gesellschaft spielen. Das motiviert mich jeden Tag.

Ein wirklich spannender Beruf, den du ausübst. Mich, und ich denke, auch viele unserer Leser:innen, würde interessieren: Wie wird man Nachhaltigkeitsexpert:in?
Das war für mich ein Prozess. Ich bin in die Aufgabe hineingewachsen und habe mich mit dem Thema weiterentwickelt. Mein naturwissenschaftlicher Hintergrund hilt mir dabei genauso wie mein hohes Interesse an gesellschaftlichen Fragestellungen. Weißt du, in den 90ern konnte man Nachhaltigkeit noch nicht wirklich studieren. Das ist heute anders. Besonders als Aufbaustudium zu einem bereits absolvierten Grundstudium kann das sinnvoll sein. Denn das Thema wird immer breiter, und das ist gut so. Was mich besonders freut: Das Thema „Green Finance“ ist mittlerweile an den Universitäten prominent vertreten. Das sind überaus spannende Fragen und Zusammenhänge – wie können Finanzströme gelenkt werden, damit sie Nachhaltigkeit fördern, und wie kann man sich die Finanzinstrumente zunutze machen, um mehr Nachhaltigkeit zu erreichen. Wenn man sich in diesen Zusammenhängen gut auskennt, ist man derzeit sehr gefragt.  

Welches ist das derzeit größte Nachhaltigkeitsthema oder -ziel, das ihr aktuell vorantreibt?
Am liebsten würden wir Pampers herstellen, die so dünn sind wie eine Unterhose und so saugfähig wie eine Windel. Wieso das nachhaltig ist? Seit den 1990er-Jahren führen wir Ökobilanzen durch, und dabei kommt immer wieder heraus, dass der größte ökologische Fußabdruck, den Einwegwindeln verursachen, durch die Menge der eingesetzten Rohstoffe bestimmt wird. Wenn wir also immer bessere Materialien finden, von denen wir dann immer weniger einsetzen müssen, um den gleichen Effekt zu erzielen, ist das unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten das Beste, was man tun kann. Und das Allerbeste ist, dass damit auch das Windeltragen für Babys angenehmer wird und das Wickeln für Eltern ebenfalls. Daran arbeiten wir beständig.  

Was hat Pampers bereits in puncto Nachhaltigkeit erreicht? Gibt es Meilensteine, auf die ihr besonders stolz seid?
Über die vergangenen 30 Jahre haben wir das Gewicht einer Windel Schritt für Schritt halbiert. Allein in den zurückliegenden 5 Jahren betrug die Rohstoffeinsparung für die Windeltragezeit eines Babys 21 Kilogramm. Pampers ist heute die leichteste Windel im Markt und verursacht deshalb auch am wenigsten Müll. Bei ca. 2 Millionen Babys, die in Deutschland Windeln tragen, machen auch kleine Produktunterschiede in Summe dann ganz schön was aus. Natürlich achten wir bei den eingesetzten Materialien auch auf eine nachhaltige Beschaffung: Die verwendete Zellulose ist mit dem internationalen FSC-Siegel  zertifiziert und die Premium-Baumwolle stammt aus nachhaltigem Anbau. Wir verwenden in manchen Sorten auch bereits Bio-Polyethylen, also einen Kunststoff, der aus Pflanzenresten hergestellt wird (konkret: ein Nebenprodukt aus der Zuckerrohrverarbeitung). Wichtig für uns ist es, dass Eltern unseren Pampers-Produkten vertrauen können, ohne dabei für mehr Nachhaltigkeit auf Qualität verzichten zu müssen. Wir legen sehr viel Wert darauf, woher wir unsere Materialien beziehen, wie wir unseren Produktionsprozess optimieren und welche Verpackungen wir verwenden. Deshalb  verzichten wir zum Beispiel auf den Einsatz von Naturlatex und -kautschuk, auf Chlorgas beim Bleichen und auf kritische Konservierungsstoffe im Produkt. Auch deshalb sind unsere Pampers mittlerweile nach dem ÖkoTex-100 Standard für Schadstofffreiheit zertifziert. Und heute gelangt aus Pampers-Werken kein Abfall mehr auf Mülldeponien. 

Pampers ist eine internationale Marke. Beim Thema Nachhaltigkeit spielt für viele Verbraucher:innen Regionalität eine wichtige Rolle. Wie passt das zu Pampers?
Das Vertrauen von vielen Millionen Familien auf der Welt in Pampers motiviert uns stark. Pampers werden überall auf der Welt nach denselben hohen Qualitätsstandards produziert. Nun zum Thema Regionalität: Fast alle Pampers, die man hier in Deutschland im Laden kaufen kann, werden im Pampers-Werk in Euskirchen nahe Köln produziert. Entwickelt werden sie in unserem Forschungs- und Entwicklungszentrum in Schwalbach bei Frankfurt. 350 Pampers Expert:innen arbeiten hier jeden Tag daran, die Pampers Windeln kontinuierlich weiterzuentwickeln. 

Was denkst du, wo Pampers in 10 Jahren in puncto Nachhaltigkeit stehen wird?
Einerseits scheinen uns 10 Jahre noch weit weg zu sein, aber unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten steht 2030 quasi schon vor der Tür. Um unseren ökologischen Fußabdruck zu reduzieren, haben wir deshalb konkrete Ziele für 2030, und vor allem sind wir schon gut auf dem Weg:

  • Zusätzliche 30 % Einsparung beim Windelmaterial pro Baby pro Wickelzeit
  • Produktion weltweit mit 100 % Ökostrom bis 2030
  • Anstieg der nachhaltigen Rohmaterialien (z. B. pflanzenbasiert, Ökosiegel usw.) auf 50 % in all unseren Produkten bis 2030
  • Nachhaltige Beschaffung, Herstellung und Transport

Unternehmensweit  werden wir außerdem unsere Treibhausgasemissionen bis 2030 halbieren und signifikante Investitionen in natürliche Klimaschutzlösungen tätigen, wie den Schutz von Mangrovenwäldern oder die Wiederaufforstung kahlgeschlagener Flächen.  

Wie integrierst du ganz persönlich Nachhaltigkeit in deinen Alltag?
Mein Alltag als berufstätige Mutter muss – wie bei allen Müttern und Eltern – im Großen und Ganzen vor allem verlässlich funktionieren. Aber ich merke, wie viel ich mit meinem Verhalten beeinflussen kann. Ich fahre sehr viel mehr Fahrrad als früher, auch weil die Fahrradwege in Frankfurt in den vergangenen Jahren gut ausgebaut wurden. Man wundert sich dann immer, dass man doch eigentlich alles gut erreicht, Frankfurt wirkt dann plötzlich gar nicht so groß. Bei tierischen Lebensmitteln achte ich mehr auf Qualität. Die alte Heizung haben wir neulich rausgeschmissen und freuten uns diesen Winter ziemlich über den Unterschied im Verbrauch – und im Portemonnaie; das hatte ich so nicht erwartet. Na ja, und da ich in meiner beruflichen Laufbahn schon viel mit Waschmitteln zu tun hatte, ist bei uns das Kaltwaschen Routine. Klappt wunderbar, auch bei verdreckter Sportkleidung eines 13-Jährigen ...     

Oft ist es uns gar nicht bewusst, dass es nachhaltigere Alternativen oder Möglichkeiten zu leben gibt. Hast du Tipps für unsere Leser:innen, wie sie im Alltag mit wenig Aufwand nachhaltiger leben können?
Es geht um das Entwickeln von Nachhaltigkeitsroutinen, denn Routinen sind mächtig. Wenn man einfach grundsätzlich seine Wäsche bei 30 Grad wäscht und nur in Ausnahmefällen bei 60 oder 90 Grad, dann würde das bei den deutschlandweit 20 Millionen Tonnen Wäsche jedes Jahr schon sehr viel Energie und damit CO₂ einsparen. Oder: Immer das Wasser ausdrehen, egal ob beim Zähneputzen oder beim Erdbeerenwaschen. Das kann man übrigens auch Kindern gut beibringen. Und wie stolz sind sie, wenn sie Mama oder Papa dabei erwischen, wenn sie mal das Wasser laufen lassen, und dann – zu Recht – ihre Eltern belehren dürfen. So manchen Nachhaltigkeitsgrusel im Kinderzimmer kann man sich ebenfalls sparen: Die Zunahme an batteriebetriebenen Spielzeugen geht meiner Erfahrung nach nicht immer einher mit einer Zunahme an Spielwert. Und vergessene, ausgelaufene oder falsch in der Plastiktonne entsorgte Batterien sind ein echter Nachhaltigkeits-GAU. Manchmal reicht auch ein bewusster Blick: Wir bekamen mal ein Geburtstagspaket, in dem der Absender leere Klopapierrollen als Füllmaterial zum Auspolstern benutzt hatte. Rate mal, mit was die Kinder gespielt haben – es waren die Klopapierrollen, mit denen sie Burgen gebaut, sie ineinander gestapelt, angemalt haben. Wie kreativ kann man sein und gleichzeitig umweltbewusst!

Wenn du dir 3 Dinge für die Zukunft unseres Planeten und unser Leben auf ihm wünschen dürftest, welche wären das?
Ich wünsche mir eine stärkere internationale Zusammenarbeit für mehr Nachhaltigkeit. Denn CO₂ kennt keine Ländergrenzen. Ich wünsche mir, dass auf die Einsicht, etwas ändern zu müssen, auch die Offenheit für Innovationen und neue Technologien folgt, ohne die es gute Veränderungen nicht geben wird. Ich wünsche mir viele weitere Generationen junger Menschen, die ihr Recht in Anspruch nehmen, das „Immer-schon-so-Gewesene“ infrage zu stellen.

* außer in Ausnahmesituationen