Krampfadern
 
Wieder schöne Beine

Krampfadern behandelt man am besten im Winter. Wie sie entstehen, welche Behandlungsmethoden es gibt und wie man einen guten Arzt findet.

Über Venen und Krampfadern

Krampfadern: Wieder schöne Beine

  • Was sind Krampfadern?
    Venen, die nicht mehr richtig funktionieren.


  • Welche Aufgaben haben Venen?
    Sie müssen sauerstoffarmes, verbrauchtes Blut wieder zurück zum Herzen transportieren, täglich bis zu 7.000 Liter, die durch etwa 14 Kilometer Venensystem fließen. In jeder Vene sitzen alle zwei bis drei Zentimeter kleine Venenklappen: Doppeltüren, die sich nur in eine Richtung öffnen. Sie sorgen dafür, dass das Blut nur nach oben fließt.


  • Wie wird aus einer Vene eine Krampfader?
    Wird das Bindegewebe der Venenwand weicher, bekommen die Venen von außen nicht genügend Halt. Sie erweitern sich. Dann schließen die Venenklappen nicht mehr richtig - das Blut steigt nicht mehr nach oben, sondern sackt nach unten. So wird die Vene noch weiter. Und auf die Dauer krumm, schlängelig und dick.


  • Wie erkennt man Krampfadern?
    Die meisten sieht man. Aber manchmal liegen Krampfadern auch im Inneren des Beins. "Weil sich das Blut dann am Knöchel staut, treten hier oft die ersten Hinweise auf", sagt Dr. Christine Schwahn-Schreiber, Gefäßchirurgin und Venenspezialistin aus Stade. Besenreiser zum Beispiel. Auch wenn Schuhe plötzlich nicht mehr passen, kann das ein Signal sein - dann können die Knöchel auch wegen innen liegender Krampfadern dicker geworden sein. Weitere Kennzeichen: nächtliche Wadenkrämpfe oder müde, schwere oder geschwolle Beine, die sich heiß anfühlen oder in denen es kribbelt oder sticht.
  • Risikofaktor Schwangerschaft?

  • Gibt es Risikofaktoren?
    Ja. Sitzende oder stehende Tätigkeit, Schwangerschaft, enge, hochhackige Schuhe. Jede zweite Frau ist betroffen, aber nur jeder vierte Mann. Außerdem können Krampfadern erblich bedingt sein.


  • Wieso treten Krampfadern in der Schwangerschaft auf?
    Dafür gibt es mehrere Gründe: Durch das Baby im Bauch steigt der Druck in den Venen, die wachsende Gebärmutter behindert den Durchfluss der Venen in der Leiste, außerdem muss mehr Blut durch den Körper gepumpt werden. Zusätzlich lockert das Hormon Progesteron das Bindegewebe. Privatdozent Dr. Markus Stücker, Hautarzt in der Uni-Hautklink St. Josef in Bochum: "Progesteron ist sinnvoll, denn ein weicheres Bindegewebe erleichtert die Geburt. Leider werden gleichzeitig auch die Venen weicher und weiter - und Krampfadern entstehen."


  • Wann ist es Zeit für eine Behandlung?
    Markus Stücker rät, bis nach der Stillzeit bzw. bis mindestens ein halbes Jahr nach der Geburt zu warten, weil sich Krampfadern wieder zurückbilden können. Der beste Zeitpunkt für den Eingriff ist die kühle Jahreszeit, denn hinterher müssen eine Zeit lang Kompressionsstrümpfe getragen werden, was im Sommer unangenehm sein kann. Zwei Tipps, um die Zeit bis zum Eingriff zu überbrücken: Kompressionsstrümpfe, denn die unterstützen ein schwaches Bindegewebe. Und: Tabletten mit Rosskastanien-Wirkstoffen, denn die wirken abschwellend.


  • Die richtige Therapie

  • Welcher Arzt ist der richtige?
    Ein Facharzt, ein Chirurg oder ein Hautarzt, der die Zusatzbezeichnung "Phlebologe" (Venenspezialist) trägt.

  • Wie läuft eine Operation ab?
    Das klassische Verfahren: Der Arzt macht einen Schnitt oben in der Leiste und unten am Bein, er trennt die Vene vom System ab, vernäht die im Körper verbleibenden Enden und zieht dann die lose Vene heraus, er "strippt" sie. Beim so genannten Kryo-Stripping ist nur der obere Schnitt nötig, ein Katheter wird eingeführt und am unteren Ende der Vene auf minus 85 Grad gekühlt - sie friert fest und wird dann nach oben herausgezogen. Eine weitere Operationsvariante: das "Häkeln". Dazu werden mehrere ein bis zwei Millimeter lange Schnitte gesetzt, durch die kranke Venenstückchen mit einer Häkelnädel herausgeholt werden. Die Kosten für diese drei Verfahren übernehmen die Krankenkassen.


  • Ist das Veröden noch zeitgemäß?
    Ja, denn diese Methode hat sich bewährt - und wurde weiterentwickelt. Beim Veröden wird eine alkoholische Verbindung in die Vene gespritzt, es bildet sich eine Entzündung und danach eine Art Kruste, die Vene verklebt von innen. Eine neue Variante ist die Schaumverödung: Dabei wird das Verödungsmittel vor dem Spritzen aufgeschäumt, damit es stabiler ist. In großen Venen kann das flüssige Mittel nämlich mit dem Blut weggespült werden, dann verklebt die Vene nicht an allen Stellen, und die Krampfader kann zurückkommen. Schaum bleibt im Gegensatz zu einem flüssigen Mittel besser an den Venenwänden haften. Dr. Stücker: "Mit Schaumverödungen haben wir bislang gute Erfolge gehabt. Allerdings gibt es noch keine Langzeitergebnisse." Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für beide Verödungsvarianten bei Krampfadern - nicht bei Besenreisern.


  • Wie funktioniert die Radiowellen-Therapie?
    Sie ähnelt dem Prinzip des Verödens: Eine Sonde wird von der Stammvene im Kniebereich aus in die kranke Vene bis zur Leiste geschoben. Oben angekommen, wird sie an der Spitze auf 85 Grad erhitzt und dann millimeterweise nach unten gezogen. Die Vene verkocht und verklebt. Wegen der fehlenden Langzeituntersuchungen zahlen die gesetzlichen Kassen diesen Eingriff nicht - private allerdings schon (etwa 1.500 bis 3.000 Euro pro Bein).


  • Gibt es keine Laser-Behandlung gegen Krampfadern?
    Doch, die gibt es. Manche Ärzte bieten sie an - andere stehen ihr eher ablehnend gegenüber. Christine Schwahn-Schreiber: "Die Laserenergie, die die Venen sicher verklebt, ist noch nicht erfunden. Der Laser kann zu heiß eingestellt sein, dann kommt es zu Verbrennungen. Oder zu kalt, dann verklebt die Vene nicht." Deshalb zahlen die gesetzlichen Kassen keine Laserbehandlung. Private Versicherer übernehmen die Kosten von 1.500 bis 3.000 Euro pro Bein.


  • Was ist die CHIVA-Technik?
    Bei dieser Methode wird die kranke Vene im Körper gelassen. Der Arzt untersucht, welche Venenklappe nicht mehr schließt, dann bindet er mit kleinen Fädchen die Vene dort ab. Kosten: etwa 1.000 bis 3.000 Euro pro Bein. Die gesetzlichen Kassen zahlen nicht, die meisten privaten übernehmen die Kosten.


  • Wie kann man vorbeugen?

    • Sanften Ausdauersport treiben: gehen, walken, Rad fahren.


    • Schwimmen gehen: Wasserdruck wirkt wie ein Kompressionsstrumpf - und kühles Wasser zieht die Gefäße zusammen.


    • Sonne, Sauna, Solarium oder heiße Wannenbäder meiden.


    • Die Beine in Richtung Herz massieren. Spezielle Venencremes müssen nicht sein - jede Hautcreme, am besten gekühlt, bringt denselben Wohlfühl-Effekt.


    • Enge Jeans meiden, weil sie im Sitzen die Leiste abschnüren.


    • Beim Sitzen ab und zu Fußgymnastik machen.


    • Sooft es geht, die Beine hochlegen. Das Fußende des Bettes fünf Zentimeter höher stellen.


    • Eine kleine, kurze Merkhilfe für den Hinterkopf: L vor S. Bedeutet: Lieber liegen oder laufen statt sitzen oder stehen.