Schöne Haut
 
Grüne Kosmetik selber machen

Immer mehr Kosmetiklinien schwenken auf den Naturpfad. Denn mit Pflanzenextrakten (und ruhigem Gewissen) fühlen wir uns wohler in unserer Haut. Manche Beautyhelfer kann man sogar einfach selber mixen.

Schöne Haut: Grüne Kosmetik selber machen

Naturkosmetik hat ihren Öko-Touch längst verloren. Sie vereint heute natürliche Wirkstoffe mit wissenschaftlicher Innovation und ist ein Wirtschaftszweig mit 20 Prozent Wachstumsrate - zu sehen an dem immer größeren Raum, den pflanzliche Beautyprodukte in den Regalen der Parfümerien einnehmen. Drogeriemärkte haben eigene Ökopflegelinien, und die klassischen deutschen Hersteller Dr. Hauschka und Weleda sind Lieblingsmarken von Hollywood-Stars.

Unsicherheit gibt es trotzdem immer wieder bei den Inhaltsstoffen: Sind sie rein pflanzlich oder doch mit tierischen oder chemischen Produkten vermengt? Bedeutet pflanzlich auch bio? Designerin und Tierschützerin Stella McCartney geht mit ihrer neuen Gesichtspflegeserie "Care" in die Offensive: Sie garantiert neben ausnahmslos natürlichen Inhaltsstoffen auch ethische Pureness: Keine Blüten werden von Kinderhänden gepflückt, keine bedrohten Pflanzenarten verarbeitet, Tierversuche sind tabu.

Kein absoluter Schutz vor Allergien

Die empfindliche Haut von Babys, Kindern und Schwangeren profitiert von dem neuen "Organic Movement" besonders, ebenso die immer größere Zahl derjenigen, die auf synthetische Duftstoffe, Parabene oder Tenside allergisch reagieren. Da aber z. B. auch Calendula Allergien auslösen kann, sollte man neue Produkte zunächst an einer kleinen Stelle testen.

Für jeden Hauttyp und jedes Beauty-Problem ist ein Pflänzchen gewachsen. Wir stellen die wirksamsten vor und geben Anregungen, wie man aus ihnen ganz einfach persönliche Beauty-Helfer herstellen kann.

Ringelblume heilt rissige Lippen

Wie kleine Mini-Sonnen sehen die orangegelben Blüten der Blume (botanisch: Calendula) aus. In ihnen steckt auch die Heilkraft: Flavonoide, Carotinoide, ätherisches Öl und organische Säuren. Geschätzt wird das Wirkstoffpotpourri vor allem wegen der entzündungshemmenden und heilungsfördernden Eigenschaften. Darum werden die Stoffe in Pflegeserien für Babys und Kinder, aber auch in Hand- und Lippencremes eingebaut (Produkte z. B. von Weleda, Dr. Hauschka).

Rezept:
Eine Hand- und Lippenpflege mit Ringelblume macht die zarte Haut geschmeidig und schützt vor Kälte: 100 g Glyzerin mit zwei EL Ringelblumentinktur (gibt’s beides in der Apotheke) vermischen. Nach Bedarf auf die Lippen oder Kinderwangen geben bzw. die Hände damit eincremen.

Aloe vera entspannt trockene Haut

"Geschenk der Venus" wird das Liliengewächs in Griechenland genannt. Mit rund 160 aktiven Substanzen wie Vitaminen, Enzymen und Aminosäuren enthält es die höchste natürliche Wirkstoffkombination für die Haut. Vor allem für trockene Haut ist Aloe vera eine Wohltat: Es nimmt blitzschnell das Spannungsgefühl und versorgt sie lang anhaltend mit Feuchtigkeit. Auch bei Sonnenbrand ist Aloe vera ein Segen (Produkte z. B. von Weleda, Santa Verde, Annemarie Börlind, Spinnrad).

Rezept:
Für eine feuchtigkeitspendende Creme 50 ml Cremebasis (gibt’s in der Apotheke) mit einem TL zehnfach konzentriertem Aloe-vera-Saft (z. B. von Spinnrad, www.spinnrad.de) verrühren. Morgens und abends auf das gereinigte Gesicht auftragen.

Brennnessel bringt Glanz ins Haar

Das Kraut mit den behaarten Blättern, die bei Kontakt die Haut brennen lassen, wächst unscheinbar auf Schotterplätzen oder am Wegesrand. Dabei steckt in ihm eine ganze Menge für die Schönheit: Neben Vitaminen und Mineralstoffen haben die Brennnesselsäuren in Haarpflegeprodukten eine besondere Bedeutung. Sie sorgen dafür, dass abstehende Schüppchen sich wieder an den Haarschaft legen. Das Licht wird so besser reflektiert, die Haare bekommen mehr Glanz.

Außerdem regen Brennnesselspülungen den Haarwuchs an, sind also ideal nach der Schwangerschaft, wenn die Haare vermehrt ausfallen (Haarprodukte mit Brennnessel z. B. von Lavera, Logona, Neobio, Dr. Hauschka).

Rezept:
Für eine Haarspülung zwei Handvoll frische (oder die halbe Menge getrocknete) Brennnesselblätter mit einem Liter kochendem Wasser übergießen und drei Stunden ziehen lassen. Abseihen und das Haar mit dieser Lösung nach dem Waschen spülen.

Efeu regt die Lymphtätigkeit an

Ihren ersten Auftritt in der Kosmetik hatte die Kletterpflanze schon in der Antike, sie färbte damals graue Haare schwarz. Später galt das Gewächs als Hexenkraut, denn kundig verarbeitet, besitzt Efeu-Extrakt stimulierende Wirkung - bei unsachgemäßer Handhabung ist die Pflanze allerdings hochgiftig. Moderne Labors wiesen in Efeu Rutin, Vitamin A, Kaffee- und Ascorbinsäure nach.

Diese Kombination fördert die Lymphtätigkeit, wirkt entwässernd und regt die Mikrozirkulation an, eignet sich also perfekt zur Behandlung von Cellulite oder schweren Beine in der Schwangerschaft (Produkte z. B. von Ligne St. Barth).

Rezept:
Für ein Anti-Cellulite-Massageöl eine Handvoll Efeu-Blätter in ein verschließbares Glas geben und mit 150 ml Mandelöl (gibt’s in der Apotheke) übergießen. Das Glas verschließen und in einem Wasserbad etwa 15 Minuten sanft erwärmen, anschließend langsam abkühlen lassen. Das Glas an einen sonnigen Platz stellen und hin und wieder schütteln. Nach drei Tagen das Efeuöl abseihen, in eine dunkle Flasche gießen und täglich in die Problemzonen einmassieren.

Rose glättet Fältchen

Über 100 wirksame Inhaltsstoffe wie ätherische Öle, Flavonoide, Kieselsäure und Lecithin machen die Königin der Blumen zum Schönheitselixir. Rosenextrakte verfeinern und verjüngen das Hautbild, regen die Zellneubildung an, versorgen den Teint mit Feuchtigkeit, mildern Irritationen und Fältchen und schützen vor negativen Umwelteinflüssen. Rosenöl wird besser von der Haut aufgenommen als Wasser. Es wirkt beruhigend und der Hautalterung entgegen.

Das gilt allerdings nur für natürliches Rosenöl - die synthetischen Nachbauten duften zwar, haben aber keine Pflegekraft. Rosenöl steckt in Cremes, Masken und Ampullen. Rosenwasser entsteht bei der Herstellung des Rosenöls. Es ist ideal als mildes und beruhigendes Gesichtswasser für jeden Hauttyp (Pflege mit Rosenextrakten z. B. von Dr. Hauschka, Weleda, Tautropfen, Stella McCartney, Primavera, Martina Gebhard).

Rezept:
Für eine regenerierende Rosencreme zwei Esslöffel Allzweckcreme in ein verschließbares Gefäß umfüllen, fünf Tropfen reines Rosenöl (gibt’s in der Apotheke, 1 ml kostet ca. 15 Euro) mit einem Spätelchen unterrühren. Creme gekühlt aufbewahren (Haltbarkeit max. eine Woche), morgens und abends auf das gereinigte Gesicht auftragen. Nach einer Schwangerschaft ist sie auch gut zur Bauchmassage zu verwenden. Zur Hauterfrischung für zwischendurch Rosenwasser (in der Apotheke, 100 ml ca. 8 Euro) in einen Pumpspray-Flakon füllen und großzügig über den Teint sprühen.


Wie "bio" ist Naturkosmetik?

Anders als bei Bio-Lebensmitteln gibt es für Naturkosmetik in Deutschland bislang keine gesetzlichen Vorgaben. Generell gilt aber: 95 Prozent der Inhaltsstoffe müssen natürlichen Ursprungs sein und mindestens 50 Prozent der pflanzlichen Stoffe aus Bio-Anbau stammen. Der Zusatz "ökologisch" bezeichnet einen 95-prozentigen Bio-Anteil bei den Pflanzenstoffen. In beiden Fällen muss die Produktion weitgehend ohne chemische Prozesse erfolgen. Tierversuche und tierische Rohstoffe (z. B. Fette oder Kollagen) sind nicht erlaubt, ebenso wenig synthetische Farb- und Duftstoffe, Silikone, Paraffine oder Erdölprodukte. Nur wer diese strengen Aufl agen erfüllt, erhält eines der Prüfsiegel wie das "Neuform"-Label, das "Ecocert" oder das Siegel "Kontrollierte Naturkosmetik" vom BDIH, dem zuständigen Bundesverband für Arznei- und Körperpfl egemittel.