Erbe & Versicherung
 
Wie Kinder für den Notfall abgesichert sind

Wohl niemand mag sich vorstellen, dass ihm und dem Partner plötzlich etwas zustößt - und die eigenen Kinder so zu Waisen werden. Trotzdem sollten Eltern sich rechtzeitig Gedanken darüber machen, wie sie ihren Kindern selbst im Falle ihres Todes die Zukunft sichern, die sie ihnen wünschen.

Wer zahlt beim Tod der Eltern für die Kinder?

Erbe & Versicherung: Wie Kinder für den Notfall abgesichert sind

Kinder und - bei verheirateten Partnern - Stiefkinder bekommen eine Waisenversorgung, wenn der Verstorbene mindestens fünf Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung ingezahlt hat oder Beamter war. Je länger und je höher das Einkommen, desto besser ist die Versorgung - waren die Eltern noch relativ jung, ist es dementsprechend allerdings leider meist zu wenig. Gezahlt wird die Waisenvesorgung bis zur Volljährigkeit, wenn das Kind eine Ausbildung absolviert, sogar bis zum 27. Geburtstag.

Außerdem wird auch für Waisen Kindergeld bezahlt, hinzu kommen eventuell Waisenrenten aus betrieblichen Altersversorgungen. Wenn das alles zum Leben nicht reicht, müssen die Großeltern Unterhalt zahlen, soweit sie können - nicht aber Onkel und Tanten. Außerdem steht dem Kind Sozialhilfe zu.

Keine Unterhaltspflicht gegenüber den Kindern haben übrigens Vormund und Pflegeeltern (wie es sich bei Waisen mit dem Sorgerecht verhält, erfahren Sie hier). Dasselbe gilt für Stiefeltern, auch wenn sie mit dem verstorbenen Elterteil verheiratet waren: Selbst wer bisher für die ganze Patchwork-Familie gezahlt hat, ist nicht verpflichtet, dies weiterhin tun.

Was können Eltern zu Lebzeiten für die finanzielle Absicherung ihrer Kinder tun?

Wenn das Vermögen der Eltern als Zukunftssicherung für die Kinder nicht reicht, ist eine Risikolebensversicherung ein bezahlbarer Weg, ihnen im schlimmsten Fall zumindest eine finanzielle Basis zu hinterlassen. Die Versicherungssumme kann die Kosten der Unterbringung bei Verwandten oder Freunden sowie einer Berufsausbildung abdecken und außerdem als Startkapital ins Leben dienen.

Eine "normale" Lebensversicherung eignet sich dafür jedoch nicht: Zwar sind im Gegensatz zur Risikolebensversicherung die Prämien hier nicht verloren, wenn die Versicherung nicht in Anspruch genommen werden muss. Dafür ist eine Versicherungssumme, die den Kindern im Todesfall tatsächlich hilft, meist unerschwinglich.

Wie stellen Eltern die Ausbildung ihrer Kinder auch als Waisen sicher?

Haben die Eltern bereits zu Lebzeiten einen möglichen Betreuer für ihr Kind ausgesucht, werden sie sicher auch Fragen zur künftigen Ausbildung des Kindes mit diesem abgesprochen haben. Doch auch wenn es unter Obhut des Jugendamtes steht, ist die normale Schulausbildung einschließlich Gymnasium gesichert - zumindest, wenn die Eignung des Kindes klar erkennbar ist. Denn auch als Waise hat es Anspruch auf eine optimale Ausbildung. Dasselbe gilt bei Unterbringung in einer Pflegefamilie. Daher wird bei deren Auswahl auch darauf geachtet, dass sie dem bisherigen Umfeld des Kindes entspricht.

Für eine anschließende Ausbildung oder ein Studium kann das Kind dann Bafög beantragen oder sich um ein Stipendium bemühen. Relative Unabhängigkeit ermöglichen dem Kind jedoch nur eigene Geldmittel aus Erbschaft oder Risikolebensversicherung.

Wenig geeignet sind so genannte Ausbildungsversicherungen: Zwar zahlen sie auch beim Tod der Eltern die Versicherungssumme zum vereinbarten Zeitpunkt, ohne dass bis dahin weitere Prämien fällig werden. Günstiger ist es jedoch, die Kinder für den Todesfall durch eine Risikolebensversicherung abzusichern und im übrigen für ihre Ausbildung zu sparen. Das bringt bei gleichem Einsatz höhere Versicherungssummen und bei richtiger Anlage bessere Erträge als die Ausbildungsversicherung.

Was gilt es beim Erbe zu beachten?

Für ein fehlerfreies Testament empfiehlt sich der Gang zum Notar

Sobald sie volljährig sind, können Kinder frei über Erbe oder Lebensversicherungssumme verfügen. Wer sicherstellen will, dass das Vermögen der Kinder auch noch nach dem 18. Geburtstag zum Beispiel für die Ausbildung verwendet wird, kann durch Testament einen Testamentsvollstrecker einsetzen - für bis zu 30 Jahre. Das Testament kann ihm - anders als dem Vormund - detaillierte Weisungen erteilen, etwa über Zahlungen an die Pflegefamilie. Soll er eine Lebensversicherungssumme verwalten, darf der Versicherungsschein keinen Bezugsberechtigten nennen. Dann gehört die Versicherungssumme zum Erbe, und dafür ist der Testamentsvollstrecker zuständig. Andernfalls geht das Geld direkt an die Kinder. Dann wird es vom Vormund verwaltet, bis sie 18 sind - und anschließend bekommen sie es.

Vor allem, wenn eine Immobilie im Spiel ist, kann es sinnvoll sein, dass beim Tod eines Elternteils erst mal allein sein Partner erbt, denn: Sind die minderjährigen Kinder Miterben, braucht er für Verkauf oder Aufnahme einer Hypothek in jedem Fall die Zustimmung des Vormundschaftsgerichts.

Achtung: Nur ein fehlerfreies Testament garantiert, dass auch wirklich alles nach den eigenen Wünschen geregelt wird. Dazu empfiehlt sich Gang zum Notar. Das ist gar nicht mal so teuer: Bei einem Vermögen von 50.000 Euro werden für ein Testament 132 Euro fällig, für ein gemeinsames Testament von Eheleuten sind 264 Euro. Bei einem Vermögen bei 100.000 Euro erhält der Notar 207 beziehungsweise bei einem gemeinsamen Testament 514 Euro, bei 500.000 Euro 807 beziehungsweise 1.614 Euro.

Gut zu wissen: Für Erbschaft und Lebensversicherungssumme fällt Erbschaftsteuer an. Aber jedes Kind hat bei jedem Elternteil einen Freibetrag von 400.000 Euro plus - je nach Alter - weiteren etwa 10.000 bis 50.000 Euro: Diese Berträge sind steuerfrei - bei verheirateten Paaren auch für Stiefkinder.