Viele Fragen
 
Wie riskant ist der Hauskauf?

Angesichts der Schlagzeilen der vergangenen Monate konnten Familien, die vom eigenen Heim träumen oder sich diesen Wunsch bereits erfüllt haben, ganz schön ins Grübeln kommen: Kreditverkauf durch Banken? US-Immobilienkrise? Energiepass? Höchste Zeit, für Klarheit zu sorgen.

Unsicherheitsfaktor Eins: Kann die Bank meinen Kredit einfach weiterverkaufen?

Viele Fragen: Wie riskant ist der Hauskauf?

Ein Fernsehbericht sorgte kürzlich für riesigen Wirbel: Geben Banken und Sparkassen tatsächlich Kredite an Finanzinvestoren weiter, die dann in bester Heuschreckenmanier das Geld einfordern und so die Häuslebauer in den Ruin treiben - selbst wenn diese immer brav ihre Schuld getilgt haben? Gemach. Fakt ist, dass sogar der Bundesgerichtshof den Verkauf von Krediten ohne Zustimmung des Schuldners gebilligt hat, sofern dieser mit der Rückzahlung in Verzug geraten ist. Allerdings verkaufen viele Banken komplette Kreditpakete, in denen sich auch solche befinden, bei denen der Schuldner die Raten bislang ordnungsgemäß gezahlt hat. Die Sorge der Eigenheimbesitzer: Da der Investor sein Geld möglichst schnell wieder sehen will und kein Interesse an einer langfristigen Kundenbindung hat, wird er die Restschuld möglichst schnell einfordern. Wer dann nicht zahlen kann, dem droht die Zwangsversteigerung.

"Theoretisch ist das möglich", sagt Raimund Kron, Berater mit den Schwerpunkten Finanzen, Bauen und Ökologie. Eine Gesetzeslücke mache dieses Horrorszenario möglich: "Die Bank muss aufgrund der Sicherungszweckbindung das Darlehen immer in Zusammenhang mit der Grundschuld nutzen. Wenn beides weiterverkauft wird, gilt diese Kopplung aber nicht mehr." Im Extremfall könnte also ein Investor die Tilgung der Grundschuld auch dann fordern, wenn das Darlehen bereits bezahlt ist. Aber: "Ich habe zwar die Berichterstattung verfolgt, kenne aber keinen einzigen Fall aus der Praxis", beruhigt Kron.

Auch die Fachleute der nordrhein-westfälischen Verbraucherzentrale kennen keine Fälle, in denen es trotz ordnungsgemäßer Ratenzahlung zu einer Zwangsvollsteckung gekommen wäre. Allerdings sehen sie die Gefahr, dass der Forderungskäufer zum Ende der Zinsbindungsfrist versuchen könnte, die bestehende Kreditforderung in voller Höhe zu erhalten. Denn nicht in allen Fällen ist er verpflichtet, eine Vertragsverlängerung anzubieten. Daher raten sie Kunden, sich spätestens sechs Monate vor Ende der Zinsbindung um die Frage der Anschlussfinanzierung zu kümmern.

So simpel das klingt: Der sicherste Schutz ist die regelmäßige Ratenzahlung - und deren lückenlose Dokumentation. Wer ganz auf Nummer sicher gehen möchte, sollte sich zudem von seiner Bank bestätigen lassen, dass sie den Kredit überhaupt nicht weiterverkauft. Dieser Abtretungsverzicht sollte dann auch ins Grundbuch eingetragen werden. Manche Baufinanzierer wie die BHW betonen bereits, dass sie grundsätzliche keine Forderungen weiterveräußern, manche lassen sich diese Vereinbarung jedoch auch einen Zinszuschlag kosten.

Mittlerweile hat sich auch der Gesetzgeber eingeschaltet: Möglichst noch vor der Sommerpause soll das Gesetz, nach dem die Banken ihre Kunden künftig über eine Weitergabe informieren müssen und ein Kredit erst dann gekündigt werden darf, wenn der Kunde länger als sechs Monate in Verzug ist, verabschiedet werden.

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