Krankenversicherung
 
Kassenpatienten haben das Nachsehen

Was viele gesetzlich Versicherte schon lange argwöhnten, konnten Kölner Wissenschaftler jetzt bestätigten: Privatpatienten werden von Ärzten bevorzugt behandelt. Haben Sie ähnliche Erfahrungen gemacht? Dann schreiben Sie uns!

Bekommen privat Versicherte schneller einen Arzttermin?

Krankenversicherung: Kassenpatienten haben das Nachsehen

Eine Situation, die viele Kassenpatienten sicher schon einmal erlebt haben: Man ruft einen Arzt an, um einen Termin zu vereinbaren, und wird erst einmal nach seiner Krankenversicherung gefragt. Anschließend kann es durchaus sein, dass man erst ein paar Wochen später einen Termin bekommt. Im schlimmsten Fall wird man mit der Auskunft, der Doktor behandle nur privat Versicherte, komplett abgelehnt.

Dass eine solche "Zwei-Klassen-Medizin" in Deutschland tatsächlich existiert, belegt jetzt eine Untersuchung der Universität Köln. Wie der "Kölner Stadtanzeiger" berichtete, baten dabei wissenschaftliche Mitarbeiter des Instituts für Gesundheitsökonomie und klinische Epidemiologie im Frühjahr 2006 in fast 200 Facharztpraxen im Raum Köln/Bonn/Leverkusen telefonisch um einen Termin. Als Grund nannten sie verschiedene notwendige Untersuchungen, etwa eine Magenspiegelung oder einen Hörtest.

Das erschreckende Ergebnis: Im Schnitt mussten bei einer gesetzlichen Krankenkasse Versicherte etwa dreimal so lange auf einen Termin warten wie Privatpatienten - und zwar in allen untersuchten Fachbereichen. Am größten war der Unterschied bei der Magenspiegelung: Hier hätten privat Versicherte innerhalb von 11,9 Werktagen einen Termin erhalten, gesetzlich Versicherte erst nach 36,7 Tagen. Bei dem Hörtest lagen dagegen nur etwas mehr als vier Werktage zwischen den beiden angebotenen Terminen.

"Es handelt sich um Untersuchungen, bei denen Verzögerungen kein Kavaliersdelikt sind", betonte Karl Lauterbach, Direktor des die Untersuchung durchführenden Instituts, im Interview mit dem Kölner-Stadtanzeiger. Darin geht der auch als SPD-Gesundheitsexperte bekannte Wissenschaflter sogar noch weiter: Er äußerte den Verdacht, dass Privatpatienten oftmals nicht nur schneller, sondern auch besser behandelt würden.

Für die Forscher sind jedoch nicht nur die Ärzte schuld an der ungleichen Behandlung, sondern das deutsche Gesundheitssystem. Denn da die Mediziner an Privatpatienten ungleich mehr verdienen würden, seien viele Praxen mittlerweile auf sie angewiesen. Der Präsident der Bundesärztekammer, Prof. Jörg-Dietrich Hoppe, bestätigte die Praxis längerer Wartezeiten für Kassenpatienten, verwies dabei jedoch ebenfalls auf gesetzliche Vorgaben, durch die viele Mediziner das Budget für gesetzlich Versicherte regelmäßig bereits vor Quartalsende ausgeschöpft hätten. Gegen die von Lauterbach geäußerte Vermutung, es gäbe auch Unterschiede bei der Qualität der Behandlung, verwahrte er sich allerdings scharf.

Schreiben Sie uns Ihre Erfahrungen!

Haben Sie ähnliche Erfahrungen gemacht, wenn Sie oder ein Familienmitglied einen Arztermin benötigten? Oder haben Sie bei Ihrem Arzt das Gefühl, dass es ihm stets um die bestmögliche Behandlung geht, egal, wie der Patient versichert ist? Kommentieren Sie diesen Artikel und schreiben Sie uns so Ihre Erfahrungen. Wir sind gespannt.