Mieterhöhung
 
Prüfung kann sich lohnen

Mieter zahlen in Deutschland jährlich 250 Millionen Euro zu viel an Miete - mit dieser Meldung sorgte der Deutsche Mieterbund (DMB) kürzlich für Aufsehen. Doch woran erkennen Familien, dass die Erhöhung unrechtmäßig ist? Und was können sie dagegen tun?

Wann ist eine Mieterhöhung fehlerhaft?

Mieterhöhung: Prüfung kann sich lohnen

Zwei bis drei Millionen Mieterhöhungen, so schätzt der DMB, werden in Deutschland Jahr für Jahr verschickt - wie die örtlichen Mietervereine berichten, sind mehr als 30 Prozent von ihnen jedoch fehlerhaft. Dazu gehören vor allem Mieterhöhungen ohne ordnungsgemäße Begründung, eine falsche Berechnung der Wohnungsgröße oder ein falscher Quadratmeterpreis. Auch wenn die Jahressperrfrist nicht eingehalten wird, der Einzug oder die letzte Mieterhöhung also weniger als ein Jahr zurück liegt, können die Mieter Einspruch erheben. Außerdem muss der Vermieter die Kappungsgrenze einhalten: Innerhalb von drei Jahren darf die Miete um maximal 20 Prozent steigen - und selbst das nur innerhalb der Grenzen der so genannten ortsüblichen Vergleichsmiete zulässig. Und wer in seinem Mietvertrag eine Staffelmiete stehen hat, oder einen befristeten Mietvertrag mit einer "Festmiete" unterschrieben hat, ist vor einer Vergleichsmietenerhöhung geschützt.

Ihr Vermieter hat Ihnen die Erhöhung lapidar am Telefon mitgeteilt? Dann hat er Pech gehabt! "Eine Mieterhöhung muss immer schriftlich erfolgen", betont Ulrich Ropertz, Pressesprecher des Deutschen Mieterbundes. Zur Begründung muss er den Mietspiegel, ein Sachverständigengutachten oder mindestens drei Vergleichswohnungen anführen. Vor allem bei letzteren Gründen rät der DMB Mietern allerdings zur Wachsamkeit.

Wie kann ich mich als Mieter wehren?

Was viele Familien nicht wissen: Grundsätzlich bedarf eine Mieterhöhung der Zustimmung des Mieters. Deshalb hat er auch nach der Benachrichtigung durch seinen Vermieter zwei Monate Zeit zu prüfen, ob die Erhöhung rechtmäßig ist. Oft lohnt es sich schon, selber einmal nachzumessen, ob die angegebene Quadratmeterzahl korrekt ist. Hilfe bei der Prüfung einer Mieterhöhung bieten auch die Mietervereine vor Ort.

Ist an der Forderung des Vermieters nichts zu beanstanden, muss der Mieter allerdings in den sauren Apfel beißen und spätestens nach Ende der zweimonatigen Prüfphase die Mehrkosten tragen. Ist die Mieterhöhung nicht in Ordnung, darf er sie ablehnen. Allerdings muss er dies dem Vermieter schriftlich mitteilen - "hier reicht ein formloses Schreiben, für Mieter gibt es keinen Begründungszwang", stellt Ulrich Ropertz klar. Alternative: Der Wohnungsnutzer kann der Erhöhung auch teilweise zustimmen und sich mit dem Vermieter dann etwa auf eine Steigerung der Miete um 30 Cent pro Quadtratmeter statt der ursprünglich geforderten 80 Cent einigen. Auch eine teilweise Zustimmung muss jedoch immer schriftlich erfolgen.

Hilfe, der Vermieter klagt - und jetzt?

Und wenn keine Einigung möglich ist? Dann muss der Vermieter vor Gericht klagen - ein Schritt, vor dem die Mieter keine Angst haben müssen, wie Mieterbund-Sprecher Ropertz betont. "Für 2006 etwa sind uns 312.000 Mietrechtsverfahren bekannt - nach unseren Schätzungen waren das zwölf Prozent aller Rechtsstreitigkeiten. Angesichts der vielen falschen oder zumindest teilweise falschen Mieterhöhungen, von denen wir ausgehen, haben die viele Mieter dabei zumindest teilweise gewonnen." Auch die Sorge, dass der Vermieter nach einer abgelehnten Erhöhung einfach mit der Kündigung droht, kann der Experte entkräften: "Kündigen könnte der Vermieter nur, wenn sich der Mieter trotz einer Niederlage vor Gericht weiterhin weigert, die erhöhte Miete zu zahlen."