Berufstätige Mütter
 
Mama, warum gehst du arbeiten?

Es gibt Fragen, die wehtun können. Weil sie unser ohnehin schon schlechtes Gewissen vergrößern. Umso wichtiger, dass wir Kindern ehrlich auf ihre Fragen antworten.

Warum musst du immer ins Büro?

Berufstätige Mütter: Mama, warum gehst du arbeiten?

Weil ich dafür Geld bekomme. Davon und von Papas Geld zahlen wir die Wohnung und was wir jeden Tag essen. Und die Ferien. Außerdem bin ich gern mit anderen Menschen zusammen und mache etwas Nützliches. Das ist wie bei dir im Kindergarten: Ihr malt viel, und du schenkst mir dann deine schönsten Bilder. Und ich helfe den Leuten, die zu uns in die Bank kommen, mit ihrem Geld."

Gut zu wissen: Fragt Ihr Kind, warum die Mama seiner besten Freundin nicht zur Arbeit geht, erklären Sie ihm, dass einige Mütter oder Väter lieber zu Hause bleiben. Dass sie dort aber auch arbeiten, den Einkauf, die Wäsche, den Hausputz erledigen. Es ist gut, wenn Ihr Kind merkt: Arbeiten ist was Normales. Jeder Mensch hat seine Aufgabe.

Kriegst du jeden Tag Geld?

"Nein. Mein Chef gibt mir meinen Lohn auch nie in Münzen oder Scheinen. Es funktioniert so: Immer wenn ein Monat zu Ende geht, ruft ein Computer in meiner Arbeitsstelle automatisch einen Computer in meiner Sparkasse an und sagt dem, wie viel Geld ich kriege. Und dann kann ich mir die Scheine aus dem Geldautomaten holen."

Gut zu wissen: Kommt jetzt keine Nachfrage, dann belassen Sie es erst mal bei diesen Infos. Grundsätzlich können Sie, wenn Sie sich mit Erklären schwer tun, Rückfragen stellen. Das ist immer ein guter Trick um herauszufinden, was Ihr Kind wirklich wissen will. Überhaupt handelt es sich bei "Geldverkehr und Tauschen" um ein schönes Thema zum Herumphilosophieren.

Warum kommst du immer erst so spät?

Nehmen Sie Ihr Kind einen halben Tag mit ins Büro!

"Die andere Frau, die mit mir im Büro sitzt, arbeitet immer erst ab zwei Uhr. Bis sie da ist, muss ich ans Telefon gehen, wenn Leute anrufen. Und dann brauche ich noch eine halbe Stunde mit dem Fahrrad, bis ich wieder hier bin. Mein Weg zur Bank dauert viel länger als dein Weg zum Kindergarten."

Gut zu wissen: Diese Frage versetzt einem immer einen kleinen Stich. Weil man spürt: Jenseits aller Begründungen sehen kleine Kinder oft nur, dass Mama (oder Papa) weggeht. Sie sollten Ihrem schlechten Gewissen jetzt nicht zu viel Platz einräumen. Weil dazu kaum Grund besteht. Viele Studien haben gezeigt, dass Kinder arbeitender Mütter sich völlig normal entwickeln. Sie leiden nicht häufiger unter seelischen Störungen als andere und liefern später auch nicht schlechtere Schulleistungen ab. Übrigens: Man fand heraus, dass berufstätige Mütter pro Tag nicht weniger Zeit mit ihrem Kind verbringen als Mütter, die zu Hause bleiben.

Was tust du in der Arbeit?

"Auf meinem Schreibtisch steht ein Computer. Mit dem schreibe ich meine Mails. Außerdem telefoniere ich auch viel. Und manchmal treffe ich mich mit Leuten, die sich von der Bank Geld leihen wollen."

Gut zu wissen: Details Ihrer Tätigkeit interessieren wahrscheinlich weniger. Vielleicht können Sie Ihr Kind mal einen halben Tag mit ins Büro nehmen. Das wird schwierig sein, wenn Sie OP-Schwester oder Supermarkt-Kassiererin sind. Aber selbst dann müsste ein kurzer Besuch außerhalb der Dienstzeiten oder zum Mittagessen in der Kantine möglich sein.

Sind die Leute in der Arbeit deine Freunde?

"Einige mag ich ganz gern. Mit denen treffe ich mich auch mal, wenn ich nicht arbeiten muss. Dann gehen wir zusammen essen oder so. Aber natürlich finde ich nicht alle so nett. Manchmal müssen wir uns sogar ein bisschen streiten. Wie Ihr, wenn Ihr eine Puppenfamilie gründet, oder wie neulich beim Versteckenspielen. Da wart ihr auch nicht einer Meinung, oder?"

Gut zu wissen: Diese Frage ist eine gute Gelegenheit, darüber nachzudenken, wie verschieden Menschen sind; dass man nicht alle mögen muss, aber trotzdem versuchen sollte, fair miteinander umzugehen.

Warum darf ich nicht mitkommen?

Viele Schulkinder haben keine Ahnung, was ihre Eltern beruflich machen

"Du darfst mich mal besuchen. Aber Mitarbeiten geht leider nicht. So viel Platz ist bei uns auch gar nicht. Außerdem: Du hast deinen Arbeitsplatz doch im Kindergarten. Stell dir mal vor, ich würde jeden Tag mit dir in die Hasengruppe kommen."

Gut zu wissen: Erzählen Sie Ihrem Kind ruhig auch, dass Sie für Ihren Beruf erst lernen mussten - im Kindergarten, dann in der Schule und dann in der Lehre oder an der Universität. Falls Sie Trennungsschmerz hinter der Frage vermuten: Versichern Sie Ihrem Kind, dass es Sie bei Problemen immer anrufen kann (aber nur, wenn das wirklich geht).

Müsst ihr auch Mittagsschlaf halten?

"Das würde ich ja manchmal gern. Aber es ist besser, wenn ich nicht schlafe, sonst würde ich ja länger für meine Arbeit brauchen und später nach Hause kommen. Außerdem haben wir im Büro nicht so schöne Betten wie ihr im Kindergarten."

Gut zu wissen: Drei-, Vierjährigen zu vermitteln, dass in der Arbeitswelt ganz andere Regeln gelten als zu Hause, ist gar nicht so einfach. Aus Befragungen weiß man: Selbst viele Schulkinder haben keine Ahnung, was ihre Eltern beruflich machen.