Elternzeit
 
Für Frauen eine Falle?

Frauen planen bis zum ersten Kind, Männer fangen danach erst an, sagt ein weises Sprichwort. "Fatal", sagt Daniela Steinle, Renten- und Vorsorge-Expertin bei einem großen deutschen Versicherungsunternehmen. Gerade wenn Kinder kommen, müssen Frauen weiter denken als bis zur nächsten Breimahlzeit. Warum, erklärt sie im Interview.

"Verlassen Sie sich nicht auf die gesetzliche Rente!"

Renten-Expertin Daniela Steinle
Renten-Expertin Daniela Steinle

Frau Steinle, Sie sprechen von einer Freiraum-Falle, in die Frauen mit Kindern tappen? Was meinen Sie damit?
Vor allem wenn Kinder kommen, geraten viele Frauen in eine finanzielle Abhängigkeit: Er verdient, sie steigt aus beziehungsweise arbeitet in Teilzeit erst mal viel weniger. Und die Falle schnappt zu.

Beschreiben Sie uns die Fallen ...
Ich nenne Ihnen drei Fallen: niedrigeres Gehalt, Auszeiten durch Kindererziehung, finanzielle Nachteile durch Scheidung. Deshalb bekommen Männer heute durchschnittlich 1.021 Euro Rente. Frauen 534. Und das sind keineswegs nur die Hausmuttis der 60er Jahre. Momentan geht die Generation in Rente, die in den 70er Jahren Eltern wurden. Da war es durchaus schon üblich, nach einer Zeit wieder in den Beruf (Teilzeit) einzusteigen. Trotzdem springt am Ende nur so wenig Rente heraus. Weil die Frauen das Gehaltsniveau der Männer nie erreichten, Lücken in der Erwerbsbiografie haben, Karrierechancen verstreichen ließen.

Klingt eigentlich nicht nach einem vergangenen Modell. Viele leben heute so.
Den wenigsten ist bewusst, in welche Falle sie tappen, wenn sie wegen der Kinder zurückstecken.

Also Vollzeit weiter arbeiten?
Mit kleinen Kindern? Für viele keine Option. Nein, man sollte sich einfach nicht auf die gesetzliche Rente verlassen. Private Vorsorge ist unumgänglich. Frauen ist das zwar bewusst, sie unternehmen aber erst etwas, wenn die Kinder größer sind und sie Mitte 40. Dann ist wertvolle Zeit verstrichen. Es besteht großer Beratungsbedarf. Dabei ist es gar nicht so schwer, sich Freiräume für das Alter zu sichern. Schon kleine Sparbeträge können helfen. Doch Frauen verlassen sich immer noch zu sehr auf die Männer.

In der Elternzeit schon um die Rente kümmern? Babyjahre werden doch auch angerechnet?
Drei Jahre werden pro Kind angerechnet. Das macht drei Entgeltpunkte aus und ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Gut wäre, wenn man bestehende Verträge in der Elternzeit privat fortführen würde. Das muss nicht in gleicher Höhe sein. Möglich ist auch, Verträge ruhen zu lassen, dann hat man sich zumindest erst einmal den Bestand gesichert.

Was raten Sie weiter?
Ich rate unbedingt zu riestern. Auch in der Erziehungszeit ist man zulageberechtigt. Schon ab fünf Euro Investition im Monat bekommt man jährlich 154 Euro Grundzulage und 300 Euro pro Kind. Über solche Details sind viele nicht informiert. Mein zweiter Rat: betriebliche Altersvorsorge initiieren. Der Arbeitgeber ist gesetzlich dazu verpflichtet, seinen Mitarbeitern einen Zugang zu betrieblicher Altersversorgung zu ermöglichen. Wenn man Glück hat, zahlt er sogar einen Zuschuss. Vor Steuern. Das sollten Frauen frühzeitig mit dem Arbeitgeber klären. Drittens: Private Verträge, sie gewähren volle Flexibilität.

Informationen zum Thema "Vorsorge in der Elternzeit"

Weitere Informationen und Beratung bekommen Sie auch unter: www.freiraum-fuers-leben.de