Arbeitswelt
 
Eltern sind ein Gewinn für Unternehmen

Für jede Firma das ideale Work-Life-Balance-Modell

Manche Bundesländer fördern die Zertifizierung der Firma

Manche Firmen würden Familien zwar gern fördern, wissen aber nicht so recht, wie. Die gemeinnützige Hertie-Stiftung hat dafür das "audit berufundfamilie" ins Leben gerufen: ein Verfahren, bei dem für jede Firma nach individuellen Lösungen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie gesucht wird. Dazu kommt ein unabhängiger "Auditor" ins Unternehmen und erarbeitet in enger Abstimmung mit den Mitarbeitern eine betriebseigene Strategie zur so genannten "Work-Life-Balance". Die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft empfehlen das Audit, das in allen Branchen und Betriebsgrößen einsetzbar ist. Die Schirmherrschaft haben übrigens Familienministerin Ursula von der Leyen und Wirtschaftsminister Michael Glos übernommen.

Falls die Firma das Konzept erfolgreich umsetzt, bekommt sie ein Grundzertifikat. 1999 wurde das zum ersten Mal verliehen, mittlerweile ist es in ganz Europa anerkannt. Lange auf ihren Lorbeeren ausruhen können sich die Zertifikats-Träger jedoch nicht: Die praktische Umsetzung wird jährlich überprüft, nach drei Jahren muss das Unternehmen bei einer Re-Auditierung weiterführende Ziele vereinbaren und umsetzen. Erst dann darf sie das eigentliche Zertifikat und damit das Gütesiegel des "audit" führen - bis zur nächsten Überprüfung nach drei Jahren.

Bisher wurden bereits mehr als 500 Unternehmen, Institutionen und Hochschulen auditiert und dabei über 150 unterschiedliche Maßnahmen entworfen. Dazu gehören zum Beispiel fast 40 Prozent aller Dax-Unternehmen, 20 Prozent aller deutschen Hochschulen sowie die gesamten Landesregierungen in Hessen und Rheinland-Pfalz. Manche Bundesländer fördern die Auditierung finanziell, vor allem kleiner und mittelständischer Unternehmen.

Beispiel Eins: Krippe, Sommercamp und "Bärenhöhle"

Um Beschäftigten mit Kleinkindern den Wiedereinstieg zu erleichtern, hat beispielsweise die MVV Energie AG in Mannheim Mitarbeiter bei der Gründung einer Elterninitiative unterstützt. Sechs Erzieherinnen betreuen in der Krippe "Die kleinen Stromer e.V." 20 unter dreijährige Kinder. Die Betreuungseinrichtung liegt nur einige hundert Meter entfernt vom Betrieb, hat von 7:30 bis 17 Uhr geöffnet und bleibt nur am Jahresende zwei Wochen lang geschlossen. Das pädagogische Konzept haben die Eltern selbst entwickelt. Auch an die Größeren wurde gedacht: In einem dreiwöchigen Camp werden Schulkinder in den Sommerferien durch den TSV Mannheim betreut, mittlerweile auch in zwei Nachbarstädten.