Gehalt
 
Warum Frauen immer noch weniger verdienen

In Deutschland ist der Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen noch immer hoch - und das hat weitreichende Konsequenzen, auch für Familien.

Wie groß sind die Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen?

Gehalt: Warum Frauen immer noch weniger verdienen

Frauen verdienen in Deutschland bis zu einem Viertel weniger als Männer: Dem Statistischen Bundesamt zufolge beläuft sich der Einkommensunterschied in der Privatwirtschaft auf rund 23 Prozent.

Große Unterschiede zwischen den Gehältern männlicher und weiblicher Arbeitnehmer gibt es etwa im Wirtschaftszweig "Erziehung und Unterricht". Grund sei unter anderem, dass Frauen eher in den niedrig bezahlten Erziehungsberufen tätig seien, während Männer überdurchschnittlich oft die vergleichsweise hoch entlohnten Tätigkeiten ausübten, beispielsweise als Lehrpersonal an Fachhochschulen und Universitäten.

Und: Zwar beträgt der Verdienstunterschied zwischen Männern und Frauen in den neuen Bundesländern "nur" sechs Prozent - das liegt jedoch vor allem daran, dass die Löhne der Männer in Westdeutschland deutlich höher sind als die im Osten.

Zur Berechnung des Verdienstabstandes zwischen Frauen und Männern, dem so genannten Gender Pay Gap, wurde zunächst der Durchschnittsverdienst aller Arbeitnehmer beziehungsweise Arbeitnehmerinnen verglichen. Dabei wurde auch der Teil des Verdienstunterschieds erfasst, der durch schlechtere Zugangschancen von Frauen hinsichtlich bestimmter Berufe oder Karrierestufen verursacht wird. Diese unbereinigten Daten wurden dann noch einmal weitergehend untersucht - dabei konzentrierten sich die Statistiker auf den Verdienstabstand von Männern und Frauen mit vergleichbaren Qualifikationen, Tätigkeiten und Erwerbsbiographien.

Doch egal, welche Zahlen man zugrunde legt: Im internationalen Vergleich steht Deutschland schlecht da. Eine OECD-Studie etwa stellte beim Vergleich von 34 Industriestaaten fest, dass das Lohngefälle zwischen Männern und Frauen in keinem anderen europäischen Land so groß sei wie bei uns in Deutschland.

Und das, obwohl Frauen heute im Schnitt mit besseren Abschlussnoten die Schule verlassen, öfter Abitur machen als ihre männlichen Mitschüler und auch im Studium erfolgreich sind. Lohnen tut sich das aber für sie nicht - bei Hochschulabsolventen und Führungskräften klafft die Schere zwischen männlichen und weiblichen Gehältern ebenfalls weit auseinander. Eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hat festgestellt, dass im Jahre 2010 vollzeitbeschäftigte Frauen in Führungspositionen im Schnitt 3.860 Euro verdiente, ihre männlichen Kollegen jedoch rund 4.900 Euro. Zwar sei die Differenz im Vergleich mit den Daten aus dem Jahre 2001 um 200 Euro gesunken - doch noch immer würden Beamtinnen im höheren Dienst, Geschäftsführerinnen oder Abteilungsleiterinnen durchweg schlechter bezahlt als Männer in vergleichbaren Positionen.

Woran liegt es, dass Frauen so schlecht bezahlt werden?

Treten Frauen bei Gehaltsverhandlungen zu bescheiden auf?

Woran liegt es, dass Frauen hierzulande auch bei gleicher Qualifikation oftmals weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen? An der Wahl typisch "weiblicher Berufe" wie der Arzthelferin oder der Erzieherin, die generell schlecht bezahlt werden, alleine kann es nicht liegen. Denn viele Studien vergleichen ja die Gehälter in ein und derselben Position.

Treten Frauen vielleicht bei Gehaltsverhandlungen einfach nur zu bescheiden auf? Sicher mag auch dies eine Rolle spielen. Die Hauptursache für die ungleiche Entlohnung der Arbeit von Männern und Frauen dürfte jedoch immer noch in einer Arbeitswelt zu suchen sein, die vollen Einsatz für die Firma honoriert, andere Lebensentwürfe wie etwa die Familiengründung jedoch kaum zulässt, wenn man Karriere machen möchte.

Ist Teilzeitbeschäftigung ein Gehaltskiller für Frauen?

Für Frauen, zumal in den westdeutschen Bundesländern, kommen der Karriere- und damit auch der Gehaltsknick mit der Geburt des ersten Kindes. Die oftmals schlechten Betreuungsmöglichkeiten lassen höchstens zu, Teilzeit arbeiten zu gehen. Auch in Sachen Teilzeitbeschäftigung von Frauen gehört Deutschland nämlich zu den Spitzenreitern: Dem Statistischen Bundesamt zufolge arbeiten hierzulande von den 69,6 Prozent der berufstätigen Frauen im Alter von 20 bis 64 Jahren beinahe 46 Prozent Teilzeit - also fast die Hälfte! Zum Vergleich: Im EU-Durschnitt liegt die Quote bei 30,8 Prozent.

Viele Frauen scheiden sogar zumindest eine Zeit lang komplett aus dem Erwerbsleben aus, wenn die Kinder kommen. Nach der Rückkehr steigen sie nur selten auf dem vorherigen Gehaltsniveau wieder ein. Zudem können Frauen nach einem familienbedingten Jobwechsel auch nicht auf eine lange Betriebszugehörigkeit pochen - für Männer ein häufiges Argument, ein paar Prozente mehr herauszuschlagen. Und: So manche Frau nimmt zugunsten der Vereinbarkeit von Beruf und Familie eine gering bezahlte Stelle an, bei der sie im Gegenzug mehr Zeit für die Kinder hat.

Kein Wunder also, dass sich das Gehaltsgefälle zwischen den Geschlechtern mit zunehmendem Alter noch verstärkt: Während Frauen in der Altersgruppe zwischen 25 bis 29 Jahren beispielsweise 2006 im Schnitt dem Statistischen Bundesamt zufolge "nur" zehn Prozent weniger verdienten als gleichaltrige Männer, lag der Verdienstunterschied bei den 30- bis 34-Jährigen bereits bei 15 Prozent.

Welche Konsequenzen hat das niedrigere Einkommen für die Frauen?

Mit Blick aufs Konto zurück zu traditionellen Rollenmustern

Klar, weniger Gehalt für die gleiche Arbeit zu bekommen, ist ungerecht. Für viele Frauen hat dieser Fakt aber weitreichende Konsequenzen: Das beginnt schon bei der Hochzeit. Ein Großteil der Ehepartner nimmt das Ehegattensplitting in Anspruch, bei dem derjenige, der weniger verdient, zugunsten des anderen in eine ungünstigere Steuerklasse V wechselt. Und das ist bekanntlich leider oft die Frau. Warum die sich damit in den meisten Fällen keinen Gefallen tut, können Sie übrigens hier nachlesen.

Nach ähnlichen Kriterien entscheiden dann viele junge Paare auch, wer nach der Geburt des Kindes zunächst zuhause bleibt beziehungsweise seine Berufstätigkeit längerfristig reduziert. Es klingt ja auch sehr rational: Wer weniger Geld nach Hause bringt, bleibt erst mal zu Hause beim Kind, der andere versorgt die Familie. Und da in vielen Fällen nun mal der Mann schon immer das höhere Einkommen aufwies, hat die Familiengründung für seine Karriere meist kaum Konsequenzen. So führt die ungleiche Bezahlung unter Umständen dazu, dass mit Blick aufs Konto auch Eltern in traditionelle Rollenmuster verfallen, die sie eigentlich für sich längst überwunden glaubten. Dass Frauen so auch deutlich weniger Renten-Ansprüche erwerben und viel stärker von Altersarmut bedroht sind, ist da nur ein weiterer Aspekt

Werden Frauen irgendwann genauso viel verdienen wie Männer?

Bleibt zu hoffen, dass sich die große Kluft zwischen den Gehältern von Männern und Frauen doch irgendwann schließt: Die frühere Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) etwa baute bei der von ihr forcierten Einführung von Elterngeld und Vätermonaten darauf, dass in nicht allzu ferner Zukunft die babybedingte Auszeit kein Grund für die berufliche Benachteiligung von Frauen mehr sein müssten.

Was ihr damals Mut machte: Eine Studie, der zufolge nicht nur die Frauen, sondern auch die Männer die niedrigere Entlohnung weiblicher Berufstätiger als ungerecht empfinden würden. Beide Geschlechter hatten in dieser Umfrage gefordert, dass sich die Bezahlung rein an der Leistung orientieren sollte. Und: 85 Prozent der Befragten waren der Meinung, dass Männer eher in Elternzeit gehen würden, wenn der Gehaltsunterschied zwischen ihnen und ihrer Partnerin nicht so gravierend wäre.