Studieren mit Kind
 
"Um die Studenten kümmert sich niemand!"

Nesrin Amoury studiert Medizin - und zieht ihren zweijährigen Sohn Fabius groß. Hier erzählt die 24-Jährige von dem täglichen Wahnsinn zwischen Hörsaal, Kita und Nebenjob - und warum sie sauer auf Ursula von der Leyen ist.

Ein Tag zwischen Hörsaal und Spielplatz

Studieren mit Kind: "Um die Studenten kümmert sich niemand!"

"Ich wollte immer Kinder, aber eigentlich erst nach meinem Studium. Fabius war also nicht geplant. Ich studiere Medizin in Halle an der Saale. Eigentlich bin ich im zwölften Semester, also kurz vor dem Abschluss. Doch weil ich wegen meines Sohnes noch nicht alle nötigen Scheine beisammen habe, bin ich im Grunde erst im zehnten.

Im Moment bin ich quasi allein erziehend, weil mein Freund - er ist Pharmazeut - in Jena arbeitet und wochentags dort auch wohnt. Damit bleibt natürlich fast alles an mir hängen. Nach der Uni hole ich Fabius aus dem universitätseigenen Kindergarten ab, dann wird eingekauft. Wenn ich noch die Kraft habe, gehen wir anschließend auf den Spielplatz oder bauen riesige Türmchen zu Hause. Dann wird gegessen und gegen 19 Uhr geht der Kleine ins Bett. Den Haushalt muss ich auch noch irgendwie bewältigen - das zieht sich dann oft bis in die späten Abendstunden. Mit dem Kind zuhause lernen ist kaum möglich, deshalb muss ich mir noch Arbeitsphasen in der Bibliothek freischaufeln. Da ich gerade an meiner Doktorarbeit schreibe, sind diese Zeiten für mich natürlich immens wichtig.

Ach ja, und dann singe ich auch noch einmal in der Woche im Chor - die Zeit dafür schaufele ich mir auch noch frei. Das geht aber auch ganz gut, weil der Chor total kinderfreundlich ist: Die Kleinen dürfen sogar mit zur Probe!

Von der Kita ins Seminar und wieder zurück

Die meisten Dozenten haben viel Verständnis

Im Prinzip habe ich direkt nach Fabius' Geburt weiterstudiert, anfangs habe ich allerdings nur fünf Wochenstunden belegt. Ich habe das auch mit meiner Koordinatorin abgesprochen, dass ich die Scheine dann nachhole. Im folgenden Semester bin ich dann wieder voll eingestiegen, nächstes Semester werde ich versuchen, die Scheine nachzuholen. Das ist aber gar nicht so einfach, denn die Seminar - und Praktikumszeiten sind einfach nicht sehr kinderfreundlich. Manche Seminare oder Praktika beginnen erst um 19 Uhr.

Problematisch ist es auch, wenn ein Dozent mal zu spät kommt und die Zeit anschließend hinten dran hängt - wobei die meisten Verständnis dafür haben, wenn ich dann eher gehen muss, um Fabius abzuholen. Aber spätestens wenn das Kind einmal krank ist, verpasst man ganz schnell so viel von einem Kurs, das man ihn wiederholen muss.

Anfangs hatten wir noch nicht einmal einen Krippenplatz für den Kleinen. Zum Glück haben meine Eltern und auch ab und zu mal meine Großeltern auf den Filius aufgepasst haben. Jetzt haben wir zum Glück einen Platz in der Kita vom Studentenwerk. Die Erzieherinnen dort sind schon nett und bemühen sich auch, die Kinder so gut wie möglich zu fördern. Die Kita hat auch von 6.30 Uhr morgens bis um 17 Uhr geöffnet, das ist ja schon mal gut. Aber dann sollten die Kinder schon auch pünktlich abgeholt werden - darauf wird auch hingewiesen. Wenn man vorher anrufen und Bescheid sagen würde, dass es ein wenig länger dauert, wäre das jedoch in Ordnung. Kürzlich gab es eine Umfrage unter den Eltern, ob sie längere Öffnungszeiten befürworten würden. Aber ich glaube nicht, dass die kommen werden.

zurück 12