Arbeitsorganisation
 
Überstunden, nein danke!

"Endlich pünktlich Feierabend!" Das wünschen sich gerade berufstätige Eltern. Jeder Beschäftigte hat im vergangenen Jahr 41,8 Stunden mehr gearbeitet als in seinem Vertrag steht. Aber was darf der Chef genau verlangen?

Wie viel Mehrarbeit darf der Arbeitgeber verlangen?

Arbeitsorganisation: Überstunden, nein danke!

In einigen Verträgen steht, dass "alle Überstunden mit dem Honorar abgegolten sind". Das ist eigentlich nicht zulässig. Nach dem Arbeitszeitgesetz sind höchstens zehn Stunden am Tag beziehungsweise 60 Stunden in der Woche bei sechs Arbeitstagen erlaubt - bei Teilzeitarbeitskräften nur die Hälfte. Danach ist Schluss. Ausnahme: einige Tarifverträge.

Überstunden werden durch Freizeit abgegolten und nur, wenn das nicht geht, ausbezahlt. Allerdings muss der Arbeitgeber die Mehrarbeit verlangen oder darüber informiert sein. Wenn Sie freiwillig länger im Büro sitzen, haben Sie keinen Anspruch auf Ausgleich.

Darf man Überstunden verweigern?

Wenn Sie gute Gründe haben (zum Beispiel bei einer Operation oder einem Unfall Ihres Kindes) können Sie Überstunden ablehnen. Aber Achtung: Ein zahnendes oder weinendes Kind ist kein Anlass, früher zu gehen. Sich bereits bei ein oder zwei anfallennden Stunden zu weigern, ist heikel und kann bei dringenden betrieblichen Gründen zur Kündigung führen. Denn wenn es Engpässe gibt, etwa zur Urlaubszeit oder bei einer gestiegenen Auftragslage, darf Ihr Chef von Ihnen verlangen, dass Sie länger bleiben.

Wie finde ich mit Chef und Kollegen vernünftige Lösungen?

  • Bitten Sie einen Kollegen um Unterstützung. Bieten Sie im Gegenzug an, auch für ihn Aufgaben zu erledigen.
  • Kümmern Sie sich um eine gute Kinderbetreuung, die auch in Notfällen funktioniert.
  • Bevor Sie sich wehren, versuchen Sie, Ihre Arbeit straffer zu organisieren: Können Sie Abläufe beschleunigen? Welche Aufgaben haben Vorrang, welche können warten? Was können Sie delegieren?
  • Sprechen Sie mit Ihrem Chef. Werben Sie ein, höchstens zwei Mal mit knappen Worten um Verständnis für Ihre Situation als Elternteil und sagen Sie ihm, dass Sie Ihre Arbeit im Griff haben, aber sich Überstunden trotzdem nicht vermeiden lassen. Wenn er hinter Ihnen steht, akzeptieren die Kollegen Ihre Situation leichter.
  • Wenn er das Pensum trotzdem weiter verlangt, ist es besser sich nach einem anderen Arbeitsplatz umzusehen. Das ist besser für Sie und Ihre Familie.
  • Übrigens: Es ist nicht klug, im Job darauf hinzuweisen, dass man Mutter beziehungsweise Vater ist und sich etwa gerade die Nacht um die Ohren geschlagen hat. Wenn Sie sich zu oft beklagen, schafft das Unmut bei den Kollegen.