Fortbildung
 
Wie bilde ich mich weiter?

Ob für den Wiedereinstieg nach der Elternzeit oder zur Verbesserung der Karrierechancen, ob nach Feierabend, am Wochenende oder ganztags - wie Sie sich optimal weiterbilden. Und wie der Staat Ihnen künftig hilft.

Immer wichtiger: lebenslanges Lernen

Fortbildung: Wie bilde ich mich weiter?

Drei Jahre Auszeit vom Beruf und dann? Viele Frauen befürchten, nach der Elternzeit den Anschluss an das Berufsleben verloren zu haben, und möchten sich neben Hausarbeit und Kinderbetreuung gezielt auf die Zeit "danach" vorbereiten.

Der Bericht zur Elternzeit des Bundesfamilienministeriums bestätigt das: 75 Prozent der deutschen Mütter wünschen sich, die Elternzeit auch für ihre berufliche Fortbildung zu nutzen. Die Daten des aktuellen Gesamtberichts belegen die allgemein hohe Akzeptanz von Weiterbildung: Pro Jahr nehmen gut 20 Millionen Menschen an Weiterbildungsmaßnahmen teil, davon befinden sich eine Million in der Elternzeit.

Ob Business-Englisch oder neue Präsentationstechniken - bei der Suche nach einer Fortbildung haben Arbeitnehmer die Qual der Wahl. Wenn auch Sie sich für eine Fortbildung interessieren, sollten Sie sich zunächst folgende Fragen beantworten:

  • In welchem Bereich will ich beruflich topfit sein? Wo muss ich nachbessern, wenn ich weiterkommen will?
  • Wie lerne ich am besten: allein zu Hause oder in der Gruppe?
  • Welche Möglichkeiten kommen für mich in Frage: Weiterbildung im Betrieb? Fernlehrgang oder Zusatzstudium? Ein Praktikum im Ausland?
  • Wo kann ich mich über Kursanbieter und Förderungsmöglichkeiten informieren?

Wie finde ich den richtigen Kurs?

Wer sich online über Weiterbildungsangebote informieren will, wird beispielsweise hier fündig:

Urlaub - der Bildung wegen

Bildungsurlaub: Wer sich beruflich oder politisch schlau machen will, bekommt dafür im Durchschnitt fünf Arbeitstage pro Jahr frei - zusätzlich zum regulären Urlaub.

Wer in welchem Zeitraum wie viel Bildungsurlaub nehmen darf und welche Angebote anerkannt werden, ist von Land zu Land verschieden. Wenn im Betrieb gerade zuviel zu tun ist oder schon andere Mitarbeiter Urlaub beantragt haben, müssen Sie Ihren Bildungsurlaub möglicherweise verschieben.

Lernen im Betrieb

Laut einer Studie des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft bilden sich etwa drei von vier Beschäftigten über betriebliche Fortbildungsangebote, wie einen Sprachkurs weiter.

Vorteil: Betriebliche Weiterbildungen stärken die Anbindung an die Firma - gerade während der Babypause ist dies sehr wichtig. Feste Unterrichtszeiten, wie beispielsweise bei Maßnahmen der Arbeitsagentur, erleichtern das Lernen. Außerdem bekommen Sie so Kontakt zu Gleichgesinnten, mit denen Sie sich austauschen können. Ein weiteres Plus: Diese Formen der Weiterbildung werden oft finanziell gefördert oder sind sogar kostenlos.

Nachteil: In Zeiten, in denen Firmen verstärkt Kosten sparen, schlägt dies natürlich auch auf die Bereitschaft der Unternehmen, ihren Mitarbeitern während der regulären Arbeitszeit eine Weiterbildung zu finanzieren, durch. Fast ein Viertel aller Kursstunden absolvieren die Teilnehmer mittlerweile außerhalb ihrer Arbeitszeit. Vor zehn Jahren war es nur jede zehnte Kursstunde.

Weiterbildung auf eigene Faust

Arbeitgeber sehen in Fernkurs-Absolventen ehrgeizige Mitarbeiter

Wer sich auf eine solche Fortbildung einlässt, muss bereit sein, das Privatleben eine Weile einzuschränken. Doch zahlt sich die Anstrengung später meistens aus. Vor Beginn geht's zunächst um die entscheidende Frage: Wo lerne ich was zu welchen Konditionen? Das ist auf Anhieb gar nicht so leicht zu beantworten. Über 35.000 Anbieter und 500.000 Lehrgänge stehen in Deutschland zur Auswahl. Auskünfte erteilen unter anderem die Arbeitsämter, Kammern und Innungen oder Berufsverbände. Auch Freundinnen und Kollegen können einen guten Rat geben. Ein bundeseinheitliches Gütesiegel gibt es leider noch nicht, wohl aber Qualitätskontrollen in einzelnen Bereichen.

Vorteil: Man sucht sich die Art von Weiterbildung aus, die tatsächlich zu einem passt. Und: So viel Eigeninitiative sehen Personalchefs gerne.

Nachteil: Zeitmangel, Müdigkeit und Motivationskrisen sind ständige Begleiter während einer Weiterbildung nach Feierabend oder am Wochenende.

Ein Klassiker: Fernunterricht

Das Angebot der rund 200 Veranstalter ist mit etwa 1.200 Fern-Lehrgängen ebenso vielfältig wie die Kosten-Gestaltung: durchschnittlich 4.000 Euro fürs Abitur oder circa 1.250 Euro für die zwölfmonatige Qualifikation zur Personalfachkauffrau. Diese Gebühren können auch in Raten gezahlt werden.

Vorteil: Sie lernen unabhängig von Stundenplänen und festen Kurszeiten - eine gute Chance, sich neben der Arbeit flexibel für den Aufstieg vorzubereiten. Viele Arbeitgeber sehen in Fernkurs-Absolventen gut organisierte, disziplinierte, stressfeste und ehrgeizige Mitarbeiter.

Nachteil: Sie dürfen kein Problem damit haben, überwiegend alleine und fast nur mit schriftlichem Material zu lernen.

E-Learning

Die beste Lösung für alle, die flexible Lernzeiten wünschen und Anfahrtswege zum Kursort scheuen. Nur geeignet für Lernwillige, die gerne am PC arbeiten und sich im Internet zu hause fühlen. Wie das Ganze funktioniert, wird beispielsweise vom Institut für berufliche Bildung und Weiterbildung e.V. in Göttingen im Internet demonstriert.

Vorteil: Wie bei allen Fortbildungsangeboten ohne Präsenz sind Sie flexibel, was Ihre Lernzeiten angeht - und preiswerter ist es meistens auch.

Nachteil: Auch hier ist wieder ein hohes Maß an Selbstdisziplin gefragt.

Fortbildung im Ausland

Ein Auslandsaufenthalt macht sich gut im Lebenslauf

Inzwischen existieren zahlreiche Programme, die zum Teil auch subventioniert sind. Größter Anbieter beruflicher Auslandsfortbildung ist die InWent - Internationale Weiterbildung und Entwicklung gGmbH . Ihr Katalog umfasst zahlreiche Programme: vom Training-on-the-Job in den USA bis zur Praxiserfahrung in Fernost, vom kaufmännischen bis zum technischen Bereich, von Programmen für Archäologen bis zu solchen für Zimmerleute. Sie dauern einige Wochen, manchmal aber auch mehrere Monate, und werden gefördert von Bund und Ländern, von der EU und privaten Stiftungen.

Vorteil: Ein Auslandsaufenthalt im Lebenslauf ist fast ebenso wichtig wie eine gute Abschlussnote. Und vor allem eine Sprache lernt man nirgendwo so gut und so schnell wie in dem jeweiligen Land.

Nachteil: Für eine Fortbildung im Ausland, etwa einen Sprachurlaub, muss man erst mal das nötige Geld haben. Und die Zeit: Vor allem junge Mütter, die sich auf die Rückkehr in den Beruf vorbereiten, werden kaum die Möglichkeit haben, eine Kinderbetreuung für einen zweiwöchigen Sprachkurs in Andalusien zu organisieren.

(Fern-)Studium mit und ohne Abi

Ein Klassiker in Deutschland ist die Fern-Universität Hagen. Sie bietet über 20 Bachelor-, Master- und Diplomstudiengänge aus vier Fachbereichen sowie Fernstudienkurse zur Weiterbildung an. Mehr als 45.000 Studierende sind allein bei den Wirtschaftswissenschaften eingeschrieben. An dem Projekt "Virtuelle Fachhochschule" sind Hochschulen und Unternehmen aus sieben Bundesländern beteiligt.

Weiterbildung ohne Abitur: In vielen Bundesländern kann man auch ohne Abitur studieren - zum Beispiel nach einer Meisterprüfung oder einer Studienprobezeit. Die Hamburger Hochschule für Wirtschaft und Politik wurde speziell für Leute ohne Hochschulreife gegründet. Nach einer Aufnahmeprüfung steht ihnen zum Beispiel der Weg zur Diplom-Betriebs- oder -Volkswirtin (sechs Semester) oder zur Sozialökonomin (neun Semester) offen. Neben einem Vollzeit- ist auch ein Teilzeitstudium für Berufstätige möglich.

Vorteil: Ein Studium öffnet einem im Berufsleben so manche Tür. Und es trägt auch zur Persönlichkeitsbildung bei.

Nachteil: Wenn schon "Nur"-Studenten, die noch im Hotel-Mama wohnen, unter dem Druck an der Uni stöhnen, sollte man sich darüber klar sein: Neben dem Hauptjob oder der Versorgung eines kleinen Kindes ein Studium durchzuziehen, ist extrem anstrengend. Hinzu kommt: Viele Bundesländern verlangen mittlerweile Studiengebühren. Und wer an ein früheres Studium jetzt einen Master dranhängen will, muss ebenfalls fast immer tief in die Tasche greifen: Kosten von 20.000 Euro sind keine Seltenheit!

Woran erkenne ich eine gute Fortbildung?

Bevor Sie sich für einen Kurs entscheiden, sollten Sie mehrere Anbieter vergleichen und auch das "Kleingeduckte" genau lesen. Am besten lassen Sie sich Informationsmaterialien von verschiedenen Anbietern zusenden. So erhalten Sie einen ersten Eindruck über den Aufbau der Weiterbildung, über Materialien, Umfang und Ziel des Angebots. Bevor Sie einen Vertrag unterzeichnen, sollte klar sein:

  • Wie ist der Kurs gegliedert?
  • Erlangen Sie einen anerkannten Abschluss?
  • Erfüllen Sie alle Voraussetzungen für die Weiterbildung?
  • Wird die Abschlussprüfung vom Anbieter abgenommen oder müssen Sie sich extern prüfen lassen?
  • Können Sie bei Lernproblemen Kontakt zu Dozenten und Tutoren aufnehmen?
  • Gibt es Lerngruppen?
  • Wie hoch sind die Kosten? Fallen zusätzliche Kosten für Unterrichtsmaterialien oder Prüfungen an? Als Anzahlung sollten stets zehn Prozent genügen.
  • Sind im Vertrag akzeptable Rücktritts- oder Kündigungsbedingungen vorgesehen - zum Beispiel bei Krankheit? Wichtig: Rücktrittspauschalen dürfen dann nicht berechnet werden, wenn sich ein Ersatz-Teilnehmer findet.
  • Kann der Kurs auch vom Arbeitsamt gefördert werden - zum Beispiel bei Arbeitslosen oder Wiedereinsteigerinnen? Bei solchen Lehrgängen ist unter anderem sichergestellt, dass sie "eine erfolgreiche berufliche Bildung erwarten lassen" oder "nach Lage und Entwicklung des Arbeitsmarktes zweckmäßig" sind.
  • Wie empfinden Sie die Atmosphäre und den Umgangston im Weiterbildungsinstitut? Wie sehen die Schulungsräume aus? Ist die Einrichtung antiquiert und aus Restbeständen zusammengewürfelt? Oder wirkt es zweckmäßig und modern - inklusive der technischen Ausstattung?
  • Der Deutsche Fernschulenverband hilft, das Fernschulenangebot zu prüfen.

Wer trägt die Kosten?

Nach dem Sozialgesetzbuch (SGB III) gelten Berufsrückkehrerinnen als besonders förderungsbedürftig. Deshalb soll durch einen Eingliederungszuschuss der Einstieg ins Berufsleben erleichtert werden. Eine frühzeitige Rücksprache mit dem Arbeitsamt ist deshalb wichtig. Denn Sie haben nur Anspruch auf eine Förderung, wenn der Arbeitsberater dem Lehrgang zugestimmt hat. Deshalb: Nie ohne diese Zustimmung den Vertrag für einen Kurs unterschreiben, sonst dürfen Sie selbst zahlen! Generell haben Sie auf die Fördermittel keinen rechtlichen Anspruch - sie können gewährt werden:

  • Unterhalt oder Teilunterhaltsgeld (vergleichbar mit dem Arbeitslosengeld), wenn Sie innerhalb der letzten drei Jahre mindestens zwölf Monate sozialversicherungspflichtig gearbeitet haben.
  • Lehrgangsgebühren, Kosten für Lernmittel, Prüfungsgebühren.
  • Fahrtkosten.
  • Kosten für auswärtige Unterbringung und Verpflegung.
  • Kinderbetreuungskosten bis zu 120 Euro pro Monat und Kind.

Übrigens: Nicht jeder Weiterbildungslehrgang muss zu hundert Prozent aus eigener Tasche bezahlt werden. Häufig beteiligt sich der Arbeitgeber an den Kosten. Und wenn Sie das Finanzamt davon überzeugen, dass Sie mit einem Kurs beruflich auf dem Laufenden bleiben, können Sie Ihre eigenen Ausgaben als Werbungskosten absetzen.

Ab Oktober will die Bundesregierung Arbeitnehmer mit schmalem Geldbeutel übrigens mit einer Bildungsprämie zur Weiterbildung motivieren. Interessierte müssen dabei zunächst bei einer Hotline anrufen und klären, ob die Voraussetzungen für die Prämie (Einkommensgrenze bei Singles 17.900 Euro, bei Ehepaaren 35.800 Euro) erfüllt sind und die gewünschte Weiterbildung sinnvoll ist.

Anschließend soll der Telefon-Berater den Anrufer an einen Bildungsanbieter in seiner Region vermitteln. Das kann die Volkshochschule, eine Industrie- und Handelskammer oder ein privater Anbieter sein. Dort findet ein Gespräch statt. Fällt die Entscheidung positiv aus, erhält der Interessent nach den Plänen der Großen Koalition einen Gutschein über maximal 154 Euro.

Den legt er bei seinem Kursanbieter vor und zahlt den Rest der Rechnung selbst. Wichtig: Der Staat übernimmt maximal 50 Prozent der Kosten. Der Teilnehmer muss also immer mindestens die Hälfte der Gebühren selbst zahlen. Gefördert werden nur Weiterbildungsangebote ab einem Preis von 30 Euro. Der Kursanbieter löst die Gutscheine bei einer Behörde ein, die den staatlichen Kostenanteil auszahlt.

Daneben soll es künftig möglich sein, für eine Weiterbildung einen zinsgünstigen Kredit der Staatsbank KfW zu bekommen oder seine Vermögenswirksamen Leistungen (VL) dafür zu einzusetzen. Dazu sollen sie bereits vor Ablauf der siebenjährigen Ansparfrist über das Geld verfügen können.