Faktorverfahren
 
Wird das Ehegattensplitting jetzt gerechter?

Steuerklasse V - dort landet so gut wie jede verheiratete Frau, die nach der Babypause wieder in Teilzeit einsteigt. Das Problem: Sie verdient viel weniger als ihr Mann, der in Steuerklasse III die Freibeträge für beide kassiert. Das neue Faktorverfahren soll Abhilfe schaffen und das Einkommen der Ehegatten bei der Lohnsteuerverteilung gerechter verteilen. Doch was bringt es wirklich?

Was Sie zum neuen Faktorverfahren wissen müssen:

Faktorverfahren: Wird das Ehegattensplitting jetzt gerechter?

Seit Anfang des Jahres gibt es für Eheleute eine neue Steuerkombination. Hier haben wir die wichtigsten Fakten für Sie zusammen gestellt - klicken Sie einfach auf den jeweiligen Link:

Ersetzt das Faktorverfahren das bisherige Ehegattensplitting?

Eheleute mit unterschiedlich hohen Gehältern kennen das Spiel um die bessere Steuerklasse: Wenn sie beide unbeschränkt steuerpflichtig sind, Arbeitslohn beziehen und nicht dauernd getrennt leben, können sie wählen, in welche Steuerklasse sie eingeordnet werden sollen. Als Faustregel galt und gilt, dass die Kombination III/V dann günstiger ist, wenn der Ehegatte mit dem geringeren Verdienst mindestens ein Drittel weniger verdient als der Ehegatte mit dem höheren Bruttogehalt. Meistens zieht dabei die wegen der Kinder nur Teilzeit arbeitende Frau den Kürzeren. Weil sie sehr hohe Steuern zahlen muss - und weil ihr Einkommen Grundlage für Lohnersatzleistungen wie Elterngeld und Arbeitslosengeld ist.

Seit Anfang des Jahres gibt es für Verheirate ein zusätzliches, drittes Verfahren zur Lohnsteuerverteilung. Neben den bisherigen Steuerklassenkombinationen III und V sowie IV und IV können sie sich nun auch für die Steuerklassenkombination IV-Faktor zu IV-Faktor entscheiden. Das so genannte Faktorverfahren soll zu einer gerechteren Verteilung der Steuerlast zwischen den Ehepartnern führen.

Wie funktioniert das Faktorverfahren?

Im Faktorverfahren wird für beide Ehegatten die Steuerklasse IV angewendet. Neu ist, dass bei jedem durch einen zusätzlichen, vom Finanzamt zu ermittelnden Faktor die ihm persönlich zustehenden Steuerentlastungen (Grundfreibetrag, Vorsorgepauschale, Kinder) bereits beim Lohnsteuerabzug berücksichtigt werden. Der Faktor errechnet sich aus dem Verhältnis der Einkommensteuer für beide und der Einkommensteuer bei Steuerklasse IV.

Was sind die Vorteile des Faktoverfahrens?

Mit dem Faktorverfahren verringert sich die Steuerlast um einen individuellen Faktor. Zusätzlich erhalten beide Partner ihren Grundfreibetrag.

Konkret: Wer nur 20 Prozent zum gemeinsamen Einkommen beiträgt, braucht danach auch nur 20 Prozent der gemeinsamen Lohnsteuer zahlen und nicht mehr 50 Prozent. Und von einem sehr kleinen Einkommen (maximal 900 Euro) wird gar nichts abgezogen.

Demnach haben die Eheleute jeden Monat mehr Netto vom Brutto. Die steuermindernden Abzüge werden beiden bereits beim Lohnsteuerabzug durch den Arbeitgeber zuteil. Im Gegenzug können Nachzahlungen aufgrund eines zu geringen Lohnsteuerabzuges vermieden werden.

Weitere Vorteile: Das Verfahren kann sich auf Lohnersatzleistungen wie Elterngeld oder Arbeitslosengeld auswirken: Bekommt der gering verdienende Partner durch das Faktorverfahren ein höheres Nettogehalt, erhöhen sich auch diese staatlichen Zahlungen.

Wichtig: Auch beim Faktorverfahren sind die Ehegatten verpflichtet, nach Ablauf des Jahres eine Einkommensteuererklärung abzugeben. Außerdem muss das Ehepaar den formlosen Antrag jährlich neu stellen.

Wo ist der Unterschied zwischen dem Faktorverfahren und der Steuerklassenkombination IV/IV?

Beim Faktorverfahren verbleibt monatlich ein höheres Nettogehalt bei beiden Arbeitnehmern als in den Steuerklassen IV/IV.

Lohnt sich das Faktorverfahren wirklich?

Klingt alles ziemlich kompliziert und bringt einen hohen bürokratischen Aufwand mit sich. Im Grunde verschiebt man die Steuerlast einfach von einem Gatten auf den anderen. Ein Lohnsteuer-Jahresausgleich durch den Arbeitgeber ist bei Anwendung des Faktorverfahrens nicht mehr möglich.

Ein weiterer Nachteil: Der Arbeitgeber kann anhand des auf der Lohnsteuerkarte eingetragenen Faktors durch simple Mathematik das gesamte Einkommen der Ehegatten ermitteln. Und diese Information kann entscheidend sein, wenn der Arbeitsplatz plötzlich auf der Kippe steht: Hat der Chef das Gefühl, die Familie käme auch mit einem Gehalt über die Runden, wird er sich vielleicht eher gegen den Erhalt der Stelle entscheiden.

Letztendlich bleibt die Steuerlast die gleiche. Nur die Lohnersatzleistungen erhöhen sich wirklich. Welcher Weg der richtige ist und Ehepaare steuerlich entlastet, müssen die Doppelverdiener also - wie gehabt - individuell entscheiden.

Wie kann ich feststellen, ob das Faktorverfahren für mich interessant ist?

Sie wollen Ihren persönlichen Faktor ermitteln? Hier geht’s zum Rechner des Bundesministeriums für Finanzen: www.abgabenrechner.de