Recht
 
"Dürfen die das eigentlich ...?"

"Unser Vermieter will, dass unsere Kinder (drei und sechs) in der Mittagszeit mucksmäuschenstill sind, anderenfalls droht er mit Kündigung - darf der das?"

Ja. Er wird aber wenig Erfolg haben, denn viele Gerichte haben in solchen Fällen zugunsten von Familien mit Kindern entschieden - so auch das Amtsgericht Hamburg-Wandsbek im Jahre 2003: Nachbarn wollten hier erreichen, dass eine Familie mit Kindern zur Ruhe verurteilt wird. Das Gericht wies die Klage ab und darauf hin, dass Geräusche wie Laufen, Trampeln, Kreischen oder Schreien hinzunehmen seien (Aktenzeichen 712 C 175/03). "Dabei ist es übrigens unerheblich, ob der Lärm aus der Wohnung, aus dem Treppenhaus, dem Hof oder Garten kommt", sagt Beatrix Zurek, Vorsitzende des Mietervereins München.

Ähnlich urteilten auch das Amtsgericht Frankfurt im Jahre 2005 (Az 33 C 3943/04-13) und das Landgericht Bad Kreuznach (Az 1 S21/01). Zwar betonen Richter immer wieder, dass Ruhezeiten nach Möglichkeit einzuhalten sind und Eltern darauf hinwirken sollten, dies aber mit Kindern unter sieben Jahren oft nur schwer möglich sei, denn ihnen fehle noch die Einsichtsfähigkeit dafür, dass ihr Spiellärm Mitmenschen belasten kann. Daher gilt für Kinder eine "erweiterte Toleranzgrenze".

Die endet übrigens beim Tennisspielen und Rollerskate-Fahren, dem Springen von Stühlen und Möbel-Umwerfen in der Wohnung. Dies müssen Nachbarn nicht ertragen, entschieden beispielsweise das Amtsgericht Celle (Az 11 C 1768/01(5) und das Oberlandesgericht Saarbrücken (ZMR 96, 566). In Streitfällen kann der Deutsche Kinderschutzbund helfen - er hat eine sogenannte "Kinderfreundliche Hausordnung" entwickelt.