Vaterschaftstest
 
Papa oder nicht Papa?

Männer, die an ihrer Vaterschaft zweifeln, können mittlerweile leichter Klarheit erlangen. Ein Familiengericht kann auch dann Tests veranlassen, wenn nicht alle Betroffenen zustimmen. Neues Gerichtsurteil: Vermeintliche Väter außerhalb der Familie dürfen nicht zum DNA-Test gezwungen werden.

Vaterschaftstest: Papa oder nicht Papa?
iStock, MaximFesenko

Ist ein heimlicher Vaterschaftstest künftig nicht mehr nötig?

Die beruhigende Nachricht vorweg: Rund 80 Prozent der durchgeführten Gentests bestätigen derzeit die Vaterschaft. Trotzdem lassen viele Männer sogar heimlich einen Vaterschaftstest machen, um sicher zu gehen, ob das Kind, das sie aufziehen, tatsächlich von ihnen stammt. Nur: Wenn es um Unterhaltsansprüche geht, ist dieser heimliche Vaterschaftstest vor Gericht bislang als Beweismittel gar nicht zugelassen.
Und daran wird sich auch weiterhin nichts ändern. Der Grund: Bei einem heimlichen Vaterschaftstest stoßen zwei Grundrechte aufeinander: Das Recht des Kindes auf informationelle Selbstbestimmung und das Recht des Vaters auf Kenntnis der Abstammung des Kindes. Männer dürfen diese rechtliche Pattsituation nicht eigenmächtig durch einen heimlichen Test lösen.
Trotzdem stärkt das neue "Gesetz zur Klärung der Vaterschaft unabhängig vom Anfechtungsverfahren" die Rechte der Väter, die Gewissheit haben wollen: Beantragen künftig der Vater, die Mutter oder auch das Kind einen Vaterschaftstest, kann das Familiengericht diesen anordnen, sofern einer der betroffenen Familienmitglieder diesem nicht zustimmt. Denn der Gesetzgeber billigt Eltern wie Kindern ein Recht zu, die Frage der tatsächlichen Verwandtschaft zu klären. Ausnahme: Wenn das Wohl des Kindes durch die Untersuchung gefährdet wäre, kann das Verfahren ausgesetzt werden. Als Beispiel führt das Bundesjustizministerium ein magersüchtiges Mädchen an, deren Erkrankung sich durch die psychische Belastung durch den Test zu verschlimmern drohe.

Trotz negativem Vaterschaftstest Papa bleiben - ist das möglich?

Die alte Regelung zerreißt die Bindung zwischen Mann und Kind unwiderruflich

Eine weitere Neuerung: Die Feststellung der Vaterschaft und deren mögliche Anfechtung werden künftig nicht mehr zwingend aufeinander folgen. Bislang galt nämlich: Stellt sich heraus, dass der Mann nicht der Erzeuger des Kindes ist, sind dadurch auch automatisch all seine Rechten und Pflichten als Vater nichtig.

Das hat vor allem für das Kind dramatische Folgen: Es verliert seinen Unterhaltsanspruch, ist nicht mehr über den vermeintlichen Vater krankenversichert und hat keine Ansprüche mehr auf ein Erbe oder eine Waisenrente, falls der Mann stirbt. Nicht zu vergessen auch die emotionale Seite: Jahrelang haben Mann und Kind in dem Glauben gelebt, dass er der Vater sei - diese Bindung wird unwiderruflich zerrissen.

So bleibt es dem Mann überlassen, wie er auf ein negatives Testergebnis reagiert. Entscheidet er sich, aufgrund der engen Beziehung zu dem Kind auch weiterhin die Vaterrolle übernehmen zu wollen, ist dies problemlos möglich. Will er die Vaterschaft jedoch tatsächlich anfechten, so muss er das spätestens zwei Jahre, nachdem erste Zweifel aufkamen, auch tun. Diese Regelung soll verhindern, dass eine mögliche Anfechtung als Druckmittel gegenüber der Frau und dem Kind genutzt wird.

Was halten Sie von einem Vaterschaftstest?

Mit dem Gesetz hat die Regierung auf eine Forderung des Bundesverfassungsgerichts reagiert. Dieses hatte über den Fall eines Mannes, der mithilfe eines heimlichen DNA-Tests seine Vaterschaft angefochten hatte, verhandelt. Als Konsequenz forderten die Karlsruher Richter ein geeignetes gesetzliches Verfahren zur Überprüfung der Vaterschaft.

Glauben Sie, dass das ein solches Gesetz Vätern eine Hilfe ist? Was halten Sie überhaupt davon, heimlich die eigene DNA mit der des Kindes zu vergleichen? Schreiben Sie uns!

Neues Urteil am Bundesverfassungsgericht: Vaterschaftstests außerhalb der Familie dürfen nicht erzwungen werden

Kinder haben kein Recht darauf, Männer, die sie für ihren leiblichen Vater halten, zum Vaterschaftstest zu zwingen. Das hat das Bundesverfassungsgericht am 19.04.2016 im Fall einer Rentnerin aus Nordrhein-Westfalen entschieden.

Für die bereits 66-Jährige Frau war die Klage vor dem Bundesverfassungsgericht die letzte Chance zu klären, ob es sich bei dem Mann, den sie seit Jahrzehnten für ihren Vater hält, tatsächlich um ihren biologischen Erzeuger handelt. Da der Mann einen DNA-Test kategorisch ablehnt, ruhte ihre Hoffnung auf der sogenannten „Abstammungsklärung“, die es in bestimmten Fällen möglich macht, die eigene Abstammung ohne rechtliche Konsequenzen, wie etwa Unterhaltspflichten, überprüfen zu lassen. Einen Anspruch darauf hat ein Kind aber auch weiterhin nur gegenüber dem Mann, der rechtlich als sein Vater gilt, also die Vaterschaft bereist anerkannt hat, stellte das Verfassungsgericht klar und wies die Klage damit zurück. Biologische Erzeuger außerhalb der Familie tauchen im Gesetz nicht auf und dürfen deshalb nicht zum DNA-Test gezwungen werden.

Eine Entscheidung zugunsten der Frau hätte sicher weitreichende Folgen gehabt und den Weg für eine Reihe von Vaterschaftsfeststellungen frei gemacht – so aber bleibt alles beim Alten.