Beruf und Familie
 
Die besten Unternehmen für Familien

Wie sehen Firmen aus, die Eltern sich wünschen? Das haben wir in einer großen Umfrage untersucht. ELTERN kürt gemeinsam mit TERRITORY Embrace die familienfreundlichsten Arbeitgeber Deutschlands.

Beruf und Familie: Die besten Unternehmen für Familien
iStock, AleksandarNakic
Inhalt: 
So sind wir vorgegangenDas ist uns Sterne wertPorsche: Gut aufs Elternsein vorbereitetAdacor: Jedes Kind willkommenVodafone: Familie gehört dazu
Möhrenmatsch und Meeting

Wie kriegen wir das hin? Das fragen sich Mütter und Väter oft – und nicht nur, weil ihr Baby fünfmal die Nacht wach war oder sich das Kinderzimmer immer noch nicht von allein renoviert hat.
Über die Familie nachdenken ist heute immer auch Nachdenken über den Beruf. Möhrenmatsch und Meeting. Kollegen und Kita. Karriere und Kinderwunsch. Alles muss Platz haben im Leben.
Karriereplanung ohne Rücksicht auf das familiäre Umfeld gibt es so gut wie nicht mehr, bilanzieren Forscher wie die Soziologin Annette von Alemann, die an der Uni Paderborn zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf forscht. Wollen Unternehmen nicht abgehängt werden bei der Suche nach gut ausgebildeten, motivierten Mitarbeitern, können sie sich dem Anspruch ihrer Mitarbeiter, Kind und Job gerecht zu werden, nicht länger verweigern.

So sind wir vorgegangen

Von März bis Juni 2018 befragte ELTERN mit den Personalmarketing-Experten von TERRITORY Embrace bundesweit Betriebe zu bereits verwirklichter Familienfreundlichkeit.
Dafür haben wir knapp 15000 Firmen aus allen Branchen angeschrieben, vom kleinen Betrieb bis zum großen DAX-Unternehmen. 144 Personalverantwortliche füllten den detaillierten Fragebogen in Selbstauskunft aus – offenbar die ambitioniertesten, denn: 99 Betriebe erreichten auf unserer Bewertungsskala ein Top-Ergebnis von vier und fünf Sternen.
In vielen Studien wird immer wieder nachgewiesen, dass soziale Leitbilder die Praxis zuverlässig voraussagen. Das bedeutet: Was Eltern sich heute wünschen, nimmt jetzt und in Zukunft Einfluss auf den Berufsalltag. Schritt für Schritt hin zu dem, was Eltern brauchen: Meeting und Möhrenmatsch, Platz für beides im Leben.
Was die Antworten der 144 teilnehmenden Betriebe zeigen: Es gibt sicher noch Luft nach oben, aber vieles ist heute schon möglich und wird auch gemacht.

Das ist uns Sterne wert

Beruf und Familie: Die besten Unternehmen für Familien
Gruner + Jahr

Familienfreundliches Arbeitsumfeld, z.B.

  • Homeoffice
  • Lohnfortzahlung bei Krankheit des Kindes
  • Maßnahmen für Wiedereinstieg nach Elternzeit

Kinderbetreuung, z.B.

  • Eltern-Kind-Büro
  • Ferienbetreuung
  • Betriebskita

Flexible Arbeitszeit, z.B.

  • individuelle Arbeitszeitgestaltung
  • Flexibilität der täglichen Arbeitszeit
  • Überstundenabbau

Karriere mit Kind, z.B.

  • Rückkehr von Teilzeit in Vollzeit
  • Jobsharing
  • Führungsposition in Teilzeit

Stellenwert von Familienfreundlichkeit im Unternehmen, z.B.

  • Spezielle Informationen für Eltern
  • Verankerung im Unternehmensleitbild
  • Führungskräfteschulungen zum Thema

Das sind die familienfreundlichsten Unternehmen 2018!

Auch Führungskräfte gehen immer öfter in Elternzeit

Wir fragten: Ist es in Ihrem Unternehmen für Männer/Frauen in Führungspositionen üblich, Elternzeit zu nehmen?
In Zahlen: Für Frauen ist das in 81 Prozent der Betriebe der Fall, für Männer in 62 Prozent.
 

Es wird zunehmend auf Angebote für Väter Wert gelegt.

Wir fragten: Welche der folgenden Angebote speziell für Väter bietet Ihr Unternehmen an: Väternetzwerk, Infomaterial zu Vaterschaft, Infoveranstaltungen, persönliche Beratungsgespräche?
In Zahlen: 28 Prozent unserer 144 Unternehmen unterhalten ein Väternetzwerk. 48 Prozent erstellen Infomaterial. 32 Prozent bieten Infoveranstaltungen an, 13 Prozent persönliche Beratungsgespräche.

Väter haben in Großunternehmen eher die Möglichkeit, in Teilzeit zu arbeiten.

Wir fragten: Wie hoch ist der Anteil der Männer im Teilzeitbereich?
In Zahlen: In größeren Unternehmen sind 14 Prozent der Teilzeitkräfte Männer, in kleineren sind es 11 Prozent.

Größere Firmen nehmen ein familienfreundliches Umfeld etwas wichtiger als kleinere.

Wir fragten: Welchen Stellenwert hat Familie im Betrieb?
In Zahlen: Arbeitgeber mit weniger als 100 Mitarbeitern kamen bei diesem Kriterium im Schnitt auf 3,3 Sterne (von 5), größere Betriebe (über 100 Mitarbeiter) auf 3,9 Sterne.
 

Dafür ist es in Kleinunternehmen eher üblich, Elternzeit zu nehmen.

Wir fragten: Wie viele Männer haben in den letzten zwei Jahren Elternzeit genommen?
In Zahlen: In den größeren der von uns befragten Betriebe waren es knapp 5 Prozent, in kleineren 8,4 Prozent aller Männer.
 

Je mehr Eltern in der Firma eine Führungsposition innehaben, desto akzeptierter ist eine Karriere in Teilzeit.

Wir fragten: Wie hoch ist der Anteil der Teilzeitkräfte auf allen Führungsebenen?
In Zahlen: In Betrieben mit unter 50 Prozent Müttern und Vätern in Führungspositionen sind das 11 Prozent. In Unternehmen, in denen mehr als die Hälfte der Führungskräfte Kinder haben, sind es 15 Prozent.
 

Unternehmen mit niedrigem Frauenanteil werben mit mehr familienfreundlichen Angeboten.

Wir fragten: Wie viele Familienmaßnahmen bietet Ihr Betrieb?
In Zahlen: Bei Unternehmen mit weniger als 50 Prozent weiblichen Beschäftigten wurden im Schnitt mehr familienfreundliche Angebote gemacht.
 

Stolz auf die Vaterolle: Ana Fernandez-Mühl ist Studienleiterin bei TERRITORY Embrace, einem Spezialisten für Employer Branding, Personalmarketing und Recruiting. Sie fasst die wichtigsten Erkenntnisse der ELTERN-Umfrage zusammen.

Frauen wie Männer wollen arbeiten und erfolgreich sein. Aber auch Freizeit haben, sich entwickeln, im Beruf Sinn finden und Familienleben bewerkstelligen. Wie gut das gelingt, entscheidet sich unter anderem in den Führungsetagen. Sitzen dort engagierte Familienmenschen, die selbst Elternzeit nehmen oder für ihre Kinder die Arbeitszeit reduzieren, ist im Betrieb das Verständnis für Eltern größer. Führungskraft und gleichzeitig aktiver Elternteil sein – das ist in solchen Unternehmen möglich.
Familienfreundlichkeit wird vor allem da großgeschrieben, wo Betriebe um die besten Köpfe konkurrieren, weil die sich aussuchen können, wo sie arbeiten wollen. Familienfreundliche Unternehmen wissen außerdem, dass Angebote zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht nur von Frauen gewünscht werden, sondern zunehmend auch von Männern. Väter gehen in Elternzeit und nutzen Teilzeitangebote. Väternetzwerke, die Informationen und Austausch zu Vereinbarkeit, Erziehung oder Kindergesundheit bieten, sind gefragt.
Das Thema "Kind und Karriere" wird uns noch lange begleiten. Aber es gibt immer mehr Betriebe, die erkannt haben, wie wichtig es ist. In einer repräsentativen Studie des Bundesfamilienministeriums ("Familienfreundliche Unternehmenskultur") aus dem Jahr 2017 zeigte sich, dass von allen Unternehmen in Deutschland nur 14 Prozent Familienfreundlichkeit im Leitbild verankert hatten. Von den Unternehmen, die an unserer aktuellen Befragung teilgenommen haben, sind es 61 Prozent. Woraus wir schließen: Wer Familienfreundlichkeit umsetzt, ist stolz auf seine Vorreiterrolle, kommuniziert sie auch – und überzeugt so von sich als Arbeitgeber."

Porsche: Gut aufs Elternsein vorbereitet

Beruf und Familie: Die besten Unternehmen für Familien
Anita Bongards

Tobias Bongards, 40, ist Mitarbeiter im Bereich Fahrzeugaufbau Karosserie beim Stuttgarter Autobauer Porsche. Seinen Sohn Oscar, 14 Monate, betreute er sieben Monate – die Elternzeit hat er sich mit seiner Frau geteilt. Beide arbeiten jetzt wieder Vollzeit, Oscar geht in die Kita.
 
"Dass mein Arbeitgeber uns schon kurz nach der Geburt einen Kitaplatz vermittelt hat, war eine enorme Erleichterung. Wir konnten alles in Ruhe planen, mussten uns nicht auf Wartelisten schreiben lassen und zittern, dass es klappt. Auch sonst bereitet der Betrieb gut aufs Elternsein vor. In Workshops wird alles rund um Elterngeld und Elternzeit geklärt, wie der Antrag zu stellen ist, welche Rechte berufstätige Eltern haben. Im internen Elternzeitnetzwerk kann man sich mit anderen Eltern austauschen.
Als sehr positiv habe ich empfunden, dass es weder in der Chefetage noch bei Kollegen Vorbehalte gab. Es war immer klar, dass ich nach der Vaterpause zurückkomme und dann auch willkommen bin. Als Hinderungsgrund für einen späteren Aufstieg sehe ich meinen zeitweisen Ausstieg nicht. Bei uns im Unternehmen gibt es auch in leitender Funktion engagierte Väter, die in eine längere Elternzeit gehen oder Teilzeit arbeiten. Gute Mitarbeiter sind wertvoll, da dürfen Eltern ihre Rechte schon selbstbewusst in Anspruch nehmen."

Adacor: Jedes Kind willkommen

Carla Breidenstein_c_Adacor/Chris Kettner

Carla Breidenstein, 45, arbeitet als Program Manager beim Offenbacher IT- Dienstleister Adacor, der mit 54 Mitarbeitern zu den kleineren Unternehmen unter den Top 99 gehört.

Als Mutter von zwei Kindern nutze ich die flexible Arbeitszeit auf Vertrauensbasis: Ob früh am Morgen oder am späten Nachmittag – ich kann jederzeit ins Büro kommen. Meetings finden bei uns generell nur während der normalen Bürozeiten statt, wenn die Kinder in der Kita, Schule oder Nachmittagsbetreuung sind. Wird ein Kind krank, kann ich im Homeoffice arbeiten. Wenn ich ins Büro muss bzw. Termine habe, nehme ich bei einem Betreuungsengpass die Kinder mit und nutze unser Eltern-Kind-Büro.
Drei unserer vier Geschäftsführer haben selbst kleine Kinder. Das spürt man nicht nur bei der familienkompatiblen Organisation der Arbeit. Hier ist es selbstverständlich, dass jedes neu geborene Mitarbeiterkind mit einem Willkommensgeschenk begrüßt wird, unser jährliches Sommerfest ist eine große Familienparty. Meine Kinder freuen sich immer schon Wochen vorher darauf.
Mich begeistert die Wertschätzung, die mein Arbeitgeber mir und meiner Familie entgegenbringt. Als Mutter von zwei Kindern einen hohen Stellenwert im Unternehmen zu haben war für mich auch ein Grund, aus langjähriger Freiberuflichkeit in die Festanstellung bei Adacor zu wechseln. Die Flexibilität, die man als Freiberuflerin hat, kommt bei terminlich eng gestrickten Projekten schnell an ihre Grenzen. Seit ich fest bei Adacor arbeite, lasten viele Aufgaben nicht mehr allein auf meinen Schultern. Ich ziehe mit Kollegen an einem Strang und profitiere vom Austausch im Büro. Früher saß ich als Einzelkämpferin im Homeoffice, heute habe ich die Wahl zwischen zwei Standorten – das ist unbezahlbar. Und wenn es meine familiäre Situation in Zukunft zulässt, weil die Kinder flügge werden, freuen sich meine Vorgesetzten, wenn ich wieder mehr als 20 Stunden pro Woche arbeiten möchte.
 

Vodafone: Familie gehört dazu

Erdmute Thalman_c_Vodafone

Erdmute Thalmann ist beim Mobilfunkunternehmen Vodafone bundesweit für Vereinbarkeitsfragen zuständig. Der Arbeitgeber bietet Familien vielfältige Unterstützung an – von der Vermittlung von Haushaltskräften bis zur Ferienbetreuung.

Welche Angebote werden besonders gern angenommen?
Weil Mütter und Väter flexibel sein müssen, freuen sie sich über unsere Homeoffice-Regelung. Mitarbeiter können bis zur Hälfte der Arbeitszeit von zu Hause aus erledigen. Das wird auf allen Ebenen in Anspruch genommen. Ein anderes wichtiges Thema ist die Kinderbetreuung.

Was brauchen Eltern da am meisten?
Wir betreiben eigene Kitas, die über die üblichen Öffnungszeiten hinaus da sind. Das ist vor allem für Eltern wichtig, die in Vollzeit arbeiten. Die Kitas schließen auch nicht in den Ferien, das schätzen Mütter und Väter, weil sie freier sind in der Urlaubsplanung. Wir helfen bei der Vermittlung von Tagesmüttern oder Au-pairs. Familien sollen selber entscheiden können, wie sie die Betreuung gestalten möchten. In Zusammenarbeit mit awo lifebalance, einem Unternehmen der Arbeiterwohlfahrt, bieten wir Ferienprogramme an und vermitteln Kinder von Mitarbeitern auch in andere Freizeitangebote.

Wie ist das Feedback auf die Maßnahmen?
Wir wissen, dass es für Mitarbeiter beim Thema Familie und Beruf sehr wichtig ist, Unterstützung durchs Unternehmen zu bekommen. Familie gehört zum Leben, das können wir als Arbeitgeber nicht ausblenden. Eine Doppelbelastung gibt es einfach. Wenn wir eine motivierte, leistungsfähige Belegschaft wollen, können wir uns davor nicht wegducken. In unseren Mütter- und Väternetzwerken tauschen Eltern sich lebhaft aus. Das zeigt, welchen hohen Stellenwert die Vereinbarkeit von Familie und Beruf hat.

Das sind die familienfreundlichsten Unternehmen 2018!