CTG – Der Herzton-Wehenschreiber
 
Alles in Ordnung, Baby?

Bumbum, Bumbum, Bumbum – der Herzschlag des Babys! Für werdende Eltern ein ganz besonders emotionaler und rührender Moment während der Schwangerschaft. Für Ärzte eine Untersuchung, die Aufschluss über die Gesundheit des Kindes gibt. Worauf sie dabei achten, erfährst Du hier.

Inhalt: 
Was ist das CTG und was wird da überhaupt gemessen?Wie lange dauert ein CTG?Ab wann wird in der Schwangerschaft ein CTG durchgeführt?Welche CTG-Werte sind normal?Was ist ein auffälliges CTG?Kann das CTG meinem Baby schaden?Gibt es Geräte mit denen ich die Herztöne meines Kindes zuhause hören kann? Wird auch während der Geburt ein CTG geschrieben?Tipps für das CTGGibt es Alternativen zum CTG?

Was ist das CTG und was wird da überhaupt gemessen?

Hebamme schreibt ein CTG
iStock, kzenon

CTG ist eine Abkürzung für Cardiotocography, zu Deutsch: Kardiotokografie oder auch Herzton-Wehenschreiber genannt. Dabei messen Ärzte oder Hebammen während der Schwangerschaft gleichzeitig die Wehentätigkeit der Gebärmutter und die Herztöne des Kindes. Hierfür werden der Mutter zwei Sensoren auf die Bauchdecke gelegt und mit einem Gurt fixiert. Die Sensoren schicken kontinuierlich Ultraschallwellen und leiten die Signale, die sie empfangen, an einen Rechner weiter. Er setzt die Arbeit der Gebärmutter und die Herztöne des ungeborenen Kindes in Kurven um. Die werdende Mutter kann diese Kurven direkt auf dem aus dem Rechner kommenden Papier sehen. Was dann während des CTGs laut pocht, ist allerdings nicht das Herz des Ungeborenen, sondern ein virtueller Herzschlag: Das CTG misst das Pulsen von größter Zacke zu größter Zacke in der Kurve und rechnet dann hoch, wie viele Schläge pro Minute zusammenkommen. Entsprechend pocht es dann aus dem Lautsprecher. Auch wenn es nicht der echte Herzschlag Deines Kindes ist, entspricht das Pochen den Herzaktivitäten Deines Babys. Für Eltern einfach wunderschön, dem manchmal langsamen, manchmal schnellen und ab und zu auch mal stolpernden Herztönen zu lauschen.

Wie lange dauert ein CTG?

Wie lange ein CTG geschrieben wird, ist recht unterschiedlich und hängt davon ab, wie Deine Schwangerschaft verläuft und wie es Deinem Kind geht. Meistens werden Herztöne und Wehenaktivität für etwa 20 bis 30 Minuten beobachtet. Aber keine Sorge, wenn Du mal ein paar Minuten länger an das CTG angeschlossen bist. Vielleicht ist in der Praxis gerade viel zu tun, der nächste Patient wird empfangen oder das Telefon klingelt. Sobald sie Zeit hat, wird die Hebamme den Gurt bestimmt abnehmen. Ein längeres CTG schadet Deinem Kind übrigens nicht. Versuch einfach, die Zeit zu genießen, Dich ein bisschen zu entspannen und den Herztönen Deines Kindes zu lauschen.

Ab wann wird in der Schwangerschaft ein CTG durchgeführt?

Ab welcher SSW und wie häufig bei Dir ein CTG durchgeführt wird, hängt in erster Linie vom Verlauf Deiner Schwangerschaft ab. Die Richtlinien der Schwangerschaftsvorsorge sehen CTG-Untersuchungen nicht routinemäßig vor. Daher liegt die Entscheidung, wann ein CTG durchgeführt wird, bei Deinem Arzt. Normalerweise werden CTGs allerdings meistens etwa ab der 30. Schwangerschaftswoche (SSW 30) geschrieben. Wenn Du zur Gruppe der Risikoschwangeren gehörst, vielleicht sogar schon früher, etwa ab der 25. Woche (SSW 25) Deiner Schwangerschaft.

Welche CTG-Werte sind normal?

Das CTG ist kein klarer Befund, sondern muss gedeutet werden.
Die vielen Kurven und Zacken auf dem Ausdruck des CTGs können werdende Mütter manchmal ganz schön verunsichern. Ist die große Kurve normal und was bedeutet dieser Ausreißer nach unten? Geht es meinem Baby etwa nicht gut? So wild es vielleicht aussieht, in den meisten Fällen sind die Werte vollkommen normal. Manche Ausschläge ergeben sich auch einfach, weil Du Dich bewegt hast oder Dein Kind Purzelbäume schlägt. Ein CTG ist nämlich nicht mit der Sinuskurve eines EKGs vergleichbar, die in immer wiederkehrenden regelmäßigen Kurven dargestellt wird.
CTG-Ausdruck
© AzmanL

Die obere Kurve auf dem CTG-Ausdruck zeigt die kindliche Herzfrequenz, die untere die Wehentätigkeit der Mutter. Um ein CTG richtig zu bewerten, betrachtet Dein Gynäkologe nicht nur einen kleinen Ausschnitt, sondern den gesamten Ausdruck. Dabei achtet er auf die durchschnittliche Herzfrequenz Deines Babys. Bei einem unauffälligen Befund liegt der Wert etwa zwischen 110 und 150 Schlägen pro Minute, Schwankungen sind dabei völlig normal. Wenn Du auf dem Ausdruck Ausreißer nach oben, sogenannte Akzelerationen, siehst, liegt das meistens daran, dass Dein Kind sich bewegt und seine Herzfrequenz dabei zugenommen hat. Je nachdem wie aktiv Dein Baby gerade ist, kann es davon auch mehrere geben. Sorge Dich aber nicht, wenn Du diese Ausreißer nicht siehst. Vielleicht schläft Dein Kleines gerade. Die Hebamme oder der Arzt werden dann vielleicht versuchen, es zu wecken.
In späteren Schwangerschaftswochen achtet Dein Arzt vor allem darauf, ob Dein Baby angemessen auf eine Wehentätigkeit reagiert. Dabei interessieren ihn vor allem Ausreißer nach unten, sogenannte Dips. Kurze wehenunabhängige Dips sind vollkommen harmlos.
Aber auch wehenabhängige Abfälle der Herzfrequenz sind kein Grund zur Sorge, sondern zeigen, dass Dein Baby angemessen auf Wehen reagiert. Denn: Die Gebärmutter zieht sich während einer Wehe stark zusammen. Für einen kurzen Moment gelangt deshalb weniger Blut von der Plazenta zum Kind. Das Herz schlägt langsamer. Mit Ende der Wehe normalisiert sich der Herzschlag des Babys wieder. Erholt sich der Herzschlag nicht wieder, ist das ein Hinweis darauf, dass das Kind nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Dein Arzt wird dann weitere Untersuchungen vornehmen.
 

Was ist ein auffälliges CTG?

Ist die Herzfrequenz Deines Kindes zu hoch bzw. zu niedrig, werden Ärzte das genauer beobachten. Meist sind die Gründe ganz harmlos. Vielleicht ist der Herzschlag Deines Kindes verlangsamt, weil es gerade schläft. Oder aber zu schnell, weil es wild im Bauch herumturnt. Werte unter 110 oder über 150 Schlägen pro Minute bedeuten also nichts zwangsläufig, dass es dem Baby nicht gut geht. Um sicher zu gehen, dass alles okay ist, wird Dein Gynäkologe vielleicht weitere Untersuchungen anstellen, z.B. eine Doppler-Sonografie, bei der die Fließgeschwindigkeit des Blutes in den Gefäßen gemessen wird.

In unserem Video siehst Du, was Geburtsmediziner Gerhard Ortmeyer über auffällige CTGs sagt:

singlePlayer

Kann das CTG meinem Baby schaden?

Der Herzton-Wehenschreiber basiert auf Ultraschallwellen, die auch bei einem normalen Ultraschall in der Schwangerschaft angewendet werden. Bisherige wissenschaftliche Studien geben keinen Hinweis darauf, dass diese Untersuchungen einem Baby schaden.

Gibt es Geräte mit denen ich die Herztöne meines Kindes zuhause hören kann?

Die Herztöne Deines Babys hören, wann immer Du willst. Klingt toll, oder? Tatsächlich gibt es Geräte, mit denen das zu Hause jederzeit möglich ist. Etwa ab der 12. Schwangerschaftswoche (SSW 12) lassen sich damit die Herztöne eines Kindes einfangen. Allerdings solltest Du diese Geräte nicht häufiger als einmal am Tag für ein paar Minuten einsetzen. Denn auch wenn bisher keine negativen Auswirkungen von Ultraschallwellen auf Ungeborene bekannt sind, raten Mediziner und Fachleute von einem übermäßigen Gebrauch während der Schwangerschaft ab. Außerdem können solche Geräte für den heimischen Gebrauch werdende Mütter auch ganz schön verunsichern. Vielleicht können sie den Herzton des Babys nicht sicher einfangen und sind dann sehr besorgt um ihr Kind. Stress wiederum wirkt sich auch auf das Ungeborene aus und sollte besser vermieden werden. Schenke Deinem Baby lieber ein bisschen Ruhe und freu Dich auf den nächsten CTG-Termin bei Deinem Arzt oder Deiner Hebamme.

Wird auch während der Geburt ein CTG geschrieben?

CTG während der Geburt
iStock, jenjen42

Wenn Du in der Klinik bist und Deine Wehen in regelmäßigen Abständen kommen, werden der Arzt oder die Hebamme Dich an ein CTG anschließen. So können Sie beurteilen, wie Dein Kind auf die Wehen reagiert. Das CTG muss aber nicht die ganze Zeit über angeschlossen sein. Verläuft die Geburt normal, reichen jede Stunde 10 bis 20 Minuten völlig aus.
Erst während der Austreibungsphase wird das CTG dann dauerhaft geschrieben. Denn zu diesem Zeitpunkt der Geburt kann es durchaus vorkommen, dass ein Baby nicht genug Sauerstoff bekommt. Ärzte erkennen eine Unterversorgung auf dem Monitor und können dann gegebenenfalls schnell reagieren. Moderne Kliniken setzten heute während der Geburt auch ein Telemetrie-CTG ein, bei dem auf die Verkabelung verzichtet und die Daten per Funk an einen Rechner übertragen werden. Der Vorteil: Die Mutter ist bei ihrer Gebärposition nicht eingeschränkt und kann sich frei bewegen. Ärzte und Hebammen sind trotzdem ständig über die Gesundheit des Kindes informiert.

Tipps für das CTG

  • Wenn Du merkst, dass Dich das Pochen ängstigt: Das Gerät lässt sich leiser drehen oder sogar ganz stumm machen. Frage einfach die Hebamme danach.
  • Keine Panik, wenn das Signal einmal abbricht und Du vielleicht keinen Herzschlag mehr hörst. Wahrscheinlich ist der CTG-Gurt einfach verrutscht oder Dein Kind hat gerade eine ungünstige Position im Bauch eingenommen. Die Hebamme wird versuchen, den Gurt wieder zu richten.
  • Besonders in den letzten Wochen der Schwangerschaft solltest Du Dich beim CTG lieber auf die Seite legen und nicht auf den Rücken. Das Gewicht von Plazenta, Fruchtwasser und Baby können auf Deine untere Hohlvene drücken und für Kreislaufprobleme sorgen.
  • Gute Geburtshelfer schauen der werdenden Mutter ins Gesicht, nehmen Kontakt mit ihr auf, und dann erst geht ihr Blick auf die CTG-Kurven. Gehört das Interesse zuerst der Technik, darf sie der werdende Vater ruhig mahnen.    
  • Zeit für Information ist immer. Zum Glück geht es dem Kind nicht von einer Minute auf die andere so schlecht, dass überstürzt gehandelt werden muss. Zeigen sich Ärzte und Hebammen beunruhigt, frage ruhig nach und lass Dir die Situation genau erklären.

Gibt es Alternativen zum CTG?

Weil die CTG-Kurven nicht immer eindeutig sind, wird manchmal auch eine zweite Überwachungs-Methode eingesetzt: Mit einer Elektrode, die der Arzt dem Baby in die Kopfhaut schraubt, kann ein EKG gezeichnet werden. Anders als beim CTG wird der Puls nicht hochgerechnet, sondern die exakten Werte werden aufgezeichnet. Was so nach Wehtun klingt (in die Kopfhaut einschrauben), ist nur ein ganz kleiner Eingriff. Dem Kind wird kaum Schmerz zugefügt, die Elektrode ist winzig (zwei Millimeter), am Köpfchen des Kindes bleibt ein kleiner roter Kratzer zurück. Die Methode ist jedoch aufwendiger als das CTG und wird bei uns meist erst dann angewendet, wenn das CTG auffällig war. Denn die Kopfschwarten-Elektrode hat einen großen Nachteil: Um sie zu legen, muss die Fruchtblase bereits offen sein, denn sonst können die Ärzte das Köpfchen des Babys nicht erreichen.