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Neue Studie zu Corona-Folgen Kinder leiden vermehrt unter Essstörungen und psychischen Erkrankungen

Die psychische Belastung bei Kindern ist während der Pandemie stark gestiegen.
Die psychische Belastung bei Kindern ist während der Pandemie stark gestiegen.
© Shutterstock
Der DAK-Sonderbericht zeigt erschreckende Auswirkungen der Pandemie bei Kindern und Jugendlichen: Essstörungen, psychische Erkrankungen und schwere Krankheitsverläufe sind direkt spürbare Folgen der Corona-Maßnahmen.

"Die Krankenhausdaten zeigen alarmierende Folgen der Pandemie für die Gesundheit der Kinder und Jugendlichen", sagt DAK-Vorstandschef Andreas Storm in einer Mitteilung. Er fordert von der Bundesregierung jetzt kurzfristig einen "Aktionsplan Kindergesundheit". Kinder seien keine kleinen Erwachsenen, deswegen müsse auf ihre Gesundheit besonders geachtet werden. Die Ergebnisse der Studie versetzen auch Mediziner:innen in Sorge.

Die Grundlage der Studie sind anonymisierte Krankenhausdaten

Der Kinder- und Jugendreport der DAK wurde in Zusammenarbeit der Universität Bielefeld mit dem Unternehmen Vandage erstellt, ein Analyseunternehmen, welches sich auf Datenreporte aus dem Gesundheitsbereich spezialisiert hat. Die Grundlage der Studie sind anonymisierte Krankenhausdaten von knapp 800.000 Kindern und Jugendlichen bis 17 Jahren, die bei der DAK-Gesundheit versichert sind, heißt es in einer Meldung. Die Forscher:innen verglichen die Daten vom Jahr 2020 mit den Daten aus 2019.   

Starker Anstieg von Adipositas und Essstörungen bei Kindern und Jugendlichen 

Im Vergleich zum Vorjahr wurden 60 Prozent mehr Kinder und Jugendliche mit einer Adipositas-Erkrankung im Krankenhaus behandelt. Insgesamt scheint die Corona-Pandemie einen Einfluss auf das Essverhalten von jungen Menschen zu haben.

Die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit Untergewicht wuchs ebenfalls um 35 Prozent an. Stationär behandelte Essstörungen wie Bulimie oder Anorexie nahmen in den Lockdowns deutlich zu – im Vergleich zum Vorjahr gab es einen Anstieg von zehn Prozent.

Dynamische Entwicklung bei Diabetes und Infektionen

Die stationären Behandlungen von Kindern und Jugendlichen mit Diabetes Typ 1 stiegen leicht um zwei Prozent an. Auffällig ist, dass sie im ersten Lockdown um 28 Prozent abgenommen und im zweiten um 42 Prozent zum Vorjahr zugenommen hatten.

Einen Rückgang gab es indes bei der Behandlung von Infektionskrankheiten. Die meisten Eltern behandelten ihre Kinder demnach von zu Hause aus. Im Vergleich zum Vorjahr ging die stationäre Versorgung von Darminfektionen um 80 Prozent zurück. Bei Mandelentzündungen gab es einen Rückgang von 42 Prozent. Auch die Behandlungen einer akuten Bronchitis gingen um ein Drittel zurück.

Psychische Erkrankungen stiegen im zweiten Lockdown an

Insgesamt blieb die Zahl der Klinikbehandlungen bei psychischen Erkrankungen auf dem Niveau von 2019. Erkennbar war jedoch, dass im ersten Lockdown 30 Prozent weniger Kinder und Jugendliche aufgrund einer Verhaltensstörung behandelt wurden. Zum Herbst- und Winter-Lockdown stieg die Zahl der Patient:innen um vier Prozent an.

Bei Depressionen und Angststörungen zeigte sich ein ähnliches Bild. Im ersten Lockdown wurden rund 37 Prozent weniger junge Patient:innen stationär behandelt. Ende des Jahres stieg der Wert um acht Prozent zum Vorjahr.

Zu beachten ist allerdings, dass es sich bei dieser Datenerhebung nur um die stationären Behandlungen handelt. Die therapeutische Versorgung von Kindern und Jugendlichen ist nicht Teil der Erhebung.

Kinderärzte bewerten die Lage zunehmend als ernst

"Die Krankenhausbehandlungsfälle von Kindern und Jugendlichen gingen im ersten Lockdown stärker zurück als im zweiten. Gleichzeitig werden in den Kliniken aber mehr schwere Fälle behandelt", so Dr. Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbands Kinder- und Jugendärzte.

Vor allem Bereich des Körpergewichts und der psychischen Gesundheit haben die Corona-Maßnahmen einen deutlichen Effekt gezeigt. Die Behandlungsrückgänge im ersten Lockdown empfindet der Mediziner als besorgniserregend: "Es wird noch lange dauern, bis wir zu einer Normalität zurückkehren können."

Das Infoportal "ich bin alles" ist eine digitale Anlaufstelle für psychische Erkrankungen bei Kindern

In der aktuellen Lage ist es für viele Familien nicht einfach sich Hilfe zu holen. Therapieplätze sind aktuell Mangelware und die Wartelisten werden immer länger. Angebote darüber hinaus könnten in akuten Lagen bereits helfen. 

Die psychische Belastung von Kindern ist während der Pandemie stark gestiegen und zu einem gesamtgesellschaftlichen Problem geworden. Diesem widmet sich jetzt das neue Infoportal "ich bin alles" – die erste digitale Anlauf- und Informationsstelle für Depressionen und psychische Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland.

Dieses multimediale Angebot ist entstanden durch eine Zusammenarbeit der Kinder-Jugendpsychiatrie des LMU Klinikums München mit der Beisheim Stiftung. Es handelt sich dabei vor allem um Präventionsmaßnahmen und Hilfestellungen, die deutschlandweit angeboten werden. Informationen gibt es über die Website ich-bin-alles.de sowie auf TikTok, Instagram und Facebook.

Verwendete Quelle: Kinder- und Jugendreport der DAK, dak.de

slr ELTERN

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