Mutterschaft
 
Ist die Kinderbetreuung durch die Mutter out?

Sind Väter und Mütter heute nur noch Versorger?

Die Mutterschaft, traditionell zentraler Teil der Weiblichkeit, wird abgewertet

Es geht um etwas anderes: Für Eltern wird es immer normaler, Erziehung und Bildung zu delegieren. Viele Mütter und Väter beschränken sich heute auf die Betreuung, das heißt, sie sorgen fürs Essen, für die Wäsche, für Freizeitaktivitäten.

Doch damit wird die Mutter- und Vaterrolle auf Teilaspekte reduziert. Die verbreitete Erziehungsunsicherheit trägt sicher ihren Teil dazu bei. Wer sich nicht mehr auf seine Intuition verlässt, ist froh, wenn er Aufgaben an "Fachleute" übertragen kann - an Kindergarten, Schule, Sportverein, Sprachkurs.

Auf der einen Seite wird die Mutterschaft, traditionell ein zentraler Teil der Weiblichkeit, gegenüber dem Beruf immer weiter abgewertet - auf der anderen Seite wird sie zunehmend ihrer erzieherischen und bildenden Komponenten entkleidet.

Die Folgen: Die enge Beziehung zum Kleinkind lockert sich bald, Konflikte häufen sich, Eltern und Kind leben sich rasch auseinander. Eines der traurigsten Ergebnisse der ersten PISA-Studie war, dass in Deutschland Jugendliche viel weniger mit ihren Eltern sprechen als in anderen Ländern.

Kann nur die Hausfrau für ein harmonisches Miteinander sorgen?

Und noch ein wichtiger Teil der Frauenrolle verliert an Bedeutung: die Haushaltsführung. Eine Hausfrau ohne Kinder zu sein heißt inzwischen, ganz am Ende der gesellschaftlichen Rangskala zu stehen. Wer Kinder hat und einen Beruf, findet dagegen immer weniger Zeit, zum Beispiel selbst etwas zu kochen - da wundern wir uns über die Zunahme von Essstörungen!

Die mangelnde Wertschätzung der Haushaltsarbeit führt schließlich dazu, dass in Familien immer mehr das fehlt, was man Gemütlichkeit nennt. Das Leben der einzelnen Familienmitglieder, auch der Kinder, spielt sich zunehmend im eigenen Zimmer ab - oder außerhalb der Wohnung. Gemeinsame Aktivitäten (selbst das Fernsehen miteinander) werden zur Ausnahme.

Sind die Frauen selbst schuld an den Problemen vieler Familien?

Dieser Artikel soll kein Plädoyer für eine Rückkehr ins 19. Jahrhundert sein. Und schon gar keine Schuldzuweisung an die Frauen. Eher eine Zustandsbeschreibung - und eine Anregung, beim Erziehen wieder stärker der eigenen Intuition zu vertrauen und dem Kind mehr Freiraum für eine selbstbestimmte Entwicklung zu lassen.

Wir müssen uns von der Vorstellung lösen, ein Kind könne "gemacht" werden. Und das Bewusstsein wiedererwecken, dass das Zuhause ein gemütliches Heim sein kann, in dem Menschen sich geborgen fühlen, viel miteinander reden und Zeit gemeinsam gestalten. Und dafür sollten alle in der Familie verantwortlich sein, nicht mehr nur die Frauen!

Was halten Sie von Martin Textors Thesen?

Bei diesem Artikel handelt es sich um einen gekürzten Beitrag aus dem Online-Familienhandbuch des Staatsinstituts für Frühpädagogik (IFP). Sie finden ihn auch unter www.familienhandbuch.de.

Was halten Sie von Martin Textors Überlegungen? Hat er Recht? Oder sind diese Ansichten Ihrer Ansicht nach völlig überholt? Schreiben Sie uns Ihre Meinung, indem Sie den Artikel kommentieren - wir sind sehr gespannt!

Natürlich können Sie auch in unserem "Wie viel Job braucht eine Mutter?"-Forum mit anderen Usern über das Thema diskutieren.

Wird eine Frau tatsächlich über die Mutterschaft definiert? Wer sich mit solchen und ähnlichen Fragen auch anhand von Frauenbiographien beschäftigt, findet auf der Website von "FemBio Frauen-Biographieforschung e. V." (www.fembio.org) interessante Denkanstöße.