Medien-Erziehung
 
Brauchen wir einen Tablet-PC?

Tolles neues Werkzeug oder doch nur teurer Spielkram? Längst sind Tablet-PCs und iPads auch in den Familien angekommen, aber ob sie wirklich gebraucht werden, muss jede Familie für sich selbst beantworten. Hier ein Überblick für Eltern, die sich noch nicht sicher sind. Plus Checkliste: Worauf achten beim Kauf?

Für Kindergartenkinder?

Tablets sind buchstäblich kinderleicht zu bedienen. Und für Kinder ab drei, vier Jahren gibt es jede Menge witzige, kindgerechte, einfach schöne Apps. Natürlich machen die auf einem großen Touchscreen besonders viel Spaß. Allerdings ist es nicht jedermanns Sache, das teure Stück einem Vierjährigen in die Hand zu geben. Fazit: Man kann auch schon im Kindergartenalter schön damit spielen, aber notwendig ist das ganz bestimmt nicht.

Für die Schule?

Ein beliebtes Argument von Schülern: „Das kann ich auch zum Lernen brauchen!“ Fragen Sie zurück: Wie genau? Ist mit „Lernen“ noch etwas anderes gemeint als Internet-Recherche und eventuell der Einsatz von Lernsoftware? Beides lässt sich nämlich genauso gut und eventuell besser am stationären Rechner machen. Und wenn die Schule Ihres Kindes „Tablet-Klassen“ plant, dann ist damit ganz sicher nicht gemeint, dass jeder Schüler sein eigenes iPad oder seinen Tablet-PC mit in den Unterricht bringt. Fazit: Zum Lernen braucht man das Gerät sicher nicht, eventuell aber für Präsentationen – siehe nächster Punkt.

Für den Job?

Wer arbeiten will, braucht eine Möglichkeit, ohne Mühe lange Texte zu tippen und zu verwalten. Dafür sind die Touchscreen-Tastaturen nicht ausgelegt. Zwar lässt sich auf ihnen wesentlich besser schreiben als auf Smartphone-Touchscreens oder -Tasten, aber eben längst nicht so gut wie auf richtigen Tastaturen. Also braucht man eine externe Tastatur, etwa mit Bluetooth-Verbindung, außerdem Software zur Textverarbeitung und Möglichkeiten, Dateien auszutauschen. Hier sind Windows-Tablets deutlich besser aufgestellt als das iPad, das nicht mal einen USB-Anschluss besitzt. Fazit: Zum Arbeiten eignen sich Tablets eher weniger. Aber damit lassen sich unkompliziert viele Bücher als Pdf mitnehmen. Außerdem schick: Die eigenen Pdfs darauf zu präsentieren.

Zur Unterhaltung?

Musik, Videos, Spiele, Filme (sofern genug Speicherplatz vorhanden ist), E-Mail und Internet samt sozialen Netzwerken, E-Books … all das ist mit guten Lautsprechern und auf brillanten Displays zu genießen. Dabei sind Tablets ohne langwieriges Hochfahren sofort verfügbar. Sogar Fotografieren und Filmen lässt sich mit vielen. Zwar vielleicht nicht in der guten Qualität, wie Kameras sie bieten, aber dafür macht es gerade Kindern Spaß, mit dem riesigen Display zu fotografieren und Bilder zu betrachten. Fazit: Wer gute Unterhaltung für die ganze Familie sucht, der findet genau das.

Für unterwegs?

Tablets können grundsätzlich nicht viel mehr als gute Smartphones, das aber viel, viel bequemer. Allerdings sollte man sich vorher überlegen, wie man ins Internet kommen will. Wer nicht Extrakosten durch einen Mobilfunkvertrag in Kauf nehmen will, ist unterwegs auf W-LAN angewiesen, das auch nicht immer kostenlos zur Verfügung steht. Fazit: Eine feine Sache für unterwegs, aber ein Mobilfunkvertrag kann den Spaß teuer machen.

Für die „Mal eben …“-Momente?

Mal eben Mails checken, mal eben gucken, was auf Facebook los ist, mal eben eine Runde Angry Birds spielen, mal eben googeln, wann genau die Sommerferien 2013 beginnen: Schon Smartphones und Notebooks verführen dazu. Durch Tablets wird der Zugriff aufs Internet noch einfacher und bequemer. Ob das jedoch gut für ihr Kind und für ihr Familienleben ist, können Eltern nur selbst entscheiden. Fazit: Je kleiner das Kind und je faszinierter von elektronischen Medien, desto genauer müssen die Eltern darauf achten, dass die virtuelle Realität nur wohldosiert aufs Kinderleben einwirkt. Es soll schon vorgekommen sein, dass kleine Kinder versuchen, beim Vorlesen im Bilderbuch einzelne Bilder durch Spreizen von Daumen und Zeigefinger „ranzuziehen“ …

Fünf Tipps zum Tablet-Kauf

  • Überlegen Sie genau, wofür Sie das Gerät benutzen wollen, damit Sie eventuell notwendiges Zubehör gleich in den Preis mit einkalkulierten können.
  • Ob Apple iOS, Windows 8 oder Android – das ist fast eine Glaubenssache und hängt auch davon ab, was für einen Rechner Sie zu Hause stehen haben. Wenn Ihre Kinder gerne Online-Spiele aufrufen, bedenken Sie, dass das iPad Flash nicht unterstützen kann.
  • Speicherplatz kostet viel Geld, lässt sich aber bei vielen Tablets hinterher nicht erweitern. Brauchen Sie reichlich Platz für Ihre Foto- und Filmsammlung oder wird das Tablet ohnehin nur fürs Mailen, Surfen und Apps benutzt? Dann reichen schon 16 GB.
  • Werden Sie mit dem Tablet viel unterwegs sein? Dann spielen Gewicht und Akku-Laufzeit bei der Auswahl eine größere Rolle.
  • Muss es unbedingt das allerneueste Modell sein? Vorjahresmodelle sind oft deutlich preiswerter und erfüllen die Bedürfnisse von Familien genauso gut.