Sorgerecht im Kino
 
Kampf ums Kind: "Der entsorgte Vater"

Die Mutter ist wichtig, der Vater ist austauschbar

Der Vater als reiner Erzeuger? "Das ist diskriminierend", meint Ralf Bähringer aus Karlsruhe, 36, Polizist und Vater von zwei Kindern. Er darf die beiden alle 14 Tage am Wochenende sehen - einen weiteren Besuchstag, der ihm vom Gericht zugesprochen wurde, boykottiert die Mutter nach seinen Angaben. Warum sie das kann? Die Männer sagen: Weil Jugendämter und Gerichte sich immer auf die Seite der Mütter schlagen würden, sie "gnadenlos" unterstützten. Weil in unserer Gesellschaft die Mutter als wichtig angesehen werde, der Vater als austauschbar. Sei ein neuer Mann da, brauche man den Erzeuger nicht mehr.

"Ich hatte ein Kind"

Unter den fünf Fällen, die der Film beschreibt, ist der des Polizisten Bähringer noch harmlos. Die anderen Väter haben keinen oder kaum noch Kontakt zu ihren Kindern. Die schlimmste Erfahrung hat Bernd Sosna gemacht. Er sagt: "Ich hatte ein Kind - und dann ist das irgendwie eskaliert." Eskaliert, das heißt: Seine Ex-Frau behauptete, er habe die gemeinsame Tochter sexuell missbraucht. Eine Anschuldigung, die während einer psychotherapeutischen Betreuung des Kindes nicht nachgewiesen werden konnte. Sosna hat den Kampf aufgegeben, eine juristische Auseinandersetzung würde aus seiner Sicht vor allem seiner Tochter schaden.

Abschied von der Tochter - für immer?

Und tatsächlich erweckt der Film den Eindruck, als steigerten sich die Fehlentscheidungen der staatlichen Stellen, je länger die Eltern um das Sorgerecht streiten. Das zeigt auch der Fall von Douglas Wolfsperger selbst: Am Ende einer fünf Jahre andauernden Auseinandersetzung steht für den Vater ein trauriger Termin an: Bei einem letzten Treffen mit seiner Tochter soll er sich von ihr verabschieden. Die Richter haben entschieden, dass dem Kind der Kontakt nicht gut tut - nicht, weil er es nicht liebt oder ihm Schaden zufügt, sondern weil die Mutter den Haupteinfluss auf das Kind hat und sie einen Umgang mit dem Vater nicht will. Die Mutter als "Kinderbesitzerin" - in diesem Fall scheint der Begriff nicht ganz falsch.

"Nur ein Posten auf dem Kontoauszug"

Am Ende des Films bleibt ein große Frage: Wie kann es sein, dass Väter, die ihre Kinder lieben und sich um sie kümmern wollen, immer wieder versuchen Kontakt aufzunehmen, am Ende scheitern? Seine Tochter sei nicht mehr als ein Posten auf dem Kontoauszug, sagt Realschullehrer Franzjörg Krieg. Er spricht von seiner älteren Tochter, die er seit elf Jahren nicht gesehen hat. Er weiß, wo sie studiert, aber einfach mal vorbeifahren? Das würde ihm sicherlich als Aggression ausgelegt. "Davor will ich mich schützen." Ob er hofft, dass irgendwann der Zeitpunkt kommt, an dem seine Tochter wissen will, wie es ihm geht? Kriegs Blick wird stumpf. Er glaube, dass nur ein Schlüsselerlebnis wie eine Geburt oder ein Tod "entsorgte" Väter und ihre Kinder wieder zusammen bringe. "Vielleicht wär's dann dein Tod?", fragt Wolfsperger. Krieg braucht einen Moment für seine Antwort: "Ich weiß nicht, ob sie kommen würde."