Einzelkind
 
Braucht ein Kind Geschwister?

Einzelkind: Braucht ein Kind Geschwister?
iStock, filadendron

Was Kinder wirklich prägt: die gute Beziehung zu ihren Eltern

Viele Studien haben gezeigt: Damit Kinder zu selbstbewussten, sozial kompetenten Persönlichkeiten heranwachsen, brauchen sie Momente ungeteilter Aufmerksamkeit und Phasen des Nebenher-Laufens, weil kein Kind den Stress gut wegsteckt, immer im Zentrum aller Aufmerksamkeit zu stehen. Sie brauchen Grenzen, die ihnen zeigen, wo ihre Welt zu Ende ist, und Freiheiten, die ihnen den Mut und den Raum zum Wachsen und Ausprobieren geben.

Und sie brauchen das tiefe Vertrauen darauf, dass ihre Bedürfnisse ernst genommen, gehört und respektiert werden, ob mit fünf Monaten oder mit 15 Jahren. Für all diese Dinge ist es nur in sehr geringem Maße ausschlaggebend, ob noch Geschwister im Haus sind oder nicht. Es geht um die Qualität der Eltern-Kind-Beziehung, nicht um die Quantität, um die Stunden exklusiver Aufmerksamkeit.

Und: Kinder brauchen andere Kinder. Dafür zu sorgen, dass ihr Kind auch in den ersten Lebensjahren nicht in einer reinen Erwachsenenwelt aufwächst, ist ein Teil des Jobs, Mutter oder Vater eines Einzelkinds zu sein.

Der gesellschaftliche Trend zur Vereinzelung

Eltern sollten frei entscheiden, ob sie ein zweites Kind möchten

All das zeigt: Die Ein-Kind-Familie als immer weiter verbreitetes Lebensmodell ist kein Grund zum Fürchten. Sondern ein Abbild unserer Gesellschaft, wo Beziehungen zu anderen Menschen nicht ei fach wie im Geschwisterkreis da sind, sondern Arbeit erfordern: Kontaktaufnahme, den Mut, auf Fremde zuzugehen. In der neuen Stadt, im neuen Job.

Einzelkinder kennen das von klein auf. Sie sind in gewisser Weise schon ihr Leben lang im Trainingslager für einen gesellschaftlichen Trend, den Sozialwissenschaftler als "Vereinzelung" beschreiben. Das klingt nur traurig, wenn man "einzeln" mit "allein" gleichsetzt. Was ja schon bei den Einzelkindern nicht stimmte.

Wie entlastend, zu wissen: In der Entscheidung für oder gegen ein zweites Kind sind Eltern ganz und gar frei. Ihr Erstgeborenes kann die Entthronung durch Bruder oder Schwester genauso wegstecken wie die Tatsache, das einzige Kind zu bleiben - wenn es sich geliebt und angenommen fühlt. Weshalb es eigentlich nur einen guten Grund gibt, sich für ein zweites Kind zu entscheiden: Weil es ein Wunschkind ist.

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Sie sind Eltern eines Einzelkindes? Dann können Sie in unserem "Einzelkinder-Forum" diskutieren, was es für ein Kind bedeutet, ohne Geschwister aufzuwachsen.